Sie verspricht uns 120.000 Wohnungen

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Sabine Nallinger will OB werden: Macht sie dafür zu große Versprechen?

München - Die Münchner wählen ihren OB erst 2014, doch der Wahlkampf tobt - zumindest bei den Grünen. Sabine Nallinger möchte Abertausende billige Wohnungen bauen. Wie will sie das schaffen?

Der Saal bebt, da wird gejohlt und gebuht, da wird gekämpft ums Wohnen und um jeden Euro: Die Münchner wählen ihren OB erst 2014, doch der Wahlkampf tobt – zumindest bei den Grünen. Nach der langweiligen ersten Vorstellung der Bewerber, ging es bei der zweiten am Montag hoch her im Kolpinghaus mit Ex-Stadtvorstand Nikolaus Hoenning (40), vor allem aber zwischen Bürgermeister Hep Monatzeder (60) und Stadträtin Sabine Nallinger (48).

Das wichtigste Thema aller Münchner war auch das umstrittenste der Grünen: Nallinger will Abertausende billige Wohnungen bauen, damit künftig jede dritte in städtischer Hand liegt! Die grüne Basis jubelt. Aber: Wie will sie das schaffen? Und wenn das so leicht wäre: Hätte Rot-Grün das nicht längst angehen müssen? Schließlich würden dann alle Mietpreise fallen!

Noch am Tag danach erschüttern politische Nachbeben das Rathaus. „Das hätte eine Oppositionspolitikerin nicht besser machen können“, ärgert sich Monatzeder gegenüber der tz. „Und das nach 20 Jahren Rot-Grün!“ Auch der OB ist genervt. Die Gescholtene verteidigt sich: „Ich tue das nicht, weil ich Hep schaden will, sondern weil wir mehr Zug brauchen. Visionen müssen erlaubt sein.“

Worum geht es? In der Stadt gibt es 750 000 Wohnungen. Die städtischen Gesellschaften Gewofag und GWG vermieten zusammen 62 000 Apartments – meist recht günstig. Monatzeder rechnete am Montag vor, dass Nallinger für ihr Ziel 180 000 Wohnungen bauen müsste. Sie selbst sagte der tz, dass es ihr nur um jede dritte Mietwohnung geht, dann müssten immer noch 120 000 Apartments entstehen. Nallinger sitzt seit vier Jahren im Stadtrat, außerdem im Aufsichtsrat der Gewofag. So einen Antrag hat sie noch nicht gestellt.

Was sollen die kosten? Mo­natzeder überschlug die reinen Baukosten auf 26 Milliarden Euro, für die Grundstücke kämen noch einmal zehn Milliarden dazu. Zum Vergleich: Die Stadt hat fünf Milliarden Euro im Jahr im Haushalt, rund eine kann das Rathaus in neue Projekte investieren – das meiste geht schon in Wohnungen und Kinderbetreuung. „Das sind buchstäblich fantastische Summen“, ätzt der Bürgermeister, der auch dem Finanzausschuss vorsitzt. Nallinger selbst macht eine andere Rechnung auf: Die städtischen Gesellschaften bauten im Jahr 1200 Wohnungen. Wenn sie das doppelte schaffen und Genossenschaften 600 im Jahr beisteuern, gibt es jährlich 3000 neue Apartments. „Okay, dann dauert es 40 Jahre“, sagte Nallinger beim OB-Forum. Die Frau hat was vor …

Wo sollen die Wohnungen entstehen? Wohl kaum im Englischen Garten. Allerdings sieht der Flächennutzungsplan noch Raum für 47 000 Wohnungen in München, erklärt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Danach geht es ans Grüne. Nallinger setzt dagegen auch auf Nachverdichtung in bestehenden Siedlungsgebieten.

Auch OB Christian Ude (SPD) rätselt über den Vorstoß. „OB-Kandidat ist ein ernstes Amt“, sagt Ude. „Ich wäre mit solchen Versprechen zurückhaltender.“ Der OB empfiehlt einen Blick in die Realität – vor allem in die Kassen. Und er unkt: „Da müssten sie schon viel Benzinsteuer erheben …“

David Costanzo

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