Russen-Mafia: Justiz will Rädelsführer loswerden

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Geständnis: Otar K.

München - Die massiven Handschellen sind an einem Gürtel fixiert, an seinen Füßen rasselt eine Kette. So wird Otar K. (47) mit viereinhalbstündiger Verspätung in den Gerichssaal geführt.

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Der „Bodycuff“ wird dem Georgier, laut Anklage ein führendes Mitglied der Russen-Mafia, auch während der Sitzung nicht abgenommen. Die drastischen Maßnahmen haben ihren Grund: Im Landshuter Knast hat er sich aufgeführt wie die Axt im Walde, hat Mithäftlinge und Wachtmeister mit Mord bedroht. Aber diese Vorfälle will die Justiz unter den Tisch fallen lassen, wenn Otar K. etwas tut, was Ganoven seiner Kategorie sonst niemals tun – ein Geständnis ablegen.

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Dass er gesteht, ein „Dieb im Gesetz“ zu sein, dass er zu den Rädelsführern der Russen-Mafia gehört. Dafür kommt er mit einem Jahr und neun Monaten Knast davon. Diesen Deal hat sein Verteidiger Sewarion Kirkitadse hinter verschlossenen Türen mit der Staatsschutzkammer und der Staatsanwaltschaft ausgehandelt.

Angesichts der Drohung des Gerichts, der Prozess könne sich noch über viele Monate hinziehen, legte Otar K. ein pauschales Geständnis ab. Seinen Beruf gab er als „Geschäftsmann“ an. Mit was er Geschäfte macht? „Mit allem“, sagte er auf die Frage des Richters. Es scheint, als wolle ihn die Justiz so schnell wie möglich loswerden: Im April könne er wieder freikommen, versprach das Gericht. Er wird abgeschoben.

E. Unfried

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