Laut Anwalt

Sammlung Gurlitt: Bisher haben nur vier Ansprüche angemeldet

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München - Lediglich vier Personen haben nach Angaben des Anwalts Hannes Hartung bisher Ansprüche auf Bilder aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt erhoben.

Zugleich verlangte der Rechtsvertreter des 81-Jährigen auf einer Tagung am Samstag in München für seinen Mandanten die gleiche Behandlung wie für andere private Sammler. Nur weil er der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt sei, dürfe für ihn keine Sippenhaft gelten, so Hartung auf der Veranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern zur „NS-Raubkunst“. Hartung ist einer von vier Anwälten Gurlitts.

Der Anwalt verwies darauf, dass die Werke nicht komplett über die Jahre gebunkert worden seien. Viele, wie etwa das Bild mit den beiden Pferden von Max Liebermann, seien in Ausstellungen zu sehen gewesen. Die Leiterin der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“, Ingeborg Berggreen-Merkel, sagte, von den rund 1.300 von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Kunstwerken sei bei etwa 590 nicht auszuschließen, dass es sich um Raubkunst aus der Nazi-Zeit handele.

„Wir haben eine Verantwortung, der wir uns stellen müssen“, betonte Berggreen-Merkel. Dabei räumte sie ein, dass auch für Gurlitt bei den Ermittlungen die Unschuldvermutung gelte. Außerdem sei dessen persönliches Eigentum zu achten. Die promovierte Juristin plädierte dafür, mit der notwendigen Offenheit die Fragen über die Herkunft der Werke zu beantworten.

Berggreen-Merkel verwies darauf, dass es oftmals dem Ausland nur schwer zu vermitteln sei, dass eine Privatsammlung anders zu behandeln sei als öffentliche Museen. Für letzte gilt das Washingtoner Abkommen von 1998. Damals einigten sich 44 Regierungen darauf, darunter Deutschland, Museen, Kunstsammlungen, Bibliotheken und Archive nach Werken durchforschen zu lassen, die in der NS-Zeit beschlagnahmt worden waren.

Die Leiterin der Taskforce appellierte deshalb an private Sammler, sich ihrer Verantwortung zu stellen, indem sie die Herkunft ihrer Werke überprüfen ließen. Dann könnte letztlich ein großes Zeichen für die „unendlich große Erwartung an Deutschland“ gesetzt werden.

Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn, dessen Familie in der NS-Zeit selbst Opfer von Enteignung wurde, erklärte, er hoffe vor allem auf Versöhnung. Alle Rechtsverfahren hätten letztlich den inneren Frieden nicht befördert. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass man mit Recht und Gerechtigkeit nicht weiterkomme.

Die Provenienzforschung könne die Herkunft der Bilder feststellen. Doch die Nachfahren von Tätern und Opfern müssten Versöhnung und Frieden erreichen. Die im Wohlstand lebenden Erben der dritten Generation sowie ihre Nachfahren sollten auf das geraubte und nicht erstattete Familieneigentum verzichten. Doch die Werke müssten dauerhaft mit ihrer Herkunft gekennzeichnet werden.

kna

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