Durchbruch im Tarifkonflikt: Deutsche Bahn und EVG erzielen Einigung

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Ausgerechnet im Berufsverkehr

S-Bahn-Chaos am Dienstag: Ratlose Fahrgäste irrten von Gleis zu Gleis  

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Menschenmassen drängen in die U-Bahn – am Ostbahnhof fuhren S-Bahnen zeitweise gar nicht mehr.

S-Bahn-Pendler sind Kummer gewohnt. Doch am Dienstagmorgen versankt der Münchner S-Bahnverkehr wieder einmal im Chaos und obendrein gab es für die gestrandeten Fahrgäste kaum Infos.  

München - Dieser Dienstagmorgen raubte Münchens Pendlern mal wieder den letzten Nerv. Eine Stellwerksstörung hatte um 8.20 Uhr am Ostbahnhof die Stammstrecke lahmgelegt – mitten im Berufsverkehr. Bei den Fahrgästen in den Zügen und an den Bahnhöfen setzte das große Rätseln ein. Besonders in Pasing und am Ostbahnhof kam es zu chaotischen Zuständen: Die Infos waren teils widersprüchlich, unverständlich oder schlicht nicht vorhanden. Die Bahn verspricht eine bessere Info-Politik im neuen Jahr – gestern irrten die Fahrgäste von Gleis zu Gleis.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert: „Die wiederholten Ausfälle von Stellwerken sind ein klares Indiz für den fortschreitenden Infrastrukturverfall im Münchner S-Bahn-Netz.“ Andreas Barth, Sprecher des Fahrgastverbandes in München, beklagt, dass die Bahn falsche Prioritäten setzt. „Die Bahn rühmt sich in ihrem Marketing ihrer großen Pünktlichkeit, mit der Realität hat das aber nichts zu tun!“. So gelten Züge mit weniger als sechs Minuten Verspätung als pünktlich, ausgefallene Züge werden gar nicht erst mitgezählt. „Es kann ja mal passieren, dass vor Ort eine Ansage am Bahnsteig verunglückt. Wenn die Passagiere sich aber grundsätzlich schlecht informiert fühlen, dann bringt dieses Chaos das Fass zum Überlaufen“, meint Barth.

Störung! So reagieren die Techniker

Wenn die Stammstrecke dicht ist, schaltet die Bahn in Notfallmodus. „Wir fahren dann nach Ersatzfahrplan“, erklärt Bahn-Sprecher Michael-Ernst Schmidt der Redaktion. 46 Notfallkonzepte liegen in der Schublade. Trotzdem sei es schwierig, die Fahrgäste immer punktgenau zu informieren. Hier gelobt der Bahnsprecher Besserung. „Wir wollen 2018 ein System präsentieren, das es dem Kunden ermöglicht, direkt Informationen zu seinem Zug zu finden.“

Im Moment hinken die Systeme oft hinterher. In der ersten Stunde nach Auftreten einer Störung kommen die händisch vergebenen Zugnummern nicht schnell genug ins System. Dann kann auch der Streckenagent der Bahn und die Verbindungsauskunft nicht weiterhelfen. Und wenn ein vollbesetzter Langzug mit 1500 Passagieren in Pasing evakuiert wird, bleibt das Chaos am Bahnsteig nicht aus.

Diese Info-Tafel zeigt den Pendlern Alternativen.

Das Bahn-Erlebnis des Reporters Klaus Rimpel

S-Bahn-Opfer: Redakteur Klaus Rimpel.

Meine S 8 kommt pünktlich um 8.18 Uhr am S-Bahnhof Neuaubing an. Schon nach wenigen Metern, kurz vor dem Westkreuz, bleiben wir stehen: „Wegen einer Stellwerks­störung am Ostbahnhof verzögert sich die Weiterfahrt“, so die Durchsage – die die letzte klare Botschaft dieses chaotischen Tripps sein wird. Denn am S-Bahnhof Pasing beginnt ein bizarres Gesellschaftsspiel à la MVV: Raus aus der Bahn, rein in die Bahn – und das mit Geschubse und Gedränge, angefeuert von widersprüchlichen Durchsagen.

„Diese S-Bahn endet hier…“ Alle drängen hektisch raus, zur S 3 gegenüber. Als wir endlich im überfüllten Waggon stehen, gibt es draußen eine Durchsage, die drinnen keiner versteht. Gerüchte kursieren: Auch diese S3 fährt nicht weiter! Also alle wieder raus, in der Herde die Treppe runter und rauf auf Gleis 5. Durchsagen gibt es keine, die vielgerühmte MVV-App kapituliert sowieso, wenn sie mal wichtig wäre. Egal, ich steige in die S-Bahn am Gleis 5 ein. Der Fahrer gibt die „gute Nachricht“ durch, dass die gegenüberliegende S-Bahn bald losfahren werde – aber nicht bis zum Ostbahnhof, sondern nur bis zur Hackerbrücke. Von dort gehe ich zu Fuß – und komme mit 70 Minuten Verspätung in die Redaktion.

Chaotische Zustände, ratlose Fahrgäste – so erlebte Klaus Rimpel den Morgen am Bahnsteig.

 

Die Nerven vieler Pendler liegen blank

Ewig diese Verspätungen, Störungen, Sperrungen in Münchens Nahverkehr an die S-Bahn, MVG und bayerische Staatsregierung. Eine unwürdige Situation für eine Großstadt, schreibt die Aktion Münchner Fahrgäste in ihrem offenen Brief. Damit hat sie einen Nerv bei vielen Pendlern getroffen. Lesen Sie hier den Gastbeitrag auf Merkur.de.

Meine S-Bahn fällt aus - wir helfen Ihnen sofort

Die S-Bahn fällt aus. Wie kommen Sie jetzt zur Arbeit, zur Uni, zum Arzt? Schnelle Hilfe gibt es auf Facebook. Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein.

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