Die S-Bahn soll pünktlicher werden

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Diese Woche kam es wieder zu Verspätungen bei S-Bahn und Zug.

München - Neue Schienen, neue Weichen, andere Signale und sogar eine Murenwarnanlage – für 2012 hat sich die Deutsche Bahn ein ehrgeiziges Bauprogramm auferlegt. Ziel: Die S-Bahn soll bei den Pünktlichkeitswerten zulegen.

München – Überschattet von den jüngsten S-Bahn-Störungen (siehe unten) legte die DB Netz AG ihr Bauprogramm vor. Im Schnitt ist die S-Bahn zu 95 Prozent pünktlich, referierte Volker Hentschel von DB Netz – wobei als Verspätung nur eine Zeitspanne von fünf Minuten oder mehr gewertet werden. Die Pünktlichkeitsziffer um ein bis 1,5 Prozent zu steigern, „wäre ein echter Gewinn“. Nur wie?

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Die Bahn setzt auf eine Mischung aus Bestandssanierung und echten, teils technologischen Neuerungen. Zu letzteren zählen zum Beispiel die Optimierung der Zuglenkung und Linienzugbeeinflussung (LZB) auf der Stammstrecke. Auch ein neuralgischer Punkt steht auf der Liste: die Modernisierung des Stellwerks München Ost, das aus dem Jahr 1972 stammt. Etwa 70 bis 75 größere und kleinere Störungen gehen von diesem Stellwerk aus, darunter ist mindestens einmal im Monat eine, die lange Verspätungen verursacht. Das Problem: Bei einer einzelnen Störung fällt immer das ganze Stellwerk aus. Das muss aber nicht so sein: Künftig wird die Einheit in vier Teile auseinanderdividiert, so dass bei einer Störung nur noch ein Viertel des Stellwerks lahmgelegt wird. „Auftrennung Signalwahlschaltung“ nennt sich das Projekt in Bahndeutsch.

Ferner werden wohl im Dezember an den Bahnhöfen Laim, Donnersbergerbrücke und Hackerbrücke Abfertigungsanlagen errichtet. Wie schon an der Donnersbergerbrücke soll Personal an den Bahnsteigen für schnelleres Zu- und Aussteigen sorgen. Zeitgewinn pro Zug: fünf bis sieben Sekunden. Zudem wurden alle Stationen zwischen Pasing und Ostbahnhof mit digitalen Ansagegeräten ausgerüstet – per Knopfdruck werden die Fahrgäste zum Beispiel gebeten, alle Türen zu benutzen, die Lichtschranken frei zu halten oder ins Wageninnere durchzugehen. Auch diese Sprachspeicher sollen den Fahrgastwechsel beschleunigen. Richtung Ostbahnhof gibt es einen männlichen Ansager, Richtung Pasing eine weibliche Stimme.

Aus Fahrgastsicht am gravierendsten ist freilich der Einbau neuer Schienen auf der Stammstrecke von Hackerbrücke bis Pasing. Ab 6. Juli bis 20. August gibt es an sieben Wochenenden zwischen Freitag 20 Uhr und Montag 4 Uhr früh komplette Stammstrecken-Sperrungen. Trotz Protesten des Fahrgastverbands Pro Bahn hält die DB an der Komplett-Stilllegung fest.

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Kleine Maßnahmen sind zum Beispiel der Einbau einer Murenwarnanlage auf der Strecke der S 7 Icking-Wolfratshausen – die Strecke führt hier durch einen Hang. Dies soll noch in diesem Jahr geschehen.

Banal, aber äußerst wichtig ist die Umrüstung der Heizung von 19 Weichen bei Geltendorf (Kreis Landsberg). Die Heizungen waren bisher mit Gas befeuert worden. Das Problem wurde vergangenen Dezember offenkundig: Der Propan-Gastank war im vergangenen Winter schnell leer, eine Belieferung mit Gas wegen Straßenglätte aber nicht möglich. Daher musste die Bahn damals mehrere Tage die Strecke Grafrath-Geltendorf teilweise sperren. „Dieser Schwachpunkt ist beseitigt“, heißt es jetzt bei DB Netz – die Heizungen funktionieren jetzt mit Strom.

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