... aber die Züge sind wieder pünktlicher

S-Bahn-Kontrollen werden verschärft

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Die Bahn-Bediensteten kontrollieren jetzt häufiger.

München - Jeden Tag sind bei der Münchner S-Bahn sage und schreibe mehr als 25.000 Schwarzfahrer unterwegs! Diese Zahl lässt sich aus Schätzungen der Bahn ableiten. Die will den Betrügern jetzt verstärkt an den Kragen.

Heuer werden die Kontrollen ausgeweitet, kündigte am Mittwoch S-Bahn-Chef Bernhard Weisser an.

Pro Jahr nutzen etwa 220 Millionen Menschen die S-Bahn. Die Mehrzahl hat ein gültiges Ticket in der Tasche. „Der Schätzwert an Schwarzfahrern liegt jedoch bei etwa drei Prozent“, sagt Weisser. Das macht demnach 6,6 Millionen pro Jahr. Oder eben: Rund 25 000 schwarze Schafe unter den 840 000 Kunden, die jeden Tag mit der S-Bahn unterwegs sind.

Schmerzhafte Verluste für die Bahn. Deshalb erklärt Weisser jetzt: „Nachdem wir in den vergangenen Jahren ständig die Qualität (siehe Text unten) nach oben geschraubt haben, gehen wir jetzt daran, unsere Einnahmen zu erhöhen.“ Denn: „Unsere ehrlichen Fahrgäste sollen nicht länger für die schwarzen Schafe zahlen!“

Die Schwarzfahrer-Quote bei der S-Bahn liegt Schätzungen zufolge bei rund drei Prozent.

Um Schwarzfahrern auf den Pelz zu rücken, setzt die Bahn verstärkt auf Vollkontrollen. Das heißt: An Tunnelstationen wie dem Marienplatz oder dem Stachus wird massiv überwacht. „Die Zugänge werden gesperrt. An den Ticketentwertern stehen unsere Leute. Jeder – ob er nun ein- oder aussteigen will – muss dann hier seinen Fahrschein zücken“, erklärt S-Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp. Üblicherweise kooperiert die S-Bahn hierbei mit der MVG. So soll verhindert werden, dass potenzielle Schwarzfahrer „durch eine Lücke schlüpfen“, so Honerkamp. Wie oft wird es solche Vollkontrollen geben? Klare Ansage: „Auf jeden Fall ein Mal im Monat!“ Und wer erwischt wird, zahlt (noch) 40 Euro.

Neben den Vollkontrollen soll es zudem „spürbar“ mehr normale Kontrollen geben, sagt S-Bahn-Chef Weisser. Dafür will er zusätzliches Personal einsetzen. Es bestehe sogar die Möglichkeit, so Weisser, externe Firmen mit speziell geschultem Personal mit Kontrollen zu beauftragen.

Tobias Scharnagl

… aber die Züge sind wieder pünktlicher

Mega-Streiks, zeitweise Vollsperrung der Stammstrecke und Dauer-Baustelle an der Donnersbergerbrücke – ein Horror-Jahr für die S-Bahn? Offensichtlich nicht: Mit einer Quote von 95,8 Prozent kamen die Züge pünktlich – der höchste Wert seit acht Jahren. Damals, 2006, lag der Wert bei 96,6 Prozent. S-Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp nannte am Mittwoch einige Gründe: „Wir haben die Anfahrtsgeschwindigkeit verbessert. Außerdem bringen zusätzliche Mitarbeiter wertvolle Sekunden. Sie helfen an einigen Bahnhöfen den Lokführern, die Fahrgäste und Züge schneller abzufertigen.“ Und noch ein Punkt liegt S-Bahn-Chef Weisser am Herzen: 2015 will er mehr Züge taufen. Dabei sollen Stadt- und Landgemeinden gleichermaßen als Namensgeber fungieren. Trotz aller guten Nachrichten wird es auch 2015 wieder Behinderungen geben. So wird vom 30. März bis 29. Juni die Decke der Verteilerebene des Hauptbahnhofs saniert. Zwischen 0.05 Uhr und 4.50 Uhr (Dienstag bis Freitag) fährt auf der Stammstrecke nur die S8, alle anderen Linien wenden am Ostbahnhof und Hauptbahnhof.

Zahlen & Fakten

Fahrgäste an Werktagen: ca. 840 000

Zugfahrten an Werktagen: ca. 1000

Fahrgäste pro Jahr: ca. 220 Millionen

Länge des S-Bahn-Netzes: 434 Kilometer

Durchschnittsgeschwindigkeit: 40 Kilometer pro Stunde

Anzahl der S-Bahn-Linien: 8 Stammlinien

Anzahl der S-Bahn-Stationen: 150

Anzahl der S-Bahn-Fahrzeuge: 253

Anzahl der Mitarbeiter:

ca. 1100 (davon 75 Azubis)

Vergleichswerte 2013 2014
Pünktlichkeit: 93,9% 95,8%
Personen im Gleis: 291 307
Notarzteinsätze: 221 238

1,5 Tonnen Müll pro Tag! Unterwegs mit den S-Bahn-Reinigern

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