Zugausfälle und Verspätungen ohne Ende

S-Bahn-Störung: Was wirklich hinter den Meldungen steckt

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Bei Frost gibt es häufig Probleme mit Eisblöcken auf Weichen, sagt Bahn­sprecher Bernd Honerkamp.

München - „Personen im Gleis“, „Notarzt-Einsatz“ oder „Betriebliche Gründe“ - was verbirgt sich wirklich hinter den Durchsagen, wenn die S-Bahn mal wieder verspätet oder gar nicht kommt

Immer wieder Züge, die ausfallen, Weichenstörungen und Sperrungen der Stammstrecke: S-Bahnkunden aus München und der Region haben vergangene Woche starke Nerven gebraucht. Die eisigen Temperaturen hätten zu einem großen Teil zu den Problemen beigetragen, so Bahnsprecher Bernd Honerkamp. Entwarnung für diese Woche kann er – trotz Tauwetters – aber trotzdem nicht komplett geben. So ist die S-Bahn etwa bei der Wartung von Zügen immer noch im Rückstand. Bedingt durch den Frost dauerte es vergangene Woche bis zu drei Stunden, bis die Bahnen enteist waren – dadurch ergab sich ein Rückstau in der Werkstatt. Auf längere Zeit hofft der Konzern durch die geplanten Sperrungen der Stammstrecke (an zwei Wochenenden im Jahr) weniger störungsanfällig zu werden. Dann sollen Weichen, Signale und Sicherungssysteme gebündelt gewartet werden.

Viele Fahrgäste glauben trotzdem nicht, dass so schnell vieles besser wird (Umfrage unten). Die Stammstrecke sei mit 840 000 Fahrgästen täglich schlichtweg überlastet, räumt Bahnsprecher Honerkamp ein. Schon im Normalbetrieb fahre die S-Bahn unter der Woche fast jeden Tag im Berufsverkehr mit 30 Zügen pro Stunde und Richtung eine Verspätung ein. Etwa durch Türen, die nicht schließen könnten, weil sich jemand in die Lichtschranke stelle. Wenn dann noch eine Störung dazukommt, liegt schnell mal die gesamte Stammstrecke brach. Mit Folgen, die oftmals den ganzen Tag zu spüren sind. Die tz erklärt, was hinter den Bahn-Störungsmeldungen wie „betriebliche Gründe“ oder „technische Störungen“ steckt.

Technische Störungen

Die S-Bahn unterscheidet zwischen drei Arten von Störungen. Einmal die Störungen, die durch die S-Bahn selbst verursacht werden. Etwa durch erkrankte Lokfahrer oder kaputte Fahrzeuge (im Streckenagent „technische Störung an einem Fahrzeug“). Diese Störungen machen etwa zehn bis 15 Prozent aller Störungen aus, so Honerkamp.

Betriebliche Gründe

Hinter „betrieblichen Gründen“, wegen denen etwa Bahnen des 10-Minuten-Takts ausfallen, stecken meist Maßnahmen, um zu viel Verspätung auf der Stammstrecke zu vermeiden. „Wenn wir sieben Minuten Verspätung auf der Stammstrecke erreicht haben, müssen wir etwas unternehmen“, erklärt Honerkamp. Zum Beispiel zur Entzerrung den 10-Minuten-Takt ausfallen lassen. Hinter den Ausfällen des 10-Minuten-Takts bei einigen Linien letzte Woche verbirgt sich aber auch etwas anderes. Die S-Bahn hatte – bedingt durch die wochenlangen Frosttemperaturen – nicht genügend Züge. Denn: Alle der insgesamt 253 S-Bahnen müssen in streng vorgeschriebenen Abständen gewartet werden. Doch dafür mussten die Züge bei den eisigen Temperaturen erst enteist werden – und das kann bis zu drei Stunden dauern. Die S-Bahn Werkstatt Steinhausen setzte zusätzliches Personal ein und machte Überstunden – kam aber trotzdem mit der Arbeit nicht nach.

Weichen- und Signalprobleme

Zweite mögliche Art von Störungen: Es gibt Probleme an der Infrastruktur – zum Beispiel mit Weichen, der Oberleitung oder Signalen.

