Nässe, Kälte und Schimmel im Haus

Wir haben kein Dach mehr über dem Kopf

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Siglinde und Engelbert Manzinger zeigen das Thermometer: Sie kriegen ihre Wohnung nur auf 14 Grad geheizt

München - Schlimm genug, dass sich die Manzingers ihre Wohnung nicht mehr leisten können, wenn ihr Haus saniert ist. Die Miete steigt um über 40 Prozent. Selbst der Umbau wird für sie schon zur Hölle.

Mitten im Winter fehlt bei diesem Haus in der Arminusstraße das Dach

Fast 50 Jahre lang leben Engelbert (75) und Sieglinde (71) Manzinger in der Arminiusstraße, zogen dort zwei Töchter groß. Voriges Jahr bekamen sie einen Brief des Anwaltes der Hausbesitzer: Das Haus werde energetisch saniert, bekomme einen Aufzug, neue Balkone usw. Die Warmmiete steige von 1050 Euro auf 1500 Euro. „Das können wir uns nicht leisten“, so die Manzingers. Sie ziehen bald in eine kleinere Wohnung in Obergiesing. Doch im alten Heim erleben die beiden einen Albtraum:

In der Wohnung der Manzingers schimmeln jetzt die Wände

„Los ging es im Juni, als sie die Fenster mit Folie zuklebten und das Haus einrüsteten“, so Sieglinde Manzinger. Der Umbau sollte im Dezember beendet sein, doch: „Die Fenster sind immer noch zu, wir können nicht lüften, es ist dunkel und wir sehen nicht raus.“ Als die Balkone im August abgestemmt waren und der Dachumbau begann, gab es das erste Malheur: „Nach einem Gewitter stand das Wasser hier vier Zentimeter hoch.“ Die Manzingers bekamen Trockengeräte, der Fußboden wurde aufgestemmt.

Außerdem machten die Bauarbeiter den Kamin zu, was dazu führte, dass der Kachelofen nicht mehr beheizbar war. Das rächte sich, als die Bauarbeiter nach Neujahr das Dach abdeckten. „Jetzt kriegen wir die Wohnung nicht warm“, klagt Engelbert Manzinger. „Obwohl die beiden Heizkörper, die wir bekamen, auf Höchststufe laufen.“

Als Folge zeigt er eine verschimmelte Wand. Und als wenn all das nicht genug gewesen wäre, sägten vorige Woche Bauarbeiter die Decke über ihrem Bett an. Das schlammige Kühlwasser der Säge regnete ins Bett. „Die Matratzen sind hin, wir schliefen auf dem Boden,“ so der Ehemann. Jetzt sollen die Manzingers auch noch auf eigene Kosten eine Mauer schließen, die sie durchgebrochen hatten, auch der Fliesenboden und Holzdecken sollen raus: „Die Umbauten hatte uns aber der frühere Vermieter, von dem die jetzigen Besitzer das Haus erbten, erlaubt.“

Der Hausherr erklärt: „Leider hatte ich mit der Auswahl des Bauleiters Pech.“ Als das Dach im Sommer undicht geworden sei, habe man den Architekten gewechselt. „Bis wir einen neuen hatten, vergingen leider über acht Wochen.“ Darum sei man mit den Dacharbeiten in den Winter gekommen. „Uns tut das auch leid, wir haben aber die Miete gekürzt.“ Für die verschimmelte Wand hat er keine Erklärung; „Wir sind im Stockwerk darunter und lüften regelmäßig. Wir haben keinen Schimmel.“

Für Maximilian Heisler von der Aktionsgruppe Untergiesing ist Manzingers Geschichte „ein klassischer Fall von Entmietung, die stadtweit schon fast an der Tagesordnung ist“. Es werde Zeit, dass sich die Mieter zusammenschließen und wehren.

Johannes Welte

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