Wie der Richter entschieden hat

Rosenkrieg um diesen Luxus-Wein

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Spitzentropfen: Auch ein Chateau Petrus war im Sortiment des frisch geschiedenen Ehemannes.

Müncehn - Dass Liebe durch den Magen geht, ist ja bekannt. Aber wehe, wenn Amor irgendwann mal wieder Servus sagt! Dann gibt’s oft einen herben Rosenkrieg, der sogar durch den Weinkeller führen kann.

Das beweist ein aktuelles Scheidungsurteil des Münchner Amtsgerichts: Dort hat ein gut situierter Münchner Geschäftsmann seine sündteuren edlen Tropfen jetzt gegen die Gelüste seiner Ex verteidigt.

Augen um Auge, Zahn um Zahn. Flasche um Flasche, Korken um Korken: Sie wollte, dass er die Hälfte seiner geistreichen Sammlung herausrückt – oder alternativ 250 000 Euro Schadenersatz überweist. Doch der Weinliebhaber kann aufatmen. Denn das Gericht entschied: Die Ehefrau hat keinen Anspruch auf seine edlen Tropfen.

Familienrichter Laurent Lafleur – vielen noch als Staatsanwalt aus dem Dominik-Brunner-Prozess ein Begriff – war für den Fall quasi schon vom Namen her prädestiniert. Schließlich hatte Lafleur über Nobelweine wie Chateau Lafleur und Chateau Petrus zu befinden. Sie gehören einem Ehemann aus dem Münchner Süden. Er hat die Weine über Jahre zusammengekauft, seinen Weinkeller mit viel Liebe gepflegt, jede einzelne Flasche in einer Liste genauestens dokumentiert.

Die Ehefrau machte sich laut Gericht nicht viel aus den edlen Tropfen, schlürfte nur ab und zu mal ein Schlückchen mit. Doch als jetzt die Scheidung anstand, wuchs das Interesse der Dame an dem Wein gewaltig.

Richter Lafleur ließ sie abblitzen.Seine Begründung: Der Weinvorrat sei kein Haushaltsgegenstand gewesen, sondern das Hobby eines der beiden Ehepartner. Damit habe die Ehefrau bei einer Trennung keinen Anspruch auf eine Aufteilung.

Unter Haushalts­gegenständen versteht man laut Gericht „alle beweglichen Gegenstände, die für die Wohnung, den Haushalt und das Zusammenleben bestimmt sind und damit der gemeinsamen Lebensführung dienen“. Mit dem Weinkeller verhalte es sich dagegen wie mit einer Briefmarken- oder Münzsammlung. Er diene „dem persönlichen Bedarf eines Ehegatten“ – und sei damit kein Haushaltsgegenstand.

Kein Haushaltsgegenstand – keine Teilung!

Laut Urteilsbegründung hat die Ehefrau nicht mal einen Schlüssel zum Weinkeller besessen. „Das unterscheidet den Weinvorrat hier deutlich von den Lebensmittelvorräten, die zum gemeinsamen Verkehr bestimmt sind“, heißt es in einer Erklärung des Gerichts. Bei der erlesenen Weinsammlung handele es sich um das „Alleineigentum“ des Ehegatten.

Die schrägsten Scheidungen

Die erfahrenen Münchner Scheidungsanwälte Hermann Messmer und Andreas Vitti haben schon die schrägsten Fälle erlebt. „Die Wirklichkeit stellt sogar alles in Schatten, was man sich mit viel Phantasie ausmalen kann“, sagt Messmer der tz. Einige Beispiele für Auseinandersetzungen, die in Gerichtssälen und Anwaltskanzleien ausgefochten worden sind:

Der Reinfall mit dem Silikon-Busen: Seine Ehefrau wünschte sich größere Brüste, deshalb schloss ihr Göttergatte einen entsprechenden Vertrag mit dem Schönheitschirurgen ab. Der Eingriff klappte auch ganz prima. Das Ergebnis war sogar derart beeindruckend, dass sich ein anderer Herr die Schönheit angelte. Der Ex musste allerdings weiterhin die Raten für die OP bezahlen. „Da hat er sich überlegt, ob er auf eine Herausgabe der Implantate klagt“, erinnert sich Messmer. Der Gehörnte habe es dann aber doch lieber gelassen.

Der Streit um den Hund: Dass ihn seine Frau nicht mehr wollte, damit konnte der Ehemann noch leben. Aber auf seinen Hund wollte er auf keinen Fall verzichten. Als der Richter das Tier der Frau und den Kindern zusprach, klagte der Ehemann ein Umgangsrecht ein. Er setzte durch, dass er mit dem Hund zwei Mal pro Woche Gassi gehen darf.

Die Leasing-Lektion: Die Ehefrau strahlte übers ganze Gesicht, als ihr der Göttergatte eine sündteure Rolex schenkte. Was erst später bei der Scheidung ans Licht kam: Der großzügige Gentleman hatte die Uhr nur geleast. Als er die regelmäßigen Überweisungen einstellte, holte sich die Firma die Rolex von der verdutzten Ehefrau zurück.

Die Null-Lösung für den Weinkeller: Auch ein weiterer Weinstreit sollte eigentlich vor Gericht landen – die Ehefrau wollte ebenso wie im oben geschilderten Fall die Hälfte des Weinkellers haben. Da schuf der Ehemann auf siene Art Tatsachen: Er lud einen Haufen Spezln zu einer ausgiebigen Weinprobe ein. Und die fröhliche Runde probierte solange, bis auch das letzte Flascherl geleert war. Wo kein Wein war, gab’s auch nichts zu teilen – die Frau ging leer aus.

Andreas Beez

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