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S-Bahn: Schrankenlösung nimmt die Hürde

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Die S-Bahn-Verlängerung ist bezahlbar, aber nur mit einer Schrankenlösung. Spitzenpolitiker kommentierten das Resultat der Nutzen-Kosten-Untersuchung. (V. li.) Christine Noisser, Robert Lug, Cornelia Irmer, Josef Niedermaier, Martin Bachhuber und Peter Plößl. © Hermsdorf

Wolfratshausen/Geretsried - Aus planungsrechtlicher Sicht hat das S-Bahn-Projekt eine entscheidende Hürde genommen: Wenn Wolfratshausen die Schrankenlösung akzeptiert, wäre die Verlängerung realisierbar.

„Wir haben die Latte übersprungen, aber sie wackelt noch“, veranschaulichte der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber am Montag vor der Presse. Wirtschaftsminister Martin Zeil habe bei dem Gipfeltreffen in München unmissverständlich durchblicken lassen, dass es etliche Infrakstrukturprojekte in Bayern gebe, die nur auf ihre Realisierung warteten. Sollte im Landkreis kein Konsens über das Jahrhundertprojekt erzielt werden, würden die Fördergelder eben anderweitig eingesetzt, deutete Bachhuber an. Landrat Josef Niedermaier ergänzte, er habe den Minister mit den Zaunpfahl winken sehen: Wenn Wolfratshausen aus der Solidargemeinschaft ausschere, sei der FDP-Spitzenpolitiker Zeil nicht gewillt, „das Projekt gegen den Willen einer Kommune durchzuboxen“.

Damit es nicht zum Schaukampf Wolfratshausen gegen den Rest des Landkreises kommt, sind nach Ansicht aller Beteiligten intensive Gespräche in den nächsten Wochen notwendig. Bürgermeisterin Cornelia Irmer erklärte, Geretsried sei „jederzeit diskussionsbereit“ und bemüht, um eine sinnvolle Lösung zu ringen. Sie plädierte dafür, in zwei Handlungssträngen zu agieren: Einmal gelte es, gemeinsam mit ministerieller Unterstützung die Untersuchungen des Büros Vieregg/ Rössler zu vertiefen, die eine letzte Chance für die Troglösung an der Sauerlacher Straße darstellen könnten. Außerdem sollten sich die Kommunen die neuen Grundlagen zur Schrankenlösung vergegenwärtigen: „Dort gibt es positive Veränderungen gegenüber der letzten NKU“, wie etwa die verkürzten Schrankenschließzeiten auf zwölf Minuten – ursprünglich waren rund 25 Minuten pro Stunde veranschlagt.

Bürgermeisterin Irmer sprach von „einem guten Tag und einem großen Schritt für die Region und den Landkreis“. Unmittelbar nach Bekanntgabe des positiven Ergebnisses habe der Bund signalisiert, dass er die Förderfähigkeit der Verlängerungsvariante mit Schranke anerkenne. Landrat Josef Niedermaier sah „das wirtschaftliche Herz des Landkreises im Mittelzentrum schlagen“. Weil der Landkreis in Bezug auf die infrastrukturelle Entwicklung in Oberbayern auf einem Kellerkindplatz (Platz 19 von 20) rangiere, ist nach Aussage Niedermaiers die Weiterentwicklung dringend geboten. An die Adresse Wolfratshausens fragte Niedermaier rhetorisch: Was wiegt schwerer? Die unbestrittene Beeinträchtigung einer Kommune oder die beeinträchtigte Entwicklung eines Landkreises?

Bürgermeister Helmut Forster griff den Ball auf: „Wolfratshausen ist solidarisch mit der Region. Es kann aber nicht sein, dass eine Stadt mehr Nachteile als Vorteile hat.“ Der Rathauschef betonte die Wichtigkeit des Projektes, dennoch nehme die Wolfratshauser Delegation das Ergebnis wenig erfreut zur Kenntnis: „Das ist nicht das, was wir wollen.“ Überall würden Schranken abgebaut, sagte Forster, „nur bei uns werden Schranken aufgebaut“. Seiner Ansicht nach sind Schranken „ein nicht mehr zeitgemäßes Vehikel“. (ee)

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