Panne Freitag früh ist kein Einzelfall

S-Bahn-Chaos in München: Elf Zugausfälle täglich! Schuld ist eine marode Stelle aus den 1960er Jahren

Schaltzentrale mit Macken: Ein Mensch an einer Schaltstelle
+
Schaltzentrale mit Macken: Das Stellwerk Ost sorgte am Freitag wieder mal für Störungen.

Es ist die Achillesferse der S-Bahn. Am Freitag sorgte eine Panne in der maroden Schaltzentrale für stundenlange Störungen. Beileibe nicht zum ersten Mal.

München – Wie es der Zufall so will: Seit einem Jahr ist Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) jetzt im Amt. Ihr erster Pressetermin war am 6. Februar 2020 an einem Ort, der jetzt wieder für Probleme sorgte: im Stellwerk Ost unweit des Ostbahnhofs in München. Schreyer besichtigte damals das marode Stellwerk aus den 1960er-Jahren zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla – und die Verantwortlichen versprachen eine schnelle Sanierung: Das Stellwerk soll bis Mitte 2023 mit moderner elektronischer Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet werden.

Doch noch ist es nicht soweit, noch werden Fahrgäste mit Pannen leben müssen – Pannen wie die von Freitagfrüh. Bei „routinemäßigen Wartungsarbeiten“ in der Nacht, so ein Bahn-Sprecher, war es zu einer größeren Störung der Stromversorgung gekommen, die zu Betriebsbeginn des S-Bahn-Verkehrs gegen 5 Uhr noch nicht behoben war. Die Folge: Die S-Bahn schaltete auf ein absolutes Notprogramm um, das alle Linien umfasste – die Züge konnten nicht durch die komplette Stammstrecke fahren, der Ostbahnhof war (die U-Bahn ausgenommen) praktisch unerreichbar. Beispielsweise endete die S4 aus Geltendorf am Hauptbahnhof, die S3 aus Mammendorf an der Hackerbrücke. Die S2 fuhr nur zwischen Erding und Riem und Petershausen/Altomünster und Heimeranplatz. Teilweise entfielen Züge auch ganz, etwa auf der Linie S2. Erst gegen 10 Uhr lief es wieder normal.

S-Bahn-Chaos in München: Elf Züge täglich fallen im Schnitt wegen Stellwerksstörungen aus

Seit eh und je machen die Stellwerke der Bahn Sorgen. Das zeigt auch eine Antwort des bayerischen Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des Münchner SPD-Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher. Demnach gab es 2019 exakt 4002 Zugausfälle infolge einer Stellwerksstörung, im Jahr zuvor waren es sogar 5371. „Knapp elf Züge am Tag fallen in Folge von Stellwerksstörungen im S-Bahn-Netz München aus“, folgert der Abgeordnete. Die Bahn selbst schätzt, dass Stellwerke für zehn bis 15 Prozent aller Störungen verantwortlich sind. In der Antwort heißt es auch, dass die Digitalisierung der Stellwerkstechnik erst „circa Mitte/Ende der 2030er-Jahre abgeschlossen ist“. Das sei nicht schnell genug, meint Rinderspacher. „Es braucht mehr Investitionen, mehr Tempo und mehr Gründlichkeit.“

Immerhin: Die Modernisierung des Stellwerks Ost ist beschlossene Sache. Von dort aus werden etwa 1000 Einheiten geschaltet – Weichen und Signale ebenso wie auch Achszähler. Es reicht von Giesing im Süden bis Berg am Laim im Norden, umfasst große Teile des Ostbahnhofs sowie die Stationen Leuchtenbergring und St.-Martin-Straße.

S-Bahn-Chaos in München wegen einem maroden Stellwerk: Schon 2023 gibt es besserung

Ursprünglich wollte die Bahn warten, bis der Bau der 2. Stammstrecke abgeschlossen ist – sie soll ebenfalls vom Stellwerk Ost aus gesteuert werden. Doch die Modernisierung wurde vorgezogen, ergab damals der Pressetermin mit Kerstin Schreyer. Und es scheint voranzugehen: Im September vergangenen Jahres wurden die Unterlagen zur Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Der Termin 2023 werde gehalten, verspricht die Bahn.

München-Newsletter: Alle wichtigsten News aus München stellen wir Ihnen gerne zusammen und liefern sie auch noch mehrmals wöchentlich bequem per Mail nach Hause - und das kostenlos: Melden Sie sich jetzt an.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare