„Staffelübergabe“

S-Bahn-Chefwechsel: Gleich zum Einstand ein Störfall

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Staffelübergabe: Bernhard Weisser (li.) und sein Nachfolger Heiko Büttner.

Diese Panne passte der S-Bahn gar nicht: Ausgerechnet am Tag des Chefwechsels bei der S-Bahn München war das Krisenmanagement gefragt. Ein Störfall am Ostbahnhof brachte den S-Bahn-Verkehr am Freitagmorgen fast zum Erliegen.

München – Am Freitag gegen 8 Uhr war die Achse einer S 3 Richtung Mammendorf heiß gelaufen, die S-Bahn qualmte und blieb auf Gleis 3 am Ostbahnhof stehen. Die Fahrgäste stiegen rasch aus, es gab keine Verletzten. Schwieriger waren die Löscharbeiten. „Zwischenzeitlich war der gesamte Bahnhof gesperrt“, berichtete ein Bahnsprecher. Auf Drängen der Feuerwehr schaltete die Bahn die Oberleitung ab, danach konnte die Achse abgekühlt werden. Durch den Störfall geriet der gesamte Fahrplan aus dem Takt. Die S-Bahnen Richtung Ostbahnhof mussten vorzeitig wenden. Auf der Westseite endeten die meisten Linien oberirdisch am Hauptbahnhof, S2 und S8 umgingen die Stammstrecke und fuhren über den Südring. Nur die S 4 fuhr bis Isartor. Wer auf die U-Bahn ausweichen wollte, hatte ebenfalls Pech: Auf der U4/U5 gab es eine Weichen-Störung. Erst nach drei Stunden normalisierte sich der Verkehr.

„Heute hätte das nicht sein müssen“, seufzte der scheidende S-Bahn-Chef Bernhard Weisser, der just zum Zeitpunkt der Panne offiziell verabschiedet wurde. Acht Jahre leitete Weisser die S-Bahn, jetzt tritt er gesundheitsbedingt kürzer. 2009 habe er einen Krisen-Betrieb übernommen, sagte Weisser vor gut 200 Bahn-Verantwortlichen bei einem Festakt im Hotel Maritim. Damals gab es Probleme, weil die S-Bahn wegen Herbstlaubs nicht bremsen konnte, dreieinhalb Monate musste komplett der 10-Minuten-Takt auf einigen Linien gestrichen werden. Weisser schaffte es, den Betrieb durch etliche kleine Verbesserungen zu stabilisieren. Ein Erfolg, der ihm auch bei Experten Respekt verschafft hat. Im vergangenen Jahr legte die S-Bahn trotz vieler Störfälle bei der Pünktlichkeit den besten Wert seit zehn Jahren vor. „Bernhard Weisser war der Sekundenjäger“, lobte Johann Niggl, Chef der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG).

Heiko Büttner fährt täglich S-Bahn 

Weissers Nachfolger heißt Heiko Büttner, 48, bei der Bahn schon seit mehr als 20 Jahren. Der Jurist ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Neuhausen. Er fahre täglich S-Bahn, sagte er – und kenne die Herausforderungen.

Die erste wartet gleich am 5. April, dem Tag des Spatenstichs für die zweite Stammstrecke. Zehn Jahre wird der Bau der zweiten Röhre dauern. „In dieser Zeit werden wir mit Beeinträchtigungen leben müssen“, sagte Büttner – beispielsweise am Bahnhof Laim, wo die neue Linie abzweigen wird. Das müsse erst einmal gemanagt werden. Zudem verhandelt die BEG mit der S-Bahn gerade über eine Vertragsverlängerung. Ab 2018 soll ein zweijähriger Übergangsvertrag zwischen der Bahn und dem Freistaat gelten, der aus Sicht der Fahrgäste kaum Änderungen bringen wird.

Für die Zeit ab 2020 aber wird das S-Bahn-Netz neu ausgeschrieben, die Verhandlungen dafür beginnen demnächst. Obwohl offiziell auch andere Bahn-Betreiber zu einer Angebotsabgabe eingeladen sind, ist aufgrund der Größe des S-Bahn-Netzes die Deutsche Bahn der heißester Kandidat für den Zuschlag. „Die BEG wird keinen Besseren finden als die S-Bahn München“, versprach Büttner. Die BEG dürfte aber pokern und beispielsweise mehr Pünktlichkeit, mehr Sauberkeit sowie bessere Informationen im Störfall als Vertragsbedingungen nennen. Parallel dazu wird sich Büttner auch um neue Züge kümmern müssen – die 238 S-Bahnen des Typs ET 423 sollen im nächsten Jahrzehnt durch eine „deutlich größere Zahl“ (so die BEG) an Neufahrzeugen ersetzt werden.

Angesichts dieser Herausforderungen hatte Weisser für Büttner eigentlich nur einen Rat: „In dieser Position muss man ein dickes Fell haben.“ Er solle Kritik an der S-Bahn ernst, aber nicht persönlich, nehmen.

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