Fehlplanung bei zweiter Stammstrecke?

Neue Enthüllungen zu S-Bahn-Tunnel

München - Der geplante zweite Münchner S-Bahn-Tunnel wird nach Medieninformationen deutlich teurer als bisher bekannt. Das ist nicht die einzige neue Enthüllung.

Kurz nach der Einigung auf ein Finanzierungskonzept für den zweiten S-Bahn-Tunnel droht das Projekt bereits deutlich teurer zu werden als geplant. In einer internen Übersicht für den Bahn-Aufsichtsrat wird eine Gesamtsumme von 2,433 Milliarden Euro genannt. Bislang hatte der Freistaat die Kosten auf 2,047 Milliarden Euro beziffert.

Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) nannte das Vorgehen der Bahn nicht hinnehmbar und forderte Bahnchef Rüdiger Grube auf, umgehend Transparenz zu schaffen. „Für mich ist es nicht vorstellbar, dass sich die Kosten in gut zwei Wochen deutlich erhöht haben“, kritisierte Zeil. Ein Bahn-Sprecher nahm zu dem internen Papier am Freitag keine Stellung.

In dem Schreiben, das dem DB-Aufsichtsrat im Dezember vorgelegt wurde, begründet die Bahn die Mehrkosten mit der Terminverschiebung um zwei Jahre und mit höheren Planungskosten. Konkret ausgeführt wird jedoch keiner dieser Punkte. Zeil sagte, dass die vermeintlichen Kostensteigerungen bei näherer Betrachtung für ihn überwiegend gar nicht bestünden. Zum einen hätte der Freistaat bestimmte Risiken schon immer in der Finanzplanung dargestellt. Die übrigen Mehrkosten seien offenbar ganz überwiegend auf eine jährliche Verteuerung um zwei Prozent und einen verzögerten Termin für die Inbetriebnahme zurückzuführen.

Die Grünen und die Freien Wähler sehen ihre Bedenken bestätigt. Der groß gefeierte Durchbruch Ende November entpuppe sich jetzt als „riesige Seifenblase kurz vorm Platzen“, sagte der verkehrsexperte der Landtags-Grünen, Thomas Mütze. „Dass uns hier ein München 21 droht, bei dem am Ende der Freistaat an explodierenden Mehrkosten hängen bleibt, ist absehbar.“

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger betonte: „Es ist ratsam, in Alternativplanungen einzusteigen, sonst stehen wir am Ende mit leeren Händen da wie beim Transrapid.“ Auch die Magnetschwebebahn zum Flughafen München sei „an Kostensteigerungen gestorben“.

Minister Zeil äußerte sich auch zu dem Bericht unserer Zeitung über Sicherheitsbedenken der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Laut dem Minister bestünden „Differenzen zwischen DB AG und MVG“. Notwendig sei jetzt ein „konstruktiver Dialog“. Ein öffentlicher Schlagabtausch helfe hier nicht weiter.

tom/dpa

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