Sanfter Graubart: Yusuf Islam in der Olympiahalle

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Yusuf Islam auf seiner aktuellen Tour, hier in Hamburg

München - Räucherstäbchen mussten aus feuerpolizei­lichen Gründen aus bleiben, das Schiebertanzen fiel schwer in der bestuhlten Arena, und statt parfümierten Tees wurde schnödes Bier ausgeschenkt. Wen hat’s gestört? Keinen!

Die Olympiahalle war kollektiv verreist an diesem Abend, entschwebt ins Jahr 1971. Cat Stevens war zurück. Yusuf, der ­Muezzin der Liebeslieder. Nach 35 Jahren Tourneepause, nach einem halben Leben, sang der große Glücklichmacher mit der Gitarre noch einmal Moonshadow, Father And Son, The First Cut Is The Deepest – und bezauberte (beinahe) wie einst, als sich die halbe Welt zu seinen Liedern und in seine Lieder verliebte. Münchens größtes Lagerfeuer loderte in der Olympiahalle, Brandschutz hin oder her.

Dass Cat Stevens wieder mit sich und seiner Musik im Reinen ist, durften einige wenige Auserwählte bereits 2009 in München erleben, bei einem atemberaubenden Mini-Konzert im BR-Funkhaus. Jetzt also die Maxi-Ausgabe, mit einem sanft lächelnden Graubart, mit Liedern, die wie ein alter Freund sind – der sich in 40 Jahren kaum verändert hat. Und mit einer Stimme, die ein wenig rauer klingt als damals, ein wenig kurzatmiger, aber ganz nach Cat Stevens, nach Frieden, nach der Reise mit dem Peacetrain. Oh, baby, baby, it’s a mild world. Und bei Matthew & Son rockte er gar als Shakin’ Stevens!

Und dabei war das Konzert alles andere als perfekt. 8000 Fans hatten Yusuf den roten Flokati ausgerollt – doch zu Beginn schadete das restliche Tageslicht der Stimmung, später rezitierte der Meister arg langatmig aus seinem geplanten Musical. Das Schlagzeug schepperte viel zu laut, und die esoterischen Animationen im Bühnenhintergrund ­waren, Verzeihung, atemberaubend scheußlich.

Da half nur eines: Augen zu, Ohren auf – und genießen! Ganz am Ende, der große alte Mann, mit der Akustischen Father And Son singend – das war die Mutter aller Gänsehäute!

Jörg Heinrich

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