Wenn die Bahn die Ausschreibung gewinnt

DB-Chef verspricht 300 neue S-Bahnen

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Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel will bis zu 300 S-Bahn-Züge anschaffen, wenn die Bahn die nächste Ausschreibung gewinnt.

München - Das Management der Deutschen Bahn ist genervt von anhaltende Klagen über die Münchner S-Bahn. Nun reagiert der Konzern mit einem Versprechen: Sollte sie die anstehende Ausschreibung des S-Bahn-Verkehrs in München für sich entscheiden, dann werde im großen Stil investiert.

Die DB werde dann „wieder eine große Anzahl neuer Züge anschaffen – möglicherweise bis zu 300 Züge im Wert von geschätzt zwei Milliarden Euro“, erklärte Bayerns DB-Chef Klaus-Dieter Josel. Auf die Kritik, die zuletzt die Landtags-CSU, der MVV sowie einige Landräte geäußert hatten, antwortet Josel mit dem Hinweis, dass die DB schon heute 100 Millionen Euro jährlich ins Münchner Schienennetz stecke. 2015 seien 56 Weichen erneuert und für 81 Millionen Euro der Brandschutz an S-Bahnhöfen modernisiert worden.

Bisher fahren im Münchner S-Bahn-Netz mit seinen 150 Haltestellen nur 238 Züge der Baureihe ET 423. Diese wird nicht mehr hergestellt. Daher kann die Bahn trotz Forderungen aus der Politik nicht wesentlich mehr Züge auf stark beanspruchten Linien, etwa S1 oder S4, zur Verfügung stellen. In der Not holte Münchens S-Bahn-Chef Bernhard Weisser nach langen Verhandlungen 2014 sogar alte „Olympia“-S-Bahnzüge der Baureihe ET 420 von Stuttgart nach München zurück. Diese dürfen jedoch aus technischen Gründen nicht durch den Stammstreckentunnel fahren.

S-Bahn München: Deutsche Bahn steht unter Erfolgsdruck

Seit Inbetriebnahme des Münchner S-Bahn-Netzes 1972 ist die Deutsche Bahn hier der Monopolist. Doch das könnte sich ändern. Denn erstmals soll das Liniennetz durch die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ausgeschrieben werden – analog zu anderen Regionalnetzen wie der S-Bahn Nürnberg oder auch der Werdenfelsbahn. In die Quere kommen im Münchner Fall die Pläne zum Bau des zweiten Stammstreckentunnels. Sollte dieser wirklich, wie zuletzt von Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) angekündigt, bis Ende 2025 betriebsbereit sein, müssten bis zum Auslaufen des aktuellenS-Bahn-Vertrags Ende 2017 eine Zwischenlösung gefunden werden und ab 2025 dann wesentlich mehr und neue Züge bereit stehen.

Auf diese Eventualität reagiert Bahnchef Josel offenbar mit seinem Versprechen, bis zu 300 Züge anzuschaffen. Die DB steht hier bundesweit unter Erfolgsdruck, sie hatte zuletzt mehrere Regionalnetzte wie das in Stuttgart an private Bahnbetreiber verloren.

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