Afrika-Sturm zieht nach München

Sahara-Frühling: So entsteht das Wetterphänomen

+
Sie sehen, dass Sie nichts sehen: die Sandwolke über München.

München - Staubwüste München: Anfang Februar haben Luftströme Sahara-Sand zu uns gepustet. Der hat unsere Autos mit einer graugelben Schicht überzogen – ganze Straßenzüge waren eingefärbt. Jetzt kommt der Wüstenstaub nochmal zurück!

Und beschert uns wohl ein schmutziges Wochenende. „Am Montag kam bereits der erste Schwall über Südeuropa zu uns herüber. Momentan befindet sich der Staub noch in der Atmosphäre, in Höhen überhalb der Zugspitze“, sagt Jan Bernd Schröer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Morgens und abends können wir die Auswirkungen bereits sehen: Die auf- und untergehende Sonne ist rötlich eingefärbt, der Himmel ringsherum auch – über den Tag hinweg sieht er dagegen gräulich aus. Der Grund: „Es ist ein Mix aus Schleierwolken, Sahara-Staub und Pollen“, sagt Schröer. Jetzt droht Niesgefahr – „auch für Nicht-Allergiker“, sagt der Mediziner Dr. Nikolaus Frühwein. Denn der Staub verstärkt die Wirkung der Pollen. Gefährlich ist er aber nicht: „Die Lunge filtert ihn problemlos heraus.“

Über dem westlichen Mittelmeerraum hat sich mittlerweile eine warme Sand-Blase gebildet. „Die erreicht uns am Donnerstag“, sagt Schröer. Über München wird der Himmel milchig, dazu werden es heute und morgen schon sommerliche Temperaturen: 23 bis 25 Grad!

Am Samstag und Sonntag werden Schauer immer wahrscheinlicher. „Der Regen wäscht den Staub aus der Atmosphäre.“ So gelangt er auf den Boden, verschmiert Autos und Scheiben. Dazu kühlt es zeitweise bis auf 15 Grad herunter. Weil nur schwache Winde wehen, bleibt es nach dem Wochenende warm: bis zu 26 Grad. Ein Sahara-Frühling!

Der Sahara-Sand - woher kommt er eigentlich?

Autohändler Michael Rouenhoff hatte schon vor einigen Wochen mit dem Sahara-Sand zu tun.

Woher kommt der gelbe Staub? Schuld sind Stürme in der Sahara, die feinste Staubpartikel aufwirbeln – starke Luftströmungen fegen sie dann tausende Kilometer weit bis nach München. Tagelang sammeln sie sich in der Atmosphäre – und färben unsere Straßen erst ein, wenn feuchte Kaltluft sie auslöst. Dann regnet es quasi Sand! Dass Sahara-Sand uns erreicht, ist ein seltenes Wetterphänomen – das passiert etwa fünf Mal im Jahr. Wir bemerken ihn nur, wenn’s regnet! Ansonsten bringt der Sand auch Wärme: „Der Winter kam wie ein Frühling daher, der Frühling entpuppt sich nun als Spätsommer“, sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.

Haben Sie Bilder vom Sahara-Staub gemacht? Schicken Sie sie uns hier!

Sie freuen sich über die Wärme

Mei, so schön warm! Jetzt wird München seinem norditalienischen Ruf gerecht – da blühen nicht bloß die Pflanzen auch, sondern auch die Leute:

Endlich surfen!

Verena Gratz.

"Ich bin dem Winter dieses Jahr einfach entflohen und habe in Australien und Indonesien überwintert. Als ich kürzlich wieder zurückgekommen bin, war schon Frühling. Nächstes Jahr mache ich das bestimmt wieder. Dass es jetzt schon so schön ist, macht mich glücklich. Alle Leute sind jetzt wieder viel besser drauf. Und ich kann wieder surfen!"

Verena Gratz (29), Stewardess, München

Das Eis-Geschäft brummt

"Das Wetter ist spitze. Vor allem, weil es sich positiv auf das Geschäft auswirkt. Das merke ich schon sehr. Es ist gar kein Vergleich zum vergangenen Jahr, wo es dermaßen kalt war. Besonders gefragt sind jetzt die Klassiker Schoko, Vanille und Pistazie.

Marcel Ruhland (49), Eisstandl „Amorino“

Leute kaufen wie verrückt

Jeden Tag, an dem es nicht regnet, bin ich happy. Gute Laune und viel zu tun. Gerade am Wochenende war bei uns wahnsinnig viel los. Die Leute kaufen jetzt wie verrückt. Im Moment explodiert die Natur ja auch förmlich, und jeder hat Sehnsucht nach schönen Pflanzen.

Markus König (43), Gärtner bei Dehner, München

Immer noch kein Wasser am Friedhof!

Veronika Zimnik.

Veronika (64) und Werner Zimnik (66) sind empört. „Das ist doch wirklich eine Zumutung“, sagen die Senioren aus Krailling. Am Münchner Westfriedhof kümmern sie sich um drei Gräber – und müssen das Wasser zum Gießen von daheim in Kanistern mitbringen: „Es gibt kein Wasser im Brunnen!“  Tatsächlich: Bislang sind alle 450 Brunnen auf den 29 städtischen Friedhöfen noch abgestellt, alle Hähne sind zu. „In den vergangenen Nächten gab es noch Frost, da hätten die Leitungen platzen können“, sagt Karin Zettler vom Gesundheitsreferat. Und: „Wir beginnen erst am 7. April mit der Öffnung der Friedhofsbrunnen.“ Schritt für Schritt …

Bis alles funktioniert, wird es wohl Mitte April. Veronika und Werner Zimnik schütteln den Kopf: „Gehen Sie doch mal raus und spüren Sie, wie warm es ist. Da soll Rohrbruch drohen? Die zuständigen Behörden sind einfach unflexibel!“

Lascher Winter: Die Stadt spart 15 Millionen Euro

Gut, wir haben heuer weitgehend verzichten müssen auf die weiße Pracht. Aber auf der anderen Seite: Dieser Winter, der ja eigentlich gar keiner war, hat uns allen auch viel Geld gespart. Das zuständige Baureferat teilte jetzt jedenfalls mit, dass der Winterdienst 2012/2013 insgesamt 8,9 Millionen Euro gekostet hat – das sind rund 15 Millionen weniger als im Jahr davor. Logisch: Weniger Schnee heißt auch weniger Splitt. Und weniger Frost heißt auch weniger Streusalz. Trotzdem waren im Winterdienst auch heuer wieder fast 700 Mann der Stadt im Einsatz, dazu nochmal fast 400 Leute von Fremdfirmen. Insbesondere kümmerten sie sich darum, die Gefahren durch Glätte und überfrierende Nässe zu bekämpfen. Die stärksten Einsatztage gab’s übrigens Ende November 2013 und Ende Januar 2014.

Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Verspätungen auf der Stammstrecke - aus zwei Gründen
Verspätungen auf der Stammstrecke - aus zwei Gründen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
1200 Mitarbeiter zurück im runderneuerten BayWa-Hochhaus
1200 Mitarbeiter zurück im runderneuerten BayWa-Hochhaus

Kommentare