Zug fuhr gerade ein

Betrunkener fällt zwischen S-Bahn-Waggons

+
Haarscharf am Unglück vorbei: Ein Erdinger (51) torkelte am Samstag in München zwischen zwei Triebwagen der S-Bahn. Er wurde nur leicht verletzt.

Erding/München - Einen sehr aufmerksamen Schutzengel hatte am Samstag ein Erdinger. Der 51-Jährige stürzte in München zwischen zwei einfahrende S-Bahn-Waggons. Wie durch ein Wunder bekam er nur ein paar Schrammen ab.

Siegfried S. (Name geändert) kann ab sofort zweimal im Jahr Geburtstag feiern - einen davon am 16. März. Denn am Samstag entkam der 51 Jahre alte Erdinger nur um Haaresbreite dem Tod.

Gegen 15 Uhr wankte Siegfried S. stark betrunken in den S-Bahnhof Leuchtenbergring in München. Der Bahnsteig war voller Fahrgäste. Vielleicht konnte der Triebfahrzeugführer deswegen nicht erkennen, welche Gefahr vor ihm auftauchte. Um 14.53 Uhr fuhr er die S 8 in Richtung Herrsching am Ammersee in den Bahnhof ein. Der Zug war bereits kurz vor dem Stillstand, als der Erdinger aufgrund seines übermäßigen Alkoholkonsums die Kontrolle über sich verlor. Er stolperte und fiel genau zwischen zwei Waggons ins Gleis. Nur Sekundenbruchteile später blieb die Bahn stehen.

Der Fahrer hatte nichts bemerkt. Er wurde erst durch laute Schreie mehrerer Augenzeugen auf den Unfall aufmerksam. Doch die befürchtete Katastrophe blieb aus. Wie durch ein Wunder war Siegfried S. weder von den Triebwagen noch von den Rädern erfasst worden. Hilflos lag er unter dem Zug - aber nahezu unverletzt.

Wenige Minuten später traf ein Großaufgebot an Rettungskräften ein. Der Mann wurde wieder auf den Bahnsteig gehievt. Bahnpolizei-Sprecher Wolfgang Hauner berichtet: „Der Fahrgast hatte wirklich großes Glück. Er erlitt nur Prellungen und Schürfwunden. Das hätte auch tödlich ausgehen können.“ Hauner sagte, der Erdinger habe nicht nur Glück gehabt, dass er nicht erfasst worden sei. „In diesen Fällen ist es oft so, dass Fahrgäste mit hoher Wucht vom Zug weggeschleudert werden und sich dabei schwer verletzen.“

Der Rettungsdienst fuhr den Mann in eine Klinik, während die Bundespolizei die Gattin des Unfallopfers in Erding anrief. Einige Tage wird der Mann im Krankenhaus bleiben müssen. „Es wird jetzt alles durchgecheckt, ob keine schweren inneren Verletzungen vorliegen“, erklärt Hauner.

Der Zug konnte mit geringfügiger Verspätung weiterfahren. „Der Triebfahrzeugführer blieb im Dienst, er musste nicht wegen Schocks behandelt werden“, so der Bundespolizeisprecher.

Auf Siegfried S. könnte nun juristischer Ärger zukommen. „Wir ermitteln in jedem Fall wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr“, kündigt Hauner an, der aber derzeit nicht ausschließen will, dass es doch zu keinem Verfahren kommt. „Letztendlich ist ja alles gutgegangen.“

(Hans Moritz)

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet

Kommentare