Drei Stunden Streik-Stillstand

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Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA haben für Dienstag zu bundesweiten Streiksaufgerufen.

München - Von 5 bis 8 Uhr geht am Dienstag nichts mehr auf Deutschlands Schienen. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA ziehen ihren bundesweiten Warnstreik durch.

Bayern, vor allem München und Nürnberg, wird besonders betroffen sein – auch die S-Bahnen. Die Deutsche Bahn hatte am Montag noch versucht, den Streik abzuwenden und ein Schlichtungsverfahren vorgeschlagen. Darauf wollten sich die Gewerkschaften aber nicht einlassen. In Bayern rufen sie Mitglieder, die bei der Deutschen Bahn und den Privatbahnbetreibern Veolia (Bayerische Oberland Bahn) und Arriva beschäftigt sind, zum Streiken auf. Transnet-Sprecher Johann Geb­hardt sagte im tz-Interview kämpferisch: „Die Arbeitgeber hatten fast ein halbes Jahr Zeit. Uns bleibt nur dieses Mittel! Wir werden beim Nahverkehr, aber auch beim Fernverkehr zuschlagen und auch Info-Points und die S-Bahnen bestreiken.“

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Die Bahn rüstet sich für den Streik

Bei der Münchner S-Bahn wird es wohl nicht ganz so schlimm kommen, da hier die meisten Beschäftigten Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL sind, die gegenüber der tz versichert hat, nicht mitzustreiken. Dafür werden bayernweit Millionen Pendler und Reisende im Nah- und Fernverkehr betroffen sein. Schwacher Trost: Diese Woche wird nur am Dienstag gestreikt. Am Freitag ist die nächste Verhandlungsrunde geplant. Transnet-Sprecher Geb­hardt: „Wenn nötig, streiken wir bis hin zur Urabstimmung.“

“dänk ju weri matsch” - Englischwörterbuch für Bahnmitarbeiter

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Ziel der Gewerkschaften ist neben Lohnerhöhungen ein für alle Bahnunternehmen gültiger Branchentarifvertrag der Lohn-Dumping einzelner Firmen und Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn ausschließen soll. Damit soll das Gehaltsniveau, das bereits für 90 Prozent der Beschäftigten gilt, für alle Mitarbeiter verbindlich werden. Die Deutsche Bahn hält die Warnstreiks für „unbegründet und kontraproduktiv“.

Bundesweit sollen Hunderte zusätzliche Mitarbeiter eingesetzt werden, um den Streik abzufedern. Wenn ein Zug ausfällt oder zu spät kommt, wird der Fahrpreis zurückerstattet, Tickets können umgetauscht werden, auch die Weiterreise mit einem höherwertigen Zug ist möglich. Unter www.bahn.de/aktuell oder unter der kostenlosen DB-Hotline 08000/ 99 66 33 können sich Reisende über den Streik informieren. Die BOB will einen Schienenersatzverkehr einrichten. Beim Fahrgastverband pro Bahn stößt der Streik ebenso auf Unverständnis. Matthias Wiegner: „Wir verstehen die Forderungen. Aber wir wünschen uns endlich Arbeitskampfmaßnahmen, die nicht auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden. Warum nicht die Fahrkartenkontrolle einstellen …?“

Ein kreativer Vorschlag – doch die Realität sieht anders aus. Da u. a. auch Stellwerksmitarbeiter die Arbeit niederlegen, wäre sogar der Ausfall ganzer Strecken denkbar.

Karl-Heinz Dix, Simone Herzner

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