Darum wird die Stammstrecke in diesem Jahr so oft gesperrt

S-Bahn München mit Mammut-Projekt: Brücke der Superlative fertig - jetzt muss Stahl-Koloss bewegt werden

Luftbild von Gleisanlagen in München mit einer Brücke.
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90 Meter lang, 1300 Tonnen schwer: Die Stabbogenbrücke ist fast fertig.

Viele Fahrgäste zwischen Laim und Hirschgarten haben in den vergangenen Monaten live zusehen können, wie eine große Bahnbrücke Stück für Stück zusammengeschweißt wird. Nun ist die Brücke fertig - sie in die richtige Position zu schieben, ist höchste Ingenieurskunst.

München - 90 Meter Spannweite, 1300 Tonnen Gewicht, bis zu 16 Meter Höhe - zwischen Hirschgarten und Laim hat der Oberpfälzer Baukonzern Max Bögl in den vergangenen Monaten im Auftrag der Bahn eine Brücke der Superlative gebaut. Über den Koloss aus Stahl sollen später einmal die beiden Gleise der zweiten S-Bahn-Stammstrecke führen - und die sogenannte Stabbogen-Konstruktion ist einer der Gründe, warum die Bahn in diesem Jahr an insgesamt 18 Wochenenden die bestehende S-Bahn-Stammstrecke ganz oder teilweise sperrt. Das erste Mal ist das ab diesem Freitagabend der Fall.

Auch wenn die Stabbogenbrücke, die vom Westende des Bahnsteigs Hirschgarten aus gut zu sehen ist, noch mit Plastikplanen umhüllt ist, steht sie doch schon kurz vor der Endmontage. „Wir sind im Zeitplan“, sagt Anke Hering, Bauleiterin der Bahn für den Westabschnitt der zweiten Stammstrecke. „Bis auf einige Querträger ist die Brücke fertig.“

München: Im Juli wird die Brücke rübergeschoben

Jetzt aber wird es kompliziert. Die Bahn bereitet sich darauf vor, die Brücke „in einem Rutsch“ (Hering) Richtung Westen über die Gleise des Südrings auf ihre endgültige Position zu schieben. Ab dem 17. Juli wird das an mehreren Tagen mithilfe hydraulischer Pressen geschehen. Dafür ist es aber notwendig, zwischen die Gleise des darunterliegenden Südrings Hilfsstützen einzubauen, damit die Brücke beim Rüberschieben nicht ins Leere fällt.

Die Stützen wiederum benötigen massive Betonfundamente. Die jedoch können erst gegossen werden, wenn unterirdische Strom- und Signalkabel entfernt und an andere Stellen verlegt worden sind. Es ist ein Räderwerk, das da ineinandergreift und stundengenaue Festlegungen notwendig macht: Wer macht was wann? Ist die Brücke schließlich - wahrscheinlich um den 22. Juli - an der anderen Seite an der Oberkante des Überwerfungsbauwerks angedockt, müssen die Hilfsstützen wieder weg und auch die Fundamente entfernt werden.

Bauingenieurin Anke Hering ist Bauleiterin für den Westabschnitt der zweiten Stammstrecke.

München: Umbau vom Bahnhof Laim in vollem Gange

Anke Hering dirigiert für die Planung der zweiten Stammstrecke im Westen ein Team von acht Bauingenieuren. Sie kümmern sich nicht nur um die Brücke, sondern auch um den Umbau des Bahnhofs Laim, der in diesem Jahr ein gutes Stück voran kommen soll. Endziel: Das Gleis 1, auf dem die S-Bahnen* stadtauswärts fahren, entsteht etwa 30 Meter nördlich neu.

Derzeit werden die Fundamente für das Gleis und den Bahnsteig gegossen. Die Treppenabgänge für die Fahrgäste sind schon sichtbar. Ab dem kommenden Jahr sollen die Züge stadtauswärts auf dem neuen Gleis 1 halten - das alte Gleis 1 wird stillgelegt und weicht dem kompletten Neubau des Bahnhofs.

Bauingenieurin Anke Hering sagt: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft.“ Und je mehr sie von den Details erzählt, desto mehr ahnt man, warum. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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