S-Bahn: Zoff um Einzelfahrkarten

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So sehen die Einzelfahrkarten aus, die die Automaten der Deutschen Bahn ausgeben. Martin W. hat dieses Ticket am Ostbahnhof gekauft

München - Die Befürchtungen sind wahr geworden: Eine Umstellung der Bahn bei den Einzelfahrkarten sorgt bei den Kunden für Ärger. Beim Fahrgastverband gehen reihenweise Beschwerden ein.

Die Praxis der Bahn, seit Dezember an ihren Automaten (im Gegensatz zur MVG) nur noch entwertete MVV-Einzel- und Tagesfahrkarten zu verkaufen, sorgt für verärgerte Kunden. Die Bahn profitiert (weil irritierte Fahrgäste zwei Mal zahlen, aber nur einmal fahren) – und kassiert auch noch Extra-Gebühren. Beim Fahrgastverband gehen reihenweise Beschwerden ein. Die Leute beklagen sich so wie tz-Leser Martin W. (40): „Das ist Abzocke!“

Der Sozialpädagoge fährt gelegentlich mit der S-Bahn vom Ostbahnhof zum Marienplatz. Er kauft sich zwei Einzelfahrkarten, von denen er eine bei der Hin- und eine bei der Rückfahrt verwendet: „So muss ich nicht zwei Mal zum Automaten.“ Bisher ging das gut – da löste er die Tickets immer an MVG-Automaten.

Martin W. an einem Fahrkartenautomaten der Bahn

Jetzt kaufte er die Fahrkarten an einem DB-Automaten und dachte: gleicher Tarif, gleiche Automaten. Doch von wegen! Martin W.: „Am Bahnsteig stellte ich fest, dass beide Fahrkarten schon entwertet waren.“ Ein Eisenbahner schickte ihn zum Schalter, um das zweite Ticket zurückzugeben. Martin W.: „Dort meinte die Dame, es passiere häufiger, dass Fahrgäste entwertete Tickes umtauschen“. Und: „Die Frau nahm das Ticket zwar zurück, ich bekam aber nur 50 Cent. Zwei Euro waren Bearbeitungsgebühr.“

Auch andere Kunden sind sauer. Carola M. aus Grafrath sagt: „Weil S-Bahnen oft ausfallen oder stark verspätet sind, entwerte ich die Tageskarte erst, wenn der Zug tatsächlich kommt. Sonst fahre ich Auto. Jetzt muss ich die Tageskarten in München bei der MVG lösen.“

Andreas Barth, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, kennt die Probleme: „Wir haben eine ganze Reihe Beschwerden von verärgerten Fahrgästen. Wir haben das Problem auch mit der DB diskutiert, sie bleibt aber leider bei der Praxis“. Auch der MVV hatte anfangs heftig gegen die Neuregelung protestiert und mit der Einschaltung des Verbundrates gedroht. Doch mehr gelang nicht. Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp verkauft die Änderung als Kundenservice und verweist darauf, dass die meisten Städte und Verbünde nur noch entwertete Fahrkarten ausgeben. Erst auf Nachfrage räumt er ein, dass die Umstellung so genannte Graufahrer eindämmen soll, die an S-Bahnhöfen schnell aus dem Zug springen, um beispielsweise eine zweite Kurzstrecke zu entwerten und damit Geld zu sparen. Beispiel: Wer von Grafrath nach Fürstenfeldbruck will, zahlt mit zwei Kurzstrecken 2,40 Euro. Wer regulär zwei Zonen löst, ist bei fünf Euro.

Pro-Bahn-Sprecher Barth ärgert sich über das Vorgehen der Bahn: „Statt gemeinsam mit dem MVV das Tarifsystem gerechter zu machen, wird hier der Kunde bestraft.“ Letztendlich sei das ein Fall für die Politik.

Karl-Heinz Dix

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