"Es war ein Kommunikationsfehler"

Bahn schickt Pendler auf Irrfahrt mit der S8

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Schulterzucken: Ludwig Knoll wollte zur Donnersbergerbrücke und landete am Ostbahnhof.

München - Hunderte Fahrgäste waren am Donnerstagmorgen zu einer Irrfahrt mit der S-Bahn gezwungen. Die Bahn entschuldigt sich, es handle sich um einen „Kommunikationsfehler“.

Verspätungen bei der S-Bahn sind für Ludwig Knoll normal. Seit 15 Jahren pendelt er von Weilheim aus zur Arbeit nach München. Doch was er am Donnerstagmorgen erlebt hat, macht ihn fassungslos. Die S-Bahn, in die er gestiegen war, geriet auf Abwege. Für Knoll und hunderte andere Fahrgäste wurde der Morgen zur Geduldsprobe.

8.50 Uhr. Ludwig Knoll steigt in Pasing aus seinem Zug und in die S8 Richtung Flughafen. Er muss, wie jeden Morgen, zur Donnersbergerbrücke. Als der Zug losfährt, stutzt er beim Blick aus dem Fenster. Kurz darauf meldet sich der Lokführer über Lautsprecher. „Er hat gesagt, dass ihm das unangenehm ist, aber eine Weiche falsch gestellt war. Der Zug fahre über den Südring zum Ostbahnhof“, erzählt Knoll. Kopfschütteln unter den Fahrgästen in den Waggons. „Testen die jetzt den Südring doch als Alternative zur zweiten Stammstrecke?“, fragt mancher noch amüsiert.

Wenig später gibt der Fahrer durch, dass der Zug am Heimeranplatz hält. Die Fahrgäste könnten dort umsteigen. „Der Lokführer war richtig verzweifelt, als er eine Minute später gesagt hat, dass wir auf dem falschen Gleis sind und doch nicht am Heimeranplatz halten“, berichtet Knoll. „Da hatten Leute wichtige Termine in der Innenstadt oder mussten einen Flieger erreichen. Die hatten ein echtes Problem.“

Die Irrfahrt der S8 ist noch nicht vorbei. Mehrmals hält sie minutenlang. Kurz vorm Ostbahnhof die nächste Durchsage. Der Fahrdienstleiter verweigert dem Zug die Einfahrt in den Ostbahnhof. Wieder dauert es zehn Minuten. Dann endlich darf die S-Bahn am Bahnsteig halten. Knoll: „Wir haben 30 Minuten von Pasing zum Ostbahnhof gebraucht.“ Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung kommt der 53-Jährige an seinem Arbeitsplatz an der Donnersbergerbrücke an.

„Ich finde es fantastisch, was bei der S-Bahn alles passiert“, sagt Knoll ironisch. Fast jeden Tag habe es in der vergangenen Woche Probleme gegeben. „Warum bekommen die es nicht in den Griff?“

S-Bahn-Sprecher Franz Lindemair erklärt die Irrfahrt mit einem „Kommunikationsfehler“. Hintergrund sei eine Weichenstörung am Ostbahnhof gewesen. Züge hätten sich von Pasing aus auf der Stammstrecke gestaut. „Als die S8 in Pasing einfuhr, hat die Leitstelle entschieden, dass sie nicht auch noch in den Stau fährt“, sagt Lindemair. Bei großen Störungen auf der Stammstrecke sei es ein „gängiges Verfahren“, einzelne Züge über den Südring zum Ostbahnhof umzuleiten. Normalerweise mache der Zugführer dann eine Durchsage. Er weist Fahrgäste, die in die Innenstadt wollen, an, auszusteigen und eine andere S-Bahn Richtung Innenstadt zu nehmen. „Diese Durchsage hat der Fahrer nicht gemacht“, sagt Lindemair. „Dafür entschuldigen wir uns bei den Fahrgästen.“

Caroline Wörmann

 

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