Nach den Chaos-Tagen

So (zufällig) bekommen Pendler eine von 10.000 Therme-Freikarten der S-Bahn

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Der Chef der S-Bahn München will sich nach den Chaos-Tagen mit seinen genervten Kunden versöhnen. Radio Gong hat ihn überredet, Freikarten für die Therme Erding verteilen zu lassen. Es sind aber nicht genug für alle da. 

München - Die vergangene Woche war für S-Bahn-Fahrgäste krass. Anders kann man es nicht nennen. Der  S-Bahn-Chef Heiko Büttner entschuldigte sich im Interview mit Radio Gong 96.3 am Montag bei allen Pendlern. Und diesmal wird es nicht nur bei entschuldigenden Worten bleiben: Um die überstrapazierten Nerven der Passagiere zu entspannen, werde die Münchner S-Bahn 10.000 Eintrittskarten für die Therme Erding verteilen, kündigte Büttner im Interview an. 

Das Team von Radio Gong hatte dem Marketing-Team der Münchner S-Bahn diesen „Deal“ vorgeschlagen, nachdem zuvor die Idee, allen Fahrgästen einen Gratis-Monat zu schenken, abgelehnt worden war.   

So können Fahrgäste (zufällig) eine Freikarte für die Therme Erding bekommen

Seit diesem Mittwoch (7. März) bis Freitag, 9. März, verteilen Promoter von Radio Gong zusammen mit Bahn-Mitarbeitern die Tickets in den Zügen des gesamten Streckennetzes. Zusätzlich soll es 10.000 Gutscheine für einen Kaffee mit Brezn geben. Es ist also Zufall, ob tatsächlich diejenigen Pendler einen der Gutscheine bekommen, die besonders hart von dem S-Bahn-Chaos betroffen waren. Jeden Tag sind mehr als 800.000 Fahrgäste mit der S-Bahn unterwegs. Es werden daher nur 1,25 Prozent der S-Bahn-Nutzer entschädigt.

Manche Bahn-Kunden reagieren mit Frust und Wut auf diese Meldung. Der Programmchef von Radio Gong, Johannes Ott, bedauert es, „dass massiv gegen die Aktion gewettert wird“. Ein Fahrgast behauptet in der von Merkur.de und tz.de gegründeten Facebook-Gruppe „Meine S8 kommt nicht“, er habe keine Therme-Erding-Karte bekommen, weil er kein „Danke“ ins Radio-Gong-Mikrofon habe sagen wollen. Ott stellt im Gespräch mit unserer Online-Redaktion klar, dass ein „Danke“ niemals Bedingung sei, um eines dieser Tickets zu erhalten: „Zuerst verteilen unsere Promoter die Karten, dann fragt einer unserer Praktikanten, ob derjenige noch einen Dank sagen möchte. Und wenn nicht, dann eben nicht. Das Ticket behält er natürlich.“ Was solle sein Sender auch mit 10.000 O-Tönen anfangen? Später stellte sich heraus, dass der Fahrgast die ganze Aktion von S-Bahn und Radio Gong falsch verstanden hatte. 

Facebook-Userin Martina fragt: Und wer bekommt die Tickets für Therme Erding?

Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die S-Bahn München für ihre Aktion mit dem Radiosender

Pro Bahn äußerte bereits am Montag Kritik an dem Vorhaben: Der Fahrgastverband hält nichts davon, dass die Deutsche Bahn als Reaktion auf das S-Bahn-Chaos Freikarten für die Therme Erding verteilen will. Der Münchner Sprecher von Pro Bahn, Andreas Barth, sagte am Montag, es sei zwar eine nette Geste, stehe aber nicht im Verhältnis. „Es kann doch nicht sein, dass zufällig ausgewählt wird, wer eine Freikarte bekommt und wer nicht“, sagte Barth. „Hier muss mehr passieren, etwa gezielte Rückerstattungen, vor allem für Zeitkartenbesitzer, denn die betrifft es am meisten.“ Sinnvoll wäre somit laut Barth, den Besitzern einer solchen Karte im kommenden Monat weniger Geld abzubuchen.

Wie denken Sie über die Aktion von der Münchner S-Bahn und dem Radiosender? Diskutieren Sie auf Facebook:

In der Tat hatte es massive Kritik an den häufigen und anhaltenden Problemen der Münchner S-Bahn gegeben. Dabei sind die Preise für Fahrkarten eigentlich hoch genug, um ordentlichen Service erwarten zu dürfen.  Zuletzt gab es auch Forderungen aus der Politik, Konsequenzen aus der Pannenserie zu ziehen. Die tz widmete dem Thema am Freitag (erneut) eine Titelseite: 

sah/lag/dpa

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