Der S-Bahn-Retter vom Rosenheimer Platz

+
Rettung in letzter Sekunde: Zufällig sah Manuel, wie ein Amerikaner ins Gleisbett am S-Bahnhof Rosenheimer Platz stürzte. Der 18-Jährige zog den Mann in den Rettungsschacht

München - Durch sein mutiges Eingreifen hat Manuel Zitzmann (18) aus Oberhaching einem Amerikaner das Leben gerettet. Jetzt schildert er die dramatische Aktion.

Drei Minuten zeigt die Anzeigetafel. Dann wird die S-Bahn einfahren. Der Mann auf dem Gleis im Bahnhof Rosenheimer Platz hätte keine Chance. Manuel Zitzmann (18) weiß das. Drei Minuten hat der junge Mann, um ein Leben zu retten. Verdammt wenig Zeit. Dennoch springt der Oberhachinger in den Schacht zu dem Mann auf den Gleisen. Der liegt regungslos da. „Bewusstlos“, denkt Manuel.

Lesen Sie auch:

Betrunkener Amerikaner von den Gleisen gerettet

Zwei Minuten zeigt die Anzeigetafel. Der Gestürzte ist schwer, 100 Kilo, mindestens. Manuel schüttelt ihn, schreit: „Wach auf. Weg hier“. Keine Reaktion. Allein kann ihn Manuel nicht auf den Bahnsteig hochziehen. Auch nicht, wenn die Frau mit anpackt, die an der Bahnsteigkante steht und helfen will. Sonst ist niemand da. Es ist Sonntag, 5 Uhr morgens.

Eine Minute zeigt die Anzeigetafel. Es gibt noch eine Chance. Der Mann muss in den Rettungsschacht unterhalb des Bahnsteigs. Irgendwie. Manuel wuchtet den schweren Körper zum Schacht, verfrachtet ihn dort.

Jetzt hört Manuel die S-Bahn. Leute schreien: „Komm raus. Schnell. Schnell“. Im dunklen Tunnel tauchen Lichter auf. Die S-Bahn. „Sie fuhr direkt auf mich zu“, sagt Manuel. Die Leute winken, wollen den Zugführer warnen. Noch ein Blick auf den Mann im Schacht, dann klettert Manuel auf den Bahnsteig. „Ein paar Sekunden später war der Zug da“, erzählt er.

Die Zugführerin hatte von dem Drama nichts bemerkt. Sie hätte nichts tun können, der Mann lag nur etwa 30 Meter hinter der Einfahrt. Minuten später sind Sanitäter, Polizei und Feuerwehr da. Sie dirigieren den Zug aus dem Bahnhof. Dann bergen die Rettungskräfte den Gestürzten. Der Amerikaner (32) ist leicht verletzt, hat eine Kopfplatzwunde. Er kommt dennoch ins Krankenhaus. Hier kann er seinen Rausch ausschlafen, er hat 2,14 Promille. Zurück bleibt Manuel, der gerade ein Leben gerettet hat. Er war an diesem Sonntagmorgen von einer Party gekommen, wollte mit der S-Bahn zurück nach Oberhaching. „Aus den Augenwinkeln hatte ich gesehen, wie der Mann ins Leere trat und hinunterfiel“, erzählt der junge Anlagenmechaniker, der bei der Firma Sippl-Heizungsbau in Holzkirchen arbeitet. Von dem Gestürzten hat Manuel noch nichts gehört. „Das erwarte ich auch nicht. Ich habe getan, was ich tun musste“.

Jacob Mell

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Alle Linien fahren normal
S-Bahn: Alle Linien fahren normal
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare