Mit dem Saddam-Trick: Sie prellten eine Auto-Verkäuferin

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Übers Internet nahmen Collins O. (38, re.) und ­Ocunade O. (32) Kontakt mit ihren Opfern auf

München - Mehrere Männer stehen in München vor Gericht: Sie sollen Münchnes leichtgläubigste Autoverkäuferin um viel Geld geprellt haben - mit dem Saddam-Trick.

Sechs Millionen Dollar aus dem Vermögen von Saddam Hussein! Eigentlich wollte Helga B. (50, Name geändert) aus dem Landkreis Dachau nur ihr Auto verkaufen, da bekommt sie plötzlich selbst ein Angebot. Sie schlägt zu – und fällt auf eine dreiste Betrügermasche herein. Jetzt stehen die Gangster in München vor Gericht.

Der Trick ist billig, aber er zieht. Im März 2010 bietet Helga B. auf einer Internetseite ihr Auto zum Verkauf an. Auf das Inserat meldet sich ein Mann. Er sei US-Soldat, seine Einheit habe einen Teil des Privatvermögens von Saddam Hussein in Höhe von 18,6 Millionen Dollar (14 Mio. Euro)bekommen. Der Fremde bietet ihr 6000 Dollar (4500 Euro). Bedingung: Sie müsse für ihn einen Monat lang einen Koffer mit Geld bei sich aufbewahren und 6500 Euro Auslöse zahlen.

Viele wären stutzig geworden. Doch Helga B. willigt ein. In Amsterdam übergibt sie zwei Männern das geforderte Geld – von den versprochenen Millionen sieht sie nichts, die Männer verschwinden mit den 6500 Euro. Nun merkt Helga B.: Hier stimmt was nicht. Die Frau ruft die Polizei – und bei einer weiteren geplanten Geldübergabe im Juni 2010 in Stuttgart klicken schließlich die Handschellen.

Seit Dienstag stehen die beiden Betrüger, die Nigerianer Collins O. (38) und Ocunade O. (32), in München vor Gericht. Sie gehören zur sogenannten Nigeria-Connection, einer kriminellen Organisation mit Ursprung in Nigeria (siehe Stichwort).

Helga B. ist nicht das einzige Opfer: Gleich fünfmal sollen die beiden Männer mit derartigen Tricks Geld erschlichen haben. Die Gangster haben ihre Opfer auch mit dem sogenannten „Wash-Wash-Trick“ getäuscht: Sie gaben vor, Papierstreifen in einem Paket durch chemische Behandlung in 100-Euro-Scheine verwandeln zu können. Voraussetzung sei, dass neben den Streifen im Paket auch echte Banknoten liegen. Ein leichtsinniger Kunde ließ sich so 21 000 Euro entlocken – und hoffte, 42 000 Euro Gewinn zu machen.

Vier Millionen Gebrauchtwagen werden pro Jahr in Deutschland verkauft. Der riesige Markt lockt oft Betrüger an, da sie über die Inserate per Mail oder Telefon einfach mit vielen potenziellen Opfern Kontakt aufnehmen können. „Ein Betrüger braucht die Masse – schließlich fällt nicht jeder auf seine Masche herein“, berichtet ADAC-Sprecher Maximilian Maurer.

Bei der Polizei München gehen pro Jahr zehn Anzeigen gegen die Nigeria-Connection ein. „Leider lassen sich immer wieder Menschen mit den unglaublichsten Tricks über den Tisch ziehen“, sagt Sprecher Wolfgang Behr. Die Aufklärungsrate sei häufig gleich null: „Oft können die Spuren nicht nachverfolgt werden, weil die Täter weit weg im Ausland sitzen.“ In diesem Fall gelang es. Der Prozess läuft.

Christina Schmelzer

So schützen Sie sich

Mit diesen Tipps von Polizei, Bayerischem Justizministerium und ADAC haben die Ab­zocker keine Chance: Grundregel bei allen Privatverkäufen wie dem Autoverkauf: Treten Sie nie in Vorleistung und geben Sie nichts unter Wert her.

- Bestehen Sie auf Barzahlung oder Vorkasse. Fahren Sie gegebenenfalls mit dem Käufer zur Bank und zahlen Sie dort das Geld direkt auf Ihr Konto ein.

- Millionen-Summen, eine hohe Belohnung: Werden Sie stutzig, wenn ein Angebot allzu verlockend klingt. Niemand schenkt freiwillig etwas her.

- Seien Sie wachsam, wenn Sie Inserate, Emails oder Anrufe in schlechtem Deutsch oder Englisch erhalten und die Absender im Ausland sitzen.

- Antworten Sie nie auf derartige Schreiben und löschen Sie zweifelhafte Emails. Nehmen Sie keinerlei Kontakt auf. Fragen Sie im Zweifel bei Verbraucherzentralen oder der Polizei nach oder recherchieren Sie im Internet, ob der Trick bereits bekannt ist.

- Reisen Sie niemals zum Abschluss bestimmter „Geschäfte“ ins Ausland. Es besteht ein hohes Risiko – auch für Ihre persönliche Sicherheit.

Rufmord im Internet - wer hilft?

Strrec

tz-Stichwort Nigeria-Connection

Der Begriff entstand in den 70ern – bezogen auf eine Betrügerorganisation, die von Nigeria aus operierte. Mittlerweile handelt es sich um viele kleine Betrügergruppen, die per Email oder Telefon Kontakt mit Opfern aufnehmen und versuchen, ihnen mit erfundenen Geschichten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ihr Angebot: Die Empfänger könnten große Summen verdienen, wenn sie einen Geldtransfer in die Wege leiten und einen gewissen Betrag vorschießen. Auf das große Geld warten die Betrogenen aber ebenso vergeblich wie auf die Rückzahlung des Vorschusses.

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