Wo es erlaubt und wo es verboten ist

Junggesellenabschied im Augustinerkeller verboten

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Das Schild am Eingang ist eindeutig: Gruppen, die einen Junggesellenabschied feiern, sind im Augustinerkeller an der Arnulfstraße nicht mehr erwünscht.

München - Junggesellenabschiede sieht man in München jedes Wochenende irgendwo. Oft artet der Spaß auch aus. Im Augustinerkeller sind die trinkfreudigen Gruppen nicht mehr willkommen - bisher ein Einzelfall in München.

Sie ziehen hordenweise durch die Stadt, busseln fremde Menschen ab - und bekommen jetzt die rote Karte gezeigt: Seit wenigen Tagen hängt am Eingang zum Augustinerkeller ein Schild, das die feierwütigen Gruppen abschreckt. In dicken schwarzen Lettern auf rotem Grund steht da: „Keine Junggesellenabschiede“. Wirt Christian Vogler begründet das Verbot damit, dass diese Feste zu Saufpartys verkommen. Die übrigen Gäste würden sich durch das schlechte Benehmen belästigt fühlen.

Bislang hat das Verbot in München allerdings nicht Schule gemacht. Im Hofbräukeller am Haidhauser Wiener Platz etwa sind Junggesellenabschiede noch nie unangenehm aufgefallen. „Die werden mit ihren Spielchen von den Gästen einfach belächelt“, erklärt Wirt Ricky Steinberg. Sein Kollege vom Löwenbräukeller, Christian Schottenhamel, verbindet mit Junggesellenabschieden sogar richtig gute Erinnerungen: „Während der Schwarzbierzeit veranstalten wir die Wahl zur Miss Triumphator“, erklärt der Wirt. Da habe sich einmal ein Junggeselle ein Dirndl angezogen und die Wahl prompt gewonnen. Für die 1500 Gäste sei das ein riesiger Spaß gewesen.

Das Parkcafé am Alten Botanischen Garten sieht sich ebenfalls nicht gezwungen, ein Feierverbot auszusprechen. „Wenn Junggesellen zu uns ins Restaurant kommen“, sagt Wirt Christian Lehner „dann stellen die ihren Bauchladen in die Ecke und verhalten sich friedlich.“ Das Parkcafé sei eine Essenslocation, in der es kein „Vollgepumpe“ mit Alkohol gebe. „Vielleicht genehmigen sich die Herren dann noch eine Runde Cocktails, aber dann ziehen die auch schon davon“, so Lehner weiter.

Zum Beispiel in den Q-Club auf dem Gelände der Kultfabrik nahe dem Ostbahnhof: Dort sind Partygruppen nämlich ausdrücklich erwünscht. „Wir bieten sogar ein Junggesellen-Special an“, erklärt Empfangsdame Leoni Kordes. Darin enthalten sind eine Limousinenfahrt, eine Flasche Wodka und weitere Vorzüge. Der Club bemühe sich um diese Gäste, weil sie immer gut gelaunt seien und es noch nie Probleme gegeben habe. Auch Michael Perlinger von der Disko Milchbar am Stachus freut sich über die lustigen Runden: Man rede am Eingang kurz mit den Gruppen - „bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht.“

Dem kann Paul Fleming vom Kennedy’s am Sendlinger Tor beipflichten: „Mit den vier bis fünf Junggesellenabschieden jedes Wochenende gibt es fast keine Probleme.“ Ab und an würden zwar englische Partygesellschaften über die Strenge schlagen. In diesem Fall gibt es aber eine ganz simple Lösung, die vielleicht eine gute Alternative zum Hausverbot für Junggesellenabschiede ist: Paul Fleming schenkt an die Raufbolde einfach keinen Alkohol mehr aus - „dann verziehen die sich immer ganz schnell.“

Von Patrick Schwarz

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