Kompromiss statt Radweg

Rosenheimer Straße: Tempo 30 kommt noch im ersten Halbjahr

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Anwohnerin Solveig Hornung (52) meint, es muss auf jeden Fall etwas passieren an der Rosenheimer Straße. Für Radler ist es hier viel zu gefährlich.

München - Tempo 30 auf der viel befahrenen Rosenheimer Straße? Der von SPD und CSU geplante Verkehrsversuch sorgt für Diskussionen. 

Für Grüne und Umweltverbände wäre eine Geschwindigkeitsreduzierung „besser als nichts“. Laut KVR könnte die neue Regelung noch im ersten Halbjahr umgesetzt werden.

Es könnte schnell gehen mit Tempo 30 in der Rosenheimer Straße.Der von der Rathaus-Koalition geplante Verkehrsversuch soll laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) im ersten Halbjahr umgesetzt werden. KVR-Chef Thomas Böhle (SPD) hält den Plan für verkehrsrechtlich machbar. Und er hält die vorgeschlagene Regelung für sinnvoll. Außer der Verkehrssicherheit der Radfahrer würden die Interessen der Fußgänger und des motorisierten Individualverkehrs berücksichtigt, so Böhle.

Der teure Radweg-Plan ist erstmal auf Eis gelegt

Ursprünglich sollte in der Rosenheimer Straße im Abschnitt zwischen Rosenheimer Platz und Orleansstraße – eine Streckenlänge von etwa 500 Metern – ein Radweg gebaut werden. Nach jahrelangem Hickhack wurde dieser Plan nun verworfen. Stattdessen soll in der viel befahrenen Einfallstraße Tempo 30 eingeführt werden. Erfreut darüber sind auch Umweltverbände, die Grünen, der örtliche Bezirksausschuss und wohl viele Haidhauser Bürger. Selbst der ADAC bewertet den Verkehrsversuch positiv. Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, würde sich allerdings wünschen, dass Tempo 30 nur tagsüber – beispielsweise zwischen 6 und 20 Uhr – gilt. Parallel dazu könnte das Warn-Verkehrszeichen „Achtung Radfahrer“ aufgestellt werden, um die Akzeptanz bei den Autofahrern zu erhöhen.

Tempolimit hat Modell-Charakter

Der Verkehrsversuch hätte im übrigen Modellcharakter. Laut KVR „existiert in München bisher keine Straße mit einer ähnlichen Verkehrsbedeutung, bei der über eine derartige Streckenlänge eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h angeordnet ist“. Derzeit ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Rosenheimer Straße 50 Stundenkilometer. Zu den Stoßzeiten kommen die Autofahrer aber ohnehin nur im Schritttempo voran.

Dem KVR zufolge wäre ein Verkehrsversuch Tempo 30 nach Abstimmung mit dem Bayerischen Innenministerium möglich. Die Straßenverkehrsbehörden könnten entsprechende Anordnungen „zur Unterstützung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung“ treffen. Dazu könne neben anderen Gründen auch die „Förderung des Radverkehrs“ herangezogen werden, heißt es aus dem KVR. Das Innenministerium bestätigte auf Nachfrage, dass solche befristeten Verkehrsversuche grundsätzlich möglich seien. Kritik äußerte FDP-Stadtrat Michael Mattar: „Die Rosenheimer Straße so zu belassen, wie sie ist und nur ein paar Schilder mit Tempo 30 aufzuhängen, ist keine Lösung für die Verkehrssicherheit der Radfahrer. Der einzige Vorteil dabei ist, dass keine fünf Millionen Euro ausgegeben werden.“

Alle Bäume und Parkplätze bleiben erhalten

Das Kostenargument führt auch OB Dieter Reiter (SPD) an, auf dessen Initiative der Plan ins Rollen kam. Anders als Mattar ist der OB positiv gestimmt: „Ich freue mich, dass der Vorschlag offenbar breite Unterstützung findet. In erster Linie soll mit dem Verkehrsversuch die Sicherheit für die Radfahrer deutlich erhöht werden. Gleichzeitig hat diese Idee den Vorteil, dass wir keinen einzigen Baum fällen müssen und auch die Parkplätze entlang der Rosenheimer Straße erhalten bleiben können.“ Eine lange Bauzeit mit Lärm und Dreck für Anwohner entfalle ebenfalls, so der OB.

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sagte: „Tempo 30 ist besser als nichts – aber aufgrund des Versuchscharakters kein Ersatz für eine dauerhafte Lösung.“ Schwarz-Rot sei nicht in der Lage gewesen, die von der Verwaltung ursprünglich vorgeschlagene fahrrad- und fußgängerfreundliche Lösung zu verwirklichen. Die Grünen nehmen immerhin erfreut zur Kenntnis, dass Tempo 30 auf Hauptstraßen möglich sei. Bickelbacher: „Vielleicht lässt sich dieses Modell ja auf andere Straßen übertragen.“

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