S-Bahn könnte Dom gefährden

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Wie groß ist die Einsturzgefahr, wenn in der Nähe der Frauenkirche ein S-Bahn-Tunnel gebaut wird? Experten raten auf alle Fälle zu einem Sicherheitsabstand.

München - Gerade wird der Münchner Dom schrittweise saniert. Als erstes ist im Moment der Nordturm eingerüstet, für zwei Jahre.

Vor allem Wind und Wetter haben der Backsteinfassade zugesetzt. Nun ist plötzlich auch wieder die Rede von einer Gefahr, die von Menschen verursacht wird – und von unten kommt: Würde der Tunnel für die zweite S-Bahnstammstrecke, so sie denn jemals realisiert wird, den historischen Sakralbau beschädigen?

Der Münchner Architekt Jürgen Rauch jedenfalls erneuerte bei einem Fachgespräch mit den Grünen seine Bedenken: Die Röhre kommt dem Dom zu nahe. Ihm wäre es lieber, man würde einen Sicherheitsabstand von 40 Metern halten. Geplant sind nur zehn. In einer Vorstudie für die DB-Projektbau hatte Rauch 2003 diese Einschätzung abgegeben und anstelle einer Streckenführung unter der Maxburgstraße für die Variante unter der Pacellistraße und dem Promenadeplatz votiert.

Warum sowohl Bauherrin Bahn als auch Erzdiözese diesen Vorschlag nicht weiterverfolgten, versteht Rauch nicht recht. Die Strecke würde dadurch nicht länger und teurer. Der Experte kann aber nachvollziehen, dass jetzt erst die Genehmigung für die beantragte Trasse abgewartet wird. Eine Veränderung sei danach immer noch möglich. Außerdem: Schon bei früheren „Unterfahrungen“, etwa des Rathauses, ­seien Techniken angewendet worden, die eine Beschädigung des Gebäudes während der Bauzeit verhindert – bei Erweiterung des U-Bahnhofs Marienhof die Vereisung des Untergrunds.

Münchner Frauenkirche wird saniert

Münchner Frauenkirche wird saniert
Die Türme der Frauenkirche: Einer ist bereits eingerüstet. © Westermann
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Der zweite Turm ist in ein paar Jahre daran. © Westermann
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Der Leiter des staatlichen Bauamts, Klaus Bachmann, erklärt, wie's mit der Sanierung weiter geht. © Westermann
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Mindestens sieben Jahre lang werden die Türme eingerüstet sein. © Westermann
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Ein Arbeiter knapp über einer der Uhren der Frauenkirche. © Westermann
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Unter anderem wird der alte Mörtel ausgetauscht. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Blick auf den zweiten, noch nicht verkleideten Turm. © Westermann
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Jeder der Türme hat 4000 Quadratmeter Außenfläche, die ausgebessert werden muss. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Bis fast ganz oben reichen die Gerüste. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Mit den Einrüst-Arbeiten wurde bereits vor Monaten begonnen. © Schlaf
Münchner Frauenkirche wird saniert
Immer wieder untersuchten Experten mit besonderen Kränen den Bau. © Kruse
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So sehen die Türme aus, wenn sie nicht hinter Gerüsten versteckt sind. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Sind die Türme saniert, wird das Mittelschiff ausgebessert. © Kruse
Münchner Frauenkirche wird saniert
Die Domtürme sind eines der Wahrzeichen der Stadt. Ein anderes ist die Wiesn. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Innerhalb des Mittleren Rings ist der Dom das höchste Gebäude. © Westermann
Münchner Frauenkirche wird saniert
Der Blick vom Domturm hinab. © dpa
Münchner Frauenkirche wird saniert
Die Frauenkirche in ganz besonderem Licht. © fkn

Rauch ist Befürworter der zweiten S-Bahnstammstrecke, anders als Landtagsabgeordneter Martin Runge , der zum Gespräch eingeladen hatte. Der Grüne forciert die Trassen-Alternative Südring. Rauch hat aber auch über viel einfachere Möglichkeiten der Entzerrung auf der Stammstrecke nachgedacht. „Wir haben Berechnungen angestellt, wie man durch Einbauten in die jetzigen Anlagen mehr Fahrgäste transportieren kann.“ So sollen sie mit einer Art Leitsystem in schwach besetzte Wagen navigiert werden. Ein Drittel mehr Kapazität wären drin.

B. Wimmer

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