Im Streckenagent oft genannt unter „technische Störungen an einer Weiche“, „technische Störungen an der Oberleitung“ oder „technische Störungen an einem Signal“. Besonders mit Weichenstörungen hat die S-Bahn in einem kalten Winter zu kämpfen. Unter den Zügen können sich Eisblöcke bilden. Wenn die Eisbahn über eine Weiche fährt, ruckelt es – und die Blöcke können in die Weiche fallen. „Da hilft dann auch die beste Weichenheizung nichts, da muss ein Mensch hinfahren und den Eisblock entfernen“, so Bahnsprecher Honerkamp. Auch an Bahnübergängen gibt‘s bei kalten Temperaturen vermehrt Probleme: Oftmals liege das daran, dass eine Schranke zwar schließe, aber durch überfrorene Kontakte eine Störung angezeigt werde, so Honerkamp. Dann bekommt der Zug ein Signal, dass er nicht weiterfahren darf.

Personen im Gleis

Die dritte Art von Störungen sind solche, die durch Dritte ausgelöst werden. Über den Streckenagenten werden dann zum Beispiel „Personen im Gleis“ oder ein „Notarzteinsatz“ gemeldet. Probleme mit Personen im Gleis hätten in der letzten Zeit zugenommen, so Bahnsprecher Honerkamp. 300 solcher Meldungen waren es letztes Jahr. Zusätzlich sei von einer nicht geringen Zahl an ungemeldeten Vorfällen auszugehen. „Viele Leute springen auch leichtsinnig vom Bahnsteig aufs Gleis, um ihren Weg abzukürzen.

Das geht oftmals so schnell, dass es niemand mitbekommt und deswegen in keiner Statistik auftaucht.“ Seit etwa zwei Jahren hat die S-Bahn mit der Bundespolizei eine Absprache, dass bei der Meldung „Personen im Gleis“ nicht mehr automatisch der gesamte Zugverkehr lahmgelegt werden muss. „In bestimmten Fällen kann auf Sicht gefahren werden.“ Zum Beispiel wenn erwachsene Personen neben, aber nicht im Gleis laufen.

Notarzteinsatz

Auch Notarzteinsätze verursachen einen großen Teil der Störungen bei der S-Bahn, ungefähr 200 sind es im Jahr. „Wir haben immer mehr Fahrgäste – und deswegen auch immer mehr dieser Einsätze, bei denen Fahrgäste zum Beispiel ohnmächtig werden“, so Honerkamp. Auch Personenunfälle kommen leider immer wieder vor, rund 50 mal im Jahr. Das Überfahren eines Menschens führt in der Regel zu einer zwei bis dreistündigen Sperrung aller Gleise. Im Streckenagenten werden sie meistens als „Notarzteinsatz im Gleis“ umschrieben.

Störungskalender: Das war vergangene Woche bei der S-Bahn los

Montag:

6.27 Uhr: Bei der S2 und S8 fallen Züge des 10-Minuten-Taktes aus.

7 Uhr: Technische Störung an einem Fahrzeug am Rosenheimer Platz. Verzögerungen bis zu 15 Minuten Richtung Pasing. Auf den Außenästen Zugausfälle.

8 Uhr: Wegen einer „technischen Störung an einem Fahrzeug“ entfallen zwei S-Bahnen der Linie S20.

8.42 Uhr: Technische Störung an einer Weiche in Ismaning. Die S8 zwischen Ismaning und Flughafen steht still.

9.21 Uhr: Technische Störung an einem Bahnübergang in Sauerlach. Verzögerungen auf der Linie S3 für eine Stunde.

9.57 Uhr: Technische Störung an einem Signal in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Betroffen: die S7 Richtung Kreuzstraße.

11 Uhr: Technische Störung an der Oberleitung am Rosenheimer Platz.

15 Uhr: Ausfallende S-Bahnen des 10-Minuten-Takts aus „betrieblichen Gründen“. Dieses Mal betroffen: S2, S3 und S8.

17.33 Uhr: Technische Störung an einem Signal im Bereich Giesing. Verzögerungen von bis zu 10 Minuten.

19.07 Uhr: Störung an einem Bahnübergang in Neuaubing, Verspätungen und Zugausfälle bei der S8.

19.11 Uhr: Fahrzeugstörung in Pasing, Verspätungen auf der Stammstrecke nach Pasing, Zugausfälle auf den Außenästen.

Dienstag:

6 Uhr: Bei der S8 und S3 entfallen Züge des 10-Minuten-Takts.

10.53 Uhr: Ärztliche Versorgung eines Fahrgasts am Isartor – Verspätungen auf der Stammstrecke Richtung München Ost.

14.47 Uhr: Aus betrieblichen Gründen fallen einige Züge des 10-Minuten-Takts der Linie S2, S3 und S8 am Nachmittag aus.

17.30 Uhr: Durch Straßenverkehrsteilnehmer beschädigte Brücke zwischen Freiham und Gilching-Argelsried. Die Herrschinger S-Bahn ist betroffen.

