Polizei ermittelt

Sankt Sylvester: Brandanschlag auf Jesus-Statue?

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Mesner Johann Nilgesz vor der verkohlten Skulptur

München - Die Holzfigur des "Heilands auf der Rast" in Sankt Sylvester (Schwabing) ist einem Feuer zum Opfer gefallen. Ob es ein Anschlag oder ein Unfall war, ist noch nicht bekannt.

Kurz nach Mitternacht schlugen plötzlich die Flammen aus der Mauernische der alten Schwabinger Dorfkirche Sankt Sylvester in der Biedersteiner Straße 1. Da jedoch war die Holzfigur des „Heilands auf der Rast“ schon nicht mehr zu retten. Die Polizei geht davon aus, dass fahrlässiger Umgang mit einer Kerze den Brand auslöste. Pfarrer David Theil und Mesner Johann Nilgesz wollen das nicht so recht glauben: „Ich bin seit 13 Jahren hier der Mesner. Noch nie haben wir eine Kerze dort hineingestellt. Es standen dort immer nur Blumenvasen. Wer macht denn bloß so etwas?“, fragt sich der Mesner traurig.

Das Bildnis des „Heilands auf der Rast“ steht in einer Nische, die durch einen abschließbaren