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Russen als beliebte Kundschaft: Wo in München der Rubel rollt

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Die Fünf Höfe locken Besucher mit edlen Marken
Die Fünf Höfe locken Besucher mit edlen Marken © Klaus Haag

Die Händler in der Innenstadt kämpfen mit stagnierenden Umsätzen und der Online-Konkurrenz. Da kommt Kundschaft aus dem Ausland gerade recht.

München - Die Russen sind wieder da: Nach der Krim-Krise und den Sanktionen gegen Russland war die Zahl russischer Besucher in München eingebrochen. „Die Flaute ist aber überwunden“, sagt Ernst Lauger, Präsident des Handelsverbandes Bayern. Das freut den Einzelhandel, denn: „Russische Gäste lieben das Einkaufen in München“, so Lauger weiter. Und davon profitieren nicht ausschließlich die Luxusboutiquen rund um die Maximiliansstraße. „Entgegen gängiger Klischees gaben 86 Prozent der russischen Kunden ihr Geld nicht im Luxus-Segment, sondern im mittelpreisigen Bereich aus“, erklärt Lauger. Begehrt sind vor allem Bekleidung und Schuhe.

Gerade dieser Bereich des Einzelhandels kann zusätzliche Einnahmen gut gebrauchen – schließlich rechnen die Händler trotz guter Konjunktur in den kommenden Jahren mit Umsatzrückgängen. „Deshalb ist zusätzliche Potenzial durch Touristen besonders in München zu einem wichtigen Faktor geworden“, weiß Lauger.

Pro Tag durchschnittlich 201 Euro ausgegeben

Das untermauert ein Blick auf die Zahlen: Die 146.560 russischen Gäste gaben im vergangenen Jahr pro Tag 201 Euro durchschnittlich für Einkäufe aus. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 6,7 Tagen kommen also pro Gast Ausgaben von 1347 Euro zusammen. Der Einzelhandel freut sich also über jährlich 197,4 Millionen Einnahmen durch die Kundschaft aus Russland.

Hoch im Kurs: Die Geschäfte rund um den Marienplatz.
Hoch im Kurs: Die Geschäfte rund um den Marienplatz. © Marcus Schlaf

Damit lassen russische Gäste pro Kopf in etwa genauso viel Geld in München wie die chinesischen Touristen. Zwar geben die Gäste aus Fernost pro Tag stolze 513 Euro aus – sie bleiben aber im Durchschnitt auch nur 2,6 Tage in der Stadt – das macht 1334 Euro pro Besuch. Unangefochtene Shopping-Könige bleiben die arabischen Gäste. Sie bleiben im Schnitt 12,5 Tage in der Stadt und lassen stolzte 4587 Euro in den hiesigen Geschäften.

Allerdings müssen sich die Einzelhändler ins Zeug legen, um die reisende Kundschaft in den Laden zu locken. „Die Anzahl der besuchten Geschäfte liegt pro Besuch bei genau sieben“, weiß Lauger. Sein Rat an den Handel: Online-Marketing – auch in russischer Sprache. Denn knapp 70 Prozent der russischen Touristen informieren sich bereits daheim. Der Service vor Ort sei aber ebenso wichtig. Weil knapp ein Drittel der russischen Touristen in München Familie hat oder Freunde besucht, sind deren Empfehlungen für die Hälfte der Kunden die wichtigste Informationsquelle vor Ort. Außerdem waren 30,4 Prozent der für die Studie befragten Russen bereits drei Mal in München. „Der Handel sollte sie als Stammgäste sehen und so behandeln“, rät Lauger.

Lina Shoukuri, Verkäufern im Röckl-Eck.
Lina Shoukuri, Verkäufern im Röckl-Eck. © Oliver Bodmer

Edelmarken sind gefragt

An der Maximilianstraße regiert der Luxus – die Edelmeile zieht zahlreiche internationale Gäste an. Auch zahlungskräftige russiche Gäste fühlen sich zwischen Hermes, Channel und Dior wohl und kaufen ein, was das Zeug hält. So wie Cyryl – der 35-Jährige erzählt, er habe in den vergangenen beiden Tagen zwischen 50.000 und 80.000 Euro in den Luxusshops ausgegeben. Auch Kinderspielezug und ein Bummel über den Viktualienmarkt haben zu dieser Summe beigetragen.

Wie gerne die russichen Gäste Geld für namenhafte Marken ausgeben, weiß Lina Shoukuri, Verkäufern im Röckl-Eck in der Theatinerstraße. „Röckl ist eine sehr beliebte und bekannte Markte unter Russen. Da werden durchaus mal zehn Handschuhe und passende Tücher gekauft.“ Dass dabei Handschuhe zwischen 100 und 460 Euro liegen und ein Schal schon mal seine 200 Euro kostet, stört die Kunden nicht. „Sie achten eher auf die jahrelange Tradition und die Qualität.“

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mk

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