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Festival, Nachhauseweg, Disco: Neue App aus München schickt in Notsituationen „Hilfe auf Knopfdruck“

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Von: Tanja Kipke

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Gibt es bald mehrere „Sicherheitszonen“ in München? Die App SafeNow bietet einen Hilferuf auf Knopfdruck.
Gibt es bald mehrere „Sicherheitszonen“ in München? Die App SafeNow bietet einen Hilferuf auf Knopfdruck. © IMAGO/Alexander Pohl/SafeNow-App (merkur.de-Collage)

ProSiebenSat. 1 und Deutsche Bahn: Einige Unternehmen testen die App bereits. Ein Münchner Start-up hat die Hilferuf-App „SafeNow“ entwickelt. So funktioniert‘s.

München – App öffnen, den Daumen auf den blauen Button legen und loslassen. 3,2,1 ... mein Handybildschirm leuchtet rot. Alarm ausgelöst! Für einen kurzen Moment passiert gar nichts. Dann gibt das andere Handy einen ohrenbetäubenden Lärm von sich. Unser Testlauf einer Notsituation hat offensichtlich funktioniert. Ich stelle eine Person dar, die Hilfe braucht. Tilman Rumland, Gründer des Start-ups, nimmt die Rolle der Security der sogenannten Sicherheitszone ein, der mir zur Hilfe eilt.

Rumland zeigt mir auf seinem Handy meinen „Alarm“, wie er bei ihm als Helfer angekommen ist. Mein Name, meine Handynummer und mein Standort sind jetzt für ihn sichtbar. Einige Sekunden nach dem ausgelösten Alarm klingelt mein Handy und eine Freundin will wissen, ob bei mir alles okay ist. Ich hatte sie bereits meiner Freundesgruppe hinzugefügt und vergessen, dass sie den Alarm auch bekommt. Auch das scheint also zu funktionieren.

Hilferuf per Knopfdruck mit SafeNow: Wo kann die App eingesetzt werden?

Der 33-jährige Rumland ist CEO und Erfinder der App „SafeNow“. Sie verspricht „Hilfe holen auf Knopfdruck“. Sobald sich das Handy in einer sogenannten Sicherheitszone befindet, werden ausgebildete Helfer vor Ort durch einen lauten Alarm informiert. Rumland beschreibt den Ton als „scheppern“, tatsächlich klingt es aber eher nach einem klirrenden Feueralarm. Die „geschulten Helfer“ vor Ort können in einem Club und in Parks zum Beispiel die jeweilige Security sein, am Bahnhof die DB-Sicherheit gemeinsam mit der Bundespolizei und auf einem Festival ausgewählte Sanitäter oder Helfer. In München sind bereits Sicherheitszonen geplant. Aber auch außerhalb solcher Bereiche ist die kostenlose App einsatzbereit.

Viele Personen, die sich in bestimmten Situationen unwohl oder nicht sicher fühlen, rufen laut Rumland nicht den Notruf, die Hemmschwelle ist oft zu groß. Mit der App können Betroffene auch „nur“ die eigenen Freunde alarmieren – sofern zuvor eine spezielle Freundesgruppe eingestellt wurde, „scheppert“ es dann auch bei den Liebsten. So kann die App vielseitig eingesetzt werden.

Rumland stellt dafür verschiedene Situationen vor. Bei einem Junggesellenabschied im Ausland zum Beispiel: „Eine Gruppe mehrerer Jungs ist feiern, sie verlieren sich, einer gerät in Konflikt mit anderen Männern.“ Durch die App kann er seine Freunde alarmieren, die dadurch sofort wissen, wo er sich aufhält und ihm zur Hilfe eilen. Mit „SafeNow“ geht der Alarm bei allen ausgewählten Personen los, egal ob das Handy stumm geschaltet oder auf „bitte nicht stören“ gestellt ist.

Traumatisches Erlebnis brachte Gründer auf Idee der Sicherheitsapp

Rumland kam die Idee zur App nach einem traumatischen Erlebnis in seinem persönlichen Umfeld. Er hat es selbst erlebt: Wenn im Club oder auf einer Veranstaltung etwas passiert, seien die Helfer oft nur wenige Meter entfernt, bekommen aber trotzdem nichts von dem Vorfall mit. Der 33-Jährige wollte mit seinem Start-up daher eine „Infrastruktur erschaffen, die so ist, dass du auf Knopfdruck Hilfe vor Ort holen kannst“.

Gründer und CEO der „SafeNow-App“: Tilman Rumland.
Gründer und CEO der „SafeNow-App“: Tilman Rumland. © privat

Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er: „Du brauchst in solchen Situationen schnell jemanden, sehr schnell“. Wenn die Sicherheitskräfte wüssten, wo die Hilfe benötigt wird, wären sie sofort zur Stelle. Es fehlte also nur das Verbindungsstück zwischen dem Hilfesuchenden und den Kräften, die ja bereits vor Ort tätig sind. Die „SafeNow“-App soll genau dieses Problem lösen.

SafeNow-App muss für Alarm geöffnet werden: Ein Problem in Notsituationen?

Fakt ist allerdings auch: Wenn jemand wirklich angegriffen oder überfallen wird, hat er vielleicht gar nicht die Zeit, auf seinem Handy die App zu öffnen und den Button zu drücken. Auch für diesen Fall wollen Rumland und sein 14-köpfiges Team eine Lösung schaffen. Den Alarm sollen Nutzer bald auch mit einer Schnellwahltaste oder per Sprachsteuerung mit einem Safe Word auslösen können. Zudem gibt es Schlüsselanhänger, die durch mehrmaliges Drücken den Alarm ebenfalls auslösen. „Absolute Sicherheit“ ist natürlich nicht möglich, stellt der Gründer klar.

Deutsche Bahn testet zusammen mit Bundespolizei App in Berlin bereits

Erste Kooperationen mit der App gibt es bereits. Die Deutsche Bahn testet das Konzept momentan am Berliner Bahnhof Südkreuz – und das offenbar mit Erfolg. Wer sich in bestimmten Situationen am Bahnhof unsicher fühlt oder gar in ernsthafter Gefahr steckt, kann darüber das Sicherheitspersonal vor Ort informieren, das in diesem Fall die DB-Sicherheit gemeinsam mit der Bundespolizei stellt. Sogar Innenministerin Nancy Faeser (SPD) war vor Ort und befürwortete die App.

Laut Rumland konnte durch die App bereits mehrere Vorfälle verhindert werden. Beispielsweise wollte ein Mann einer Frau die Handtasche entreißen. Eine Passantin bemerkte den Angriff und alarmierte über die App das Sicherheitspersonal. Man kann mit der App also nicht nur sich selbst helfen, sondern auch anderen, wenn man Zeuge einer Situation wird.

ProSieben, Clubs und Parks? Gründer erklärt Pläne für München

Und auch ProSiebenSat. 1 ist begeistert von der Hilferuf-App und plant sie an seinem Hauptstandort in Unterföhring einzusetzen. Das Münchner Start-up ist auch schon mit anderen Unternehmen im Gespräch. In einem bekannten Münchner Club soll es bald ebenfalls eine Testphase der App geben. Auch in einem Hotel wird dir App bereits eingesetzt.

Vielleicht könnten in naher Zukunft auch öffentliche Parks und sonstige Veranstaltungen zu Sicherheitszone werden. Gespräche würden laufen, wie Gründer Rumland verrät. Auch mit Vertretern von Unis, Parkgaragen und Festivals. Für ihn ist die App bereits jetzt schon ein Erfolg: „Wenn es einer Person geholfen hat, hat es sich schon gelohnt“. (tkip)

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