Royale Glücksgefühle in München

München - Hoher Besuch in München: Das belgische Königspaar gab sich die Ehre und machte sogar Ministerpräsident Horst Seehofer nervös.

Langweilen sie sich?“, fragte Belgiens Prinz Albert die schöne Italienerin Paola Ruffo di Calabria, als er ihr 1958 zum ersten Mal auf einem Ball in Rom begegnete. „Sehr“, antwortete die damals 20-Jährige unverblümt. Es war der Beginn einer mehr als 52 Jahre andauernden Liebe.

Dass die skandal-trächtige Ehe des belgischen Königspaars mehrfach vor dem Aus stand, merkt man Paola und Albert II. heute nicht mehr an. „Wir haben erst im Alter unsere Krisen überwunden“, sagte die Königin anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit vor zwei Jahren. Ein Eindruck, der sich auch beim offiziellen Staatsbesuch in München bestätigt. Unter Bayerns weiß-blauem Himmel zeigen die beiden vor allem eines: innige Verbundenheit. Kleine Schweißperlen glitzern auf der Stirn des Bayerischen Ministerpräsidenten, der vor dem Prinz-Carl-Palais auf den königlichen Besuch wartet. Horst Seehofer ist sichtlich nervös, auch wenn Ehefrau Karin an seiner Seite einen gewohnt gelassenen Eindruck macht. Er freue sich auf die Stippvisite der Belgier, sagt Seehofer zu den wartenden Presseleuten. „Belgien ist wirtschaftlich gesehen ein sehr wichtiger Partner.“

Belgiens Albert II. und seine Frau Paola in München

Belgiens Albert II. und seine Frau Paola in München

Worüber er mit den Herrschaften zu parlieren gedenke? „Über die bayerischen Wurzeln, die König Albert hat. Und natürlich über das Thema aller Themen: den Ausstieg aus der Atomkraft“, so Seehofer, der den Blick über die abgesperrte Prinzregentenstraße schweifen lässt. Eskortiert von der Motorradstaffel der Münchner Polizei, rollt der schwarze BMW des Königspaars an. Lächelnd hakt sich Albert II. bei seiner Frau unter, um sich nach einer kurzen Begrüßung zum Gespräch mit Seehofer zurückzuziehen.

Ja, es gibt Parallelen zwischen dem bayerischen Staatsoberhaupt und dem belgischen König, der einst als Lebemann und Playboy von sich reden machte. Beide unterhielten außereheliche Eskapaden, die nicht ohne Folgen blieben. Beide haben starke Ehefrauen, die bis heute zu ihnen stehen. Auch wenn das der temperamentvollen Paola alles andere als leicht fiel. In die Rolle der Königin musste sie erst hineinwachsen. Kurz nach ihrer Hochzeit 1959 wirbelte die blonde Römerin durchs steife Protokoll, erregte Aufsehen, als sie 1969 wegen „Tragen eines Minirocks“ bei einem Besuch des Petersdoms aus der Kirche gewiesen wurde. „Unter dem grauen Himmel Belgiens“ (O-Ton Paola) konnte sich die quirlige Italienerin nur schwer einleben.

Trotzdem bekam sie mit Albert II. drei Kinder: Kronprinz Philippe, Prinzessin Astrid und Prinz Laurent. Die Liebe und die Verantwortung für ihren Nachwuchs hielt sie bei Hof – auch wenn ihr Mann seinen Sportwagen immer öfter vor fremden Apartments parkte.

Das wahre Skandaljahr aber war 1964, als Schlagersänger Adamo sein Lied "Dolce Paola" vorstellte. Die musikalische Liebeserklärung an die schöne Adelige brachte die Gerüchteküche zum Brodeln. Ja, sie waren ein schillerndes Paar und trotz aller Höhen und Tiefen bei ihren Untertanen so beliebt, dass sich Horst Seehofer nach ihrem „freundlichen Gespräch“ in München glatt die Monarchie nach Bayern zurückwünscht. „Könige wurden immer geliebt“, schmunzelt der Ministerpräsident, „Regierungen weniger“. Paola lächelt. Ihr Ehemann auch, der seine Hand auf ihrem Rücken ruhen lässt, während sie sich ins goldene Gästebuch einträgt. Nein, gelangweilt haben sich die beiden während dieser Ehe wirklich nicht.

Astrid Kistner

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