Schwere Verletzungen nach Stürzen

Rutschfalle Stachus: Diese zwei wollen klagen

+
Die Boden-Opfer Christiane Schöpfner und Peter Müller.

München - Bei Regen verwandelt sich das Stachus-Untergeschoss in eine Rutschfläche. Zwei Münchner, die sich dort schwere Verletzungen zugezogen haben, wollen die Betreiber jetzt verklagen.

Ein Hingucker ist es schon: das Stachus-Untergeschoss. Hell und freundlich präsentiert es sich den Münchner und den Touristen. Wenn da nicht der glatte Terrazzo-Boden wäre! Besonders bei Regen verwandelt sich der schicke Belag in eine rutschige Piste. Jetzt wollen zwei Münchner die Betreibergesellschaft „Einkaufszentrum Stachus München“ auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagen.

Christiane Schöpfner (50) und Peter Müller (77) waren im August in den Passagen ausgerutscht und hatten sich erheblich verletzt. Beide mussten operiert werden: Die Filialleiterin wegen eines dreifachen Bruchs des Ellenbogens und der Ex-Manager wegen einer komplizierten Fraktur eines Fingers. Beide leiden noch heute an den Folgen, müssen mehrmals wöchentlich zur Bewegungstherapie.

Die Versicherung des Einkaufszentrums will jedoch nicht zahlen. Die Rutschfestigkeit der Böden, so die Versicherungskammer Bayern, sei von Gutachtern bestätigt. „Die Verkehrssicherungspflicht wurde nicht verletzt“, sagt Pressesprecherin Claudia Scheerer. Die Stürze der Münchner hat auch die Stadtpolitik erreicht. Die Fraktion der Linken will in einer Anfrage von OB Christian Ude unter anderem wissen, ob noch weitere Opfer bekannt sind.

Trümmerbruch: 4 Monate außer Gefecht

Am Freitag war Christiane Schöpfner zum ersten Mal seit vier Monaten wieder im Stachus-Untergeschoss. „Ich meide die spiegelglatten Böden, wo es nur geht.“ Am 13. August war sie in der Nähe vom Mister Minit gestürzt: „Es war trocken, aber ich rutschte plötzlich weg“, erzählt die Filialleiterin von Glas Riedel in den Fünf Höfen. „Wahrscheinlich hatte sich auf der glatten Oberfläche ein Schmutzfilm gebildet.“ Gegen 18 Uhr knallte sie auf den linken Arm und die Hüfte. Sofort sprang ihr ein Mann zur Seite, half ihr wieder auf. Ihr Sohn fuhr sie direkt ins Klinikum rechts der Isar. „Die Ärzte haben einen dreifachen Bruch im Ellbogen und einen Trümmerbruch des Radiusköpfchens festgestellt.“ Die Brüche wurden operiert und mit Metallplatten und Schrauben stabilisiert. Heute noch trägt Schöpfner ihren linken Arm in einer speziellen Schiene. „Besonders schlimm ist, dass ich als Linkshänderin wenig allein machen kann.“ Neben der massiven Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit leidet die sie auch unter finanziellen Einbußen. Sie ist immer noch arbeitsunfähig, bekommt Krankengeld. Erbost ist sie aber vor allem über die Versicherung. „Meinen Sturz als Unachtsamkeit meinerseits abzutun, ist eine Frechheit!“

Der Finger ist hin: Unfall trotz kleiner Schritte

Wenige Tage vor seiner Leidensgenossin ist Peter Müller (77) ebenfalls auf dem glatten Boden gestürzt. „Ich kam von der Trambahnhaltestelle und wollte nach links zum Kaufhof, als ich ausrutschte“, erzählt der Rentner. Es waren viele Leute unterwegs, kurz zuvor hatte es geregnet. Der Boden präsentierte sich nass und glitschig. „Ich bin deshalb extra langsam und mit kleinen Schritten gelaufen“, beteuert Peter Müller. Trotzdem liegt er plötzlich am Boden. Er braucht ein paar Sekunden, bis er sich wieder aufrappeln kann. „Da habe ich gesehen, wie mein Ringfinger runter hing.“ Sofort machte sich der ehemalige Manager auf den Weg zu seinem Orthopäden. Das Röntgenbild zeigt das ganze Ausmaß: ein komplizierter Bruch des kleinen Fingers. Den ausgekugelten Ringfinger renkte der Arzt noch in der Praxis ein. Der Bruch musste allerdings ebenfalls operiert und mit Metall fixiert werden. Seitdem ist der kleine Finger gekrümmt und muss ebenfalls geschient werden. „Dreimal in der Woche muss ich zur Bewegungstherapie“, sagt Peter Müller. „Mir kann keiner erzählen, dass der Boden bei Nässe ungefährlich ist. Mich würde wirklich interessieren, wieviele Münchner hier noch gestürzt sind.“

JAM

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare