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Schock nach Not-OP in Großhadern: 61-Jährige erwachte gelähmt - „Sitze bis heute im Rollstuhl“

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Von: Andreas Thieme

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Stephanie K. (61) erwachte gelähmt nach einer Operation. Jetzt verklagt sie das Klinikum Großhadern
Stephanie K. (61) erwachte gelähmt nach einer Operation. Jetzt verklagt sie das Klinikum Großhadern © Foto: privat

Sie erlebte den Albtraum aller Patienten: Nach einer Narkose spürte Stephanie K. ihre Beine nicht mehr und sitzt bis heute gelähmt im Rollstuhl. Vor dem Landgericht klagt sie nun gegen das Klinikum Großhadern und fordert 150000 Euro Schmerzensgeld.

München - Stephanie K. (61) hat ihr Lachen nicht verloren. Auch heute noch strahlt sie viel Herzlichkeit aus. Trotz allem, muss man sagen. Denn die 61-Jährige hat den Horror aller Patienten erlebt: Als sie aus einer Narkose erwachte, konnte sie ihre Beine nicht mehr spüren. „Seitdem sitze ich im Rollstuhl“, sagt Stephanie K.

Im Jahr 2016 fing ihre Leidensgeschichte an. Erst hatte sie Herzprobleme, später eine Tumor-Behandlung. Im Mai 2019 musste Stephanie K. dann mit einem septischen Schock ins Klinikum Großhadern eingeliefert werden. „Es ging um Leben und Tod“, sagt ihr Mann Peter (62). Er begleitete seine Frau gestern ins Landgericht. Dort fordert die Familie rund 150 000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld vom LMU-Klinikum.

„Ich bin froh, dass wir uns hier überhaupt so sehen können“, sagte Richter Stephan Mittelsten Scheid, der viel Mitgefühl für die Patientin aufbrachte. „Es geht in dem Verfahren darum, ob ein Behandlungsfehler vorliegt oder nicht“, erklärte er. Die entscheidende Frage: Wurde Stephanie K. über die Risiken der Not-OP aufgeklärt?

München: Patientin erwachte gelähmt nach OP in Großhadern - jetzt verklagt sie die Klinik

70 Minuten lang habe das Gespräch im Klinikum gedauert. „Über das Risiko einer Querschnittslähmung wurde aber nicht gesprochen“, sagt K. Einem Gutachter zufolge sei dieses „extrem niedrig“. Doch Stephanie K. behauptet, dass es Probleme mit dem Katheter gab - zwei Ärzte hatten das in der Vergangenheit bestätigt. Die frühere Leistungs-Kunstturnerin ist nun an den Rollstuhl gefesselt - und will, dass die Klinik dafür haftet.

Denn ihr Alltag ist heute stark eingeschränkt,. „Ich leide auch an Spastiken, Wundheilungs- sowie Blasenentleerungsstörungen.“ Mehrfach musste sie nach der strittigen OP in Großhadern noch nachoperiert werden. „Jeder Tag ist eine Herausforderung“, sagt Stephanie K., die von ihrem Mann und den vier Kindern unterstützt wird. Rechtlich vertritt Anwältin Patricia Jaritz von der Kanzlei Falch & Partner die Patientin.

Stephanie K. (61) hat ihr Lachen trotz des schweren Schicksals nicht verloren
Stephanie K. (61) hat ihr Lachen trotz des schweren Schicksals nicht verloren © Foto: privat

„Unser Haus ist leider nicht behindertengerecht“, sagt K., die nach dem Vorfall sogar wieder begonnen hatte zu arbeiten. Ihren Job als Betreuungsassistentin für Demenzkranke konnte sie aber nicht fortsetzen und sucht eine neue Stelle: „Ich möchte unbedingt wieder mit Menschen arbeiten. Das erfüllt mich.“

Vor Gericht sah es gestern nicht so gut aus für Stephanie K. „Die Anlage des Katheters war fehlerfrei“, sagte der Gutachter. Fraglich ist jedoch, ob der Katheter zunächst falsch gelegt wurde und später verrutscht ist. Die Medikamente hingegen seien richtig dosiert gewesen. Dennoch war K. ins Koma gefallen. „Bewegung war immer mein Leben“, sagt sie. „Das wurde mir genommen. Aber ich kämpfe weiter.“ Ein Urteil steht noch aus.

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