Rollstuhlfahrer und Pflegerinnen tot aufgefunden

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In einem Wohnhaus an der Rosenheimerstraße hat eine Frau die Leichen ihres Mannes und zweier Pflegerinnen gefunden.

München - Ein mysteriöser Gruppen-Selbstmord schockiert München. Ein schwerkranker Mann, eine Ärztin sowie eine Betreuerin – alle zwischen 50 und 65 Jahre alt – wurden am späten Montagabend tot in einer Wohnung an der Rosenheimer Straße gefunden.

„Wir haben überhaupt keine Idee, wie es zu so etwas kommen konnte“, sagt eine Nachbarin am Dienstagmittag und schüttelt fassungslos den Kopf. „Die waren alle drei immer so freundlich.“ Polizei und Rettungskräfte sind bereits wieder abgezogen. Aus Ermittlerkreisen ist zu hören, dass es zweifelsfrei bei allen dreien Selbstmord gewesen sein soll.

Bilder: Leichenfund in Ramersdorf

Dies bestätigte später auch die Obduktion. Den Rechtsmedizinern zufolge ergaben sich keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden. „Es wird derzeit von keinen strafrechtlich relevanten Handlungen ausgegangen“, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagabend.

Rund 18 Stunden zuvor, am Montag gegen 23.15 Uhr, war der Notruf bei der Polizei eingegangen. Die Ehefrau des toten Erich H. war von einem Spaziergang heimgekommen und hatte die Leichen entdeckt. Alle drei lagen zusammen im Schlafzimmer. Die Konstellation in der etwa 120 Quadratmeter großen Wohnung war ungewöhnlich: Neben Erich H. und seiner Ehefrau lebte auch die Ärztin Dr. G. hier – sowie wohl zumindest phasenweise auch die dritte Tote.

Die beiden Frauen betreuten Erich H., Jahrgang 1948, medizinisch. Der Rentner hatte massive Rückenbeschwerden. Trotz Operationen an den Bandscheiben litt es schon seit langem dauerhaft unter schweren Schmerzen. Oft konnte er sich nur im Rollstuhl fortbewegen. „In letzter Zeit ging es ihm besonders schlecht“, bestätigt eine Nachbarin. „Das sah man ihm an.“ Dass ihn das dauernde Leid letztlich zum Selbstmord getrieben haben kann, sei vorstellbar. Doch warum auch die beiden Frauen?

Alle drei Opfer sollen sich eine tödliche Infusion gesetzt haben. Nach bisherigen Erkenntnissen war der gemeinsame Freitod offenbar längerfristig geplant gewesen. Wie zu hören ist, sollen alle drei Briefe hinterlassen haben. Ob dies tatsächlich stimmt und wie der Inhalt der Briefe lautet, wollte die Polizei am Dienstag nicht sagen.

Und so machen Spekulation in Ramersdorf die Runde. Steht das Schicksal der Frauen direkt im Zusammenhang mit Erich H.s Leid? Waren sie ebenfalls schwer erkrankt? Oder haben sie womöglich andere private Schicksalsschläge erlitten und schließlich gemeinsam entschieden, aus dem Leben zu treten?

Im Stadtbezirk bekannt war besonders Erich H. Seit vielen Jahren hat er hier gelebt und galt für viele Nachbarn als Ansprechpartner, wenn man ein Problem hatte. „Er war äußerst hilfsbereit“, bestätigt ein Gemeindemitglied der evangelischen Rogatekirche, in deren Vorstand der Rentner saß. Auch dort gibt der Gruppen-Selbstmord viele Rätsel auf.

Sven Rieber

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