Zehntausende müssen warten

Rückstau nach Corona-Jahr in München: So groß ist jetzt der Ansturm im KVR auf Pässe & Co.

Der Lockdown ist vorbei, das Leben ist wieder rasant ins Rollen gekommen. Das macht sich auch in den Behörden bemerkbar. Durch Termin-Stau!

München - Die Buchungsportale der Stadt laufen heiß und vor dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) bilden sich lange Schlangen. „Die Dienststellen des Kreisverwaltungsreferats verzeichnen eine große Nachfrage“, berichtet KVR-Sprecher Johannes Mayer. Man versuche, allen Wünschen gerecht zu werden, „allerdings sind die Kapazitäten nicht endlos, bei den persönlichen Vorsprachen ist ein Rückstau aus dem vergangenen Corona-Jahr spürbar“. Wir zeigen, wo es derzeit länger dauert – und wo es wie trotzdem schnell gehen kann.

München Ansturm auf Pässe & Co. sorgt für großen Stau im KVR

Vergangenes Jahr wurden in München* wegen der Pandemie 32 000 weniger Reisepässe beantragt als üblich. „Die kommen jetzt obendrauf“, erklärt KVR-Sprecher Mayer. Viele Menschen hätten wegen Corona* ihre Ausweisdokumente lange nicht gebraucht und merkten erst jetzt bei der Urlaubsplanung, dass sie teils schon seit einiger Zeit abgelaufen sind. Mayer: „Im Mai 2021 haben wir jeden Tag im Schnitt mehr als 1340 Ausweisanträge bearbeitet. Das ist mehr als in den Vergleichsmonaten der vergangenen vier Jahre.“

Beim KVR in der Ruppertstraße standen am Freitag viele Menschen Schlange.

Dennoch: Keine Panik, wenn nicht gleich beim ersten Versuch ein Termin zu kriegen ist! Für die Bürgerbüros werden mehrmals täglich im Kalender neue kurz-, mittel- und langfristige Termine freigeschaltet, betont Johannes Mayer – auch für den jeweils aktuellen Tag, abhängig von den zur Verfügung stehenden Kontingenten. Zusätzlich würden auch vereinzelt durch Absagen immer wieder Termine frei. Mayers Rat: „Regelmäßig nachsehen – erfahrungsgemäß am besten vormittags – lohnt sich.“ Wenn der Kalender einmal keine freien Termine anzeigt, bedeute das also nicht, dass es keine Kapazitäten mehr gibt.

München: Bis zu sechs Monate Wartezeit für einen Termin

Besonders viel Geduld brauchen Münchner derzeit bei Terminen im Stadtjugendamt. Hier werden unter anderem Vaterschafts-Anerkennungen und Erklärungen über die gemeinsame elterliche Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern beurkundet und Verpflichtungsurkunden über Unterhalt für Kinder und betreuende, nicht verheiratete Elternteile erstellt – und für diese Beurkundung braucht man einen Termin im Jugendamt. Die Wartezeiten darauf haben sich seit März 2020 von durchschnittlich zwei Wochen auf aktuell bis zu sechs Monate erhöht. Grund hierfür sind laut der Stadt München „zahlreiche Aufgaben, die aufgrund der Corona-Pandemie dringlich zu erledigen und zu organisieren waren“.

Warten auf die Hochzeit: Bei den Ehe-Anmeldungen ist laut KVR „wieder das Niveau vor den pandemiebedingten Einschränkungen“ erreicht worden. Die Behörde nutze hier „alle Möglichkeiten“, um die vorhandenen Ressourcen voll auszuschöpfen. Dennoch liege die Bearbeitungszeit für eine Ehe-Anmeldung derzeit bei ungefähr acht Wochen. Wie viele Hochzeitspaare in der Warteschleife stehen, könne das KVR nicht konkret beziffern.

KVR-Sprecher ­Johannes Mayer.

Die Wartezeit bei Geburtsurkunden für Neugeborene beträgt laut KVR aktuell bis zu sechs Wochen.

Der Online-Terminkalender für Kirchenaustritte ist für die nächsten drei Monate stark gebucht. Es werden aber täglich kurzfristig Zusatztermine angeboten.

München: Täglich lange Schlangen in der Ausländerbehörde

In der Ausländerbehörde können täglich ab dem frühen Morgen lange Menschenschlangen beobachtet werden. Johannes Mayer vom KVR betont aber: „Es muss sich niemand morgens vor das Gebäude stellen, es muss kein Mensch stundenlang auf der Straße verbringen.“ Die Warteschlange bilde sich am Schalter für „absolute Notfälle“. Wer nachweislich in einer Notsituation ist, komme dran – am Nachmittag oft ganz ohne Schlange. Wenn sich Menschen dennoch weit vor Öffnung vor das Gebäude stellen, könne es zu Verzögerungen kommen, bis die Schlange abgebaut ist. „Das ist völlig unnötig, das Anstehen in der Früh ist nicht erforderlich.“

Ob ein Fall ein Notfall ist (zum Beispiel wegen eines drohenden Verlusts des Arbeitsplatzes), werde am Notfallschalter geprüft – die Definition von „Notfall“ könne unter www.auslaenderbehoerde-muenchen.de nachgelesen werden.

Bei der Ausländerbehörde werden alle Fälle nach Dringlichkeit priorisiert, erklärt Johannes Mayer. Die Behörde habe für eilige Anliegen zudem seit dem vergangenen Herbst ein eigenes Online-Verfahren eingerichtet. Hier könne man auch konkret benötigte Dokumente im Internet hochladen. (L. Billina, A. Stinglwagner)

Matthias Brogies (32), selbstständig, aus München.

Das sagen die Münchner zum Stau beim KVR: Mit den Online-Terminen klappt es gut

Ich kann mich nicht beschweren. Ich hatte heute Morgen einen Termin um 8 Uhr – den hatte ich vorgestern online gebucht. Und um 8.07 Uhr kam ich dran. Wir wollen im August für zwei Wochen nach Teneriffa fliegen, deshalb brauchten wir einen Kinderausweis für unseren vierjährigen Sohn. Das hat prima geklappt! Ich muss generell sagen, seit die Terminbuchungen über das Webportal der Stadt München laufen, ist alles deutlich besser planbar geworden. Wenn man früher ein Auto anmelden wollte, war es das reine Chaos. Matthias Brogies (32), selbstständig, aus München

Amed Ben Brahim (30), Informatiker aus München.

Lange Warteschlangen beim KVR in München: Ich bin schon seit 7 Uhr hier

Seit 7 Uhr früh stehe ich hier. Mein Aufenthaltstitel ist abgelaufen, seit Monaten versuche ich einen Termin zu bekommen und kriege keine Rückmeldung. Ich brauche den Titel dringend, sonst darf ich nicht arbeiten. Aber ich muss doch meine Miete zahlen und für meine kleine Tochter sorgen. Schwarz arbeiten will ich auf keinen Fall! Oder soll ich Schulden machen? Amed Ben Brahim (30), Informatiker aus München

Bruno Palma, Software-Entwickler aus München.

München: Für Bestätigung vier Stunden angestanden

Vier Stunden lang musste ich in der Schlange stehen! Aber zum Glück kam ich dann doch noch dran. Ich musste dringend meinen Aufenthaltstitel erneuern, sonst darf ich nicht arbeiten! Ich stand hier früher schon einmal seit fünf Uhr früh in der Schlange, da wurden die Leute um mich herum plötzlich aggressiv, es war echt beängstigend. Heute ist zum Glück aber alles gut gegangen. Bruno Palma, Software-Entwickler aus München *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Götzfried

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