18.01 Uhr: Technische Störung am Bahnübergang in Pullach. Beeinträchtigung auf der Linie der S7.

18.57 Uhr: Technische Störung an einem Fahrzeug – Verzögerungen zwischen München Ost und Kreuzstraße.

Mittwoch:

6.29 Uhr: Zwei S-Bahnen des 10-Minuten-Taktes der S8 entfallen.

6.47 Uhr: Technische Störung an einem Fahrzeug am Stachus. Verspätungen auf der Stammstrecke Richtung Ostbahnhof.

7.46 Uhr: Technische Störung an einem Bahnübergang in Kreuzstraße. Bis zu 10 Minuten Verspätung auf der Linie S7.

7.51 Uhr: Feueralarm am Stachus. Der Halt entfällt für alle S-Bahnen – bis zur Entwarnung um 8.11 Uhr.

9.20 Uhr: Verspätungen und wendende Züge wegen technischer Störung an einer Weiche in Feldkirchen (Linie S2).

14.48 Uhr: Aus betrieblichen Gründen entfallen Züge des 10-Minuten-Takts der S2 Dachau, S3 Mammendorf und S8 Germering-Unterpfaffenhofen am Nachmittag.

Donnerstag:

5.58 Uhr: Betriebliche Gründe: Züge des 10-Minuten-Takts der S3 und S8 entfallen.

6.53 Uhr: Eine technische Störung an einem Zug - deswegen kommt es zu Beeinträchtigungen auf der Stammstrecke Richtung München Ost bis 10.04 Uhr

7.44 Uhr: „Notarzteinsatz am Gleis“: Die Strecke zwischen Lohhof und Unterschleißheim ist gesperrt bis9.59 Uhr.

14.38 Uhr: Es fallen wieder Taktverstärker aus „betrieblichen Gründen“ aus: der Linien S2, der S3 und der S8.

16.50 Uhr: „Technische Störung an einem Bahnübergang“ bei Großhelfendorf – Beeinträchtigungen auf der Linie S7. Um 18.21 gibt’s Entwarnung.

18.09 Uhr: Technische Störung an einem Bahnübergang – dieses Mal bei Sauerlach. Verzögerungen auf der Linie der S3. Eine Stunde später ist die Störung behoben.

Freitag:

5.55 Uhr: S-Bahnen des 10-Minuten-Takts der S8 fallen aus betrieblichen Gründen aus.

9.19 Uhr: Personen im Gleis, die Strecke der S2 zwischen Allach und Dachau Bahnhof ist gesperrt bis 10.04.

13.49 Uhr: Ärztliche Versorgung eines Fahrgastes am Hirschgarten. Verzögerungen auf der Stammstrecke auch auf den Außenästen.

14.55 Uhr: Technische Störung an der Strecke zwischen Neufahrn und Flughafen der Linie S1, es kommt zu Verzögerungen, um 15.47 Uhr ist die Störung behoben.

14.58 Uhr: Ausfallende Bahnen des 10-Minuten-Takts aus „betrieblichen Gründen“ am Nachmittag: S2, S3, S8.

16.43 Uhr: Keine Zugfahrten in Richtung Ebersberg wegen einer technischen Störung an einer Weiche in Grafing Bahnhof – dort ist für die S-Bahnen Schluss.

17.46 Uhr: An einem Bahnübergang bei Höllriegelskreuth (S7) gibt es eine technische Störung. Die S-Bahnen verzögern sich. Um 21.46 Uhr besteht die Störung laut Bahn weiterhin, es käme aber „hierdurch zu keinen Beeinträchtigungen mehr“.

21.54 Uhr: Jetzt auch an der Donnersbergerbrücke: technische Störung an einer Weiche, keine Zugfahrten Richtung Ostbahnhof. Sperrung zwischen Laim und Hackerbrücke. S-Bahnen enden vorzeitig oder werden umgeleitet. Erst am Samstagmorgen um 5.52 Uhr ist die Störung behoben.

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