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Sauerei an der Isar: Der Fluss wird in München als E-Roller-Friedhof missbraucht

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Von: Michael Hellstern

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Ein Isarfischer mit unwillkommenem Fang.
Ein Isarfischer mit unwillkommenem Fang. © Isarfischer

Die Isarfischer schlagen Alarm: Betrunkene oder radikale Rollergegner werfen häufig E-Scooter in die Isar. Die Behörden und die Isarfischer fordern nun eine bessere Kommunikation mit den Verleihfirmen.

Das Isarwasser hat derzeit nur neun Grad, deshalb ist der Neoprenanzug für die Isarfischer Pflicht. Die ehrenamtlich tätigen Naturfreunde rücken immer wieder aus, um E-Scooter aus dem Fluss zu bergen. In diesem Jahr konnten sie bereits 35 der in München* kontrovers diskutierten Gefährte herausfischen. „Wir versuchen, die Isar sauber zu halten“, sagt Jan Okusluk. „Viele Betrunkene oder radikale E-ScooterGegner werfen die Tretroller von Brücken in den Fluss. Wir bergen diese, stellen sie mit einem Info-Schild an den Wegesrand und informieren die Anbieter.“

München: „Wir angeln nicht nur Fische, sondern auch Roller & Räder aus der Isar“

„Wir angeln nicht nur Fische, sondern auch Roller & Räder aus der Isar. Denn wir lieben und schützen diesen einzigartigen Fluss mitten im Herzen Münchens“, steht auf den Infoschildern. Doch mitunter ist die Arbeit vergebens. Das Problem sei oft, dass die Verleihfirmen nicht reagieren und den Tretroller nicht abholen. „Im schlimmsten Fall landet er dann wieder im Wasser“, klagt Okusluk.

Mit Infoschildern kennzeichnen die Isarfischer die geborgenen E-Scooter.
Mit Infoschildern kennzeichnen die Isarfischer die geborgenen E-Scooter. © Isarfischer

Die Tendenz ist alarmierend, denn die Isarfischer sind nur an der Isar tätig und bergen nur jene Fahrzeuge, die sie selbst entdecken. Weitaus mehr Fälle werden bei Wasserwirtschaftsamt, Baureferat, Stadtwerken und beim Energieversorger Uniper aktenkundig: Sie fischten von 2019 bis Juni 2021 mehr als 220 E-Scooter* aus Münchner Gewässern. Und dabei sind jene Fahrzeuge, die von den Verleihfirmen selbst geborgen wurden, noch gar nicht mitgezählt.

München: Für eine Bergung fallen rund 200 bis 300 Euro an

„Finden wir einen Roller, so wird der Betreiber aufgefordert, sein Gerät zu bergen“, erklärt der Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, Christian Leeb. „Dies passiert in der Regel nicht, und nach rund drei Wochen folgt die Bitte, dass wir dies übernehmen. Die Rechnung für die Bergung wird meist auch nur schleppend bezahlt.“ Dafür fallen rund 200 bis 300 Euro an. Leeb würde es begrüßen, wenn die Betreiber einen festen Ansprechpartner in München oder wenigstens zentral in Deutschland benennen würden. „So wie es derzeit läuft, ist es inakzeptabel“, betont Leeb.

In die gleiche Richtung geht ein Antrag der Lokalpolitiker aus Schwabing-Freimann. „Wenn E-Scooter mit Lithium-Batterien im Wasser landen, hat dies einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität und somit auch auf die im Wasser lebenden Tiere“, betont Barbara Epple (Grüne). „Die E-Scooter und die eingebauten Akkus führen zu einer erheblichen Gefährdung.“ Auch der Bezirksausschuss fordert deshalb einen deutschsprachigen Ansprechpartner pro Verleihfirma. Anrufe bei den jeweiligen Hotlines verliefen häufig im Sand.

Anbieter haben Teams, die versuchten, verschwundene Roller zu bergen

Caspar Spinnen von der Verleihfirma Voi räumt Kommunikationsprobleme ein: „Wir sind eine Digitalfirma, deshalb beantworten wir E-Mails am schnellsten. Städtische Behörden sollten am besten eine E-Mail mit dem Problem an unseren Support schreiben. Wir sind aber auch gerne bereit, einen direkten Ansprechpartner zu benennen.“ Voi verfüge wie andere Anbieter in München über Teams, die regelmäßig versuchten, verschwundene Roller zu bergen. „Leider funktioniert das GPS-Signal im Wasser nicht mehr“, sagt Spinnen. Anhaltspunkt sei deshalb jeweils der letzte Ortungspunkt. Derzeit würden in München zehn Scooter der Firma vermisst, die aber nicht zwangsläufig im Wasser liegen müssen. „Das GPS-Signal ist oftmals ungenau, weshalb es sich auch um Böschungen und andere Randbereiche von Gewässern handeln kann“, sagt Caspar Spinnen.

Auch Leihräder landen oft im Wasser.
Auch Leihräder landen oft im Wasser. © Isarfischer

Inzwischen haben viele Anbieter Verbotszonen rund um Gewässer eingerichtet, in denen die E-Scooter nicht mehr abgestellt werden können. Die Isarfischer halten dies für ein wichtiges Signal. Ihnen sind aber vor allem jene Betreiber ein Dorn im Auge, die auf Hinweise überhaupt nicht reagieren. „Viele Verleihfirmen sparen sich das Geld für die Bergung oder die Ausschlachtung der defekten Roller und ignorieren uns“, sagt Jan Okusluk. „Das kann so nicht weitergehen.“ *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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