Sammeln für Schickedanz

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Ihre Armuts-Ängste stoßen auf wenig Mitleid: Quelle-Erbin Madelaine Schickedanz.

München - Der Bayerische Rundfunk startete gleich eine Sammelaktion für Madeleine Schickedanz und schwenkte in ihrem Heimatort Hersbruck vor laufender Kamera die Spendenbüchse.

Der Bayerische Rundfunk startete gleich eine Sammelaktion für Madeleine Schickedanz und schwenkte in ihrem Heimatort Hersbruck vor laufender Kamera die Spendenbüchse. Mit Hohn und Spott, bissigen Kommentaren, aber auch einem Hauch Verständnis hat die Republik auf die jüngst bekanntgewordenen Verarmungsängste der 65 Jahre alten fränkischen Millionärin reagiert.

Lesen Sie auch:„Wir fühlen uns von ihr verhöhnt“Schickedanz räumt Fehler einDie fühlt sich inzwischen missverstanden, zeigt sich erschüttert über die öffentlichen Reaktionen auf ihr Interview mit der Bild am Sonntag und lehnt jede weitere Äußerung dazu ab, wie es gestern in ihrem Umfeld hieß. Dabei hatten es die in dem Blatt abgedruckten Äußerungen an Eindeutigkeit nicht fehlen lassen: „Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten“, berichtete sie in dem Interview von ihren persönlichen Einschränkungen seit der Quelle-Insolvenz.

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Schickedanz räumt Fehler ein

Der Oberbürgermeister der eng mit der Familie Quelle verbundenen Stadt Fürth , Thomas Jung ( SPD ), bestätigt nach einem Treffen mit Madeleine Schickedanz kurz nach der Quelle-Insolvenz: „Frau Schickedanz wirkt sehr angegriffen“. Dass ein solcher finanzieller Absturz Existenzängste bei der Quelle-Erbin auslöse, könne er gut verstehen. „Den Hartz-IV-Vergleich finde ich aber etwas überzogen“, stellt das Stadtoberhaupt klar. Dennoch: Madeleine Schickedanz hat nach seinem Wissen kaum etwas privat zur Seite gelegt. „Sie ist zur Rettung ihres elterlichen Erbes voll ins Risiko gegangen und hat verloren“.

Beim Nürnberger Obdachlosen-Magazin Straßenkreuzer, das monatlich über die Überlebensstrategien von Hartz-IV-Empfängern berichtet, lösen die jüngsten Schickedanz-Äußerungen hingegen nur ratloses Kopfschütteln aus: „Als ich das gehört habe, musste ich erschrocken auflachen“, berichtet Straßenkreuzer-Chefredakteurin Ilse Weiß. „Ich erlebe jeden Tag, wie es Menschen mit einer Art Bauernschläue schaffen, mit einem Hartz-IV-Satz von 359 Euro auszukommen. Ich habe den Eindruck, Frau Schickedanz ist von der Situation solcher Menschen ganz weit weg“, stellt sie fest.

tz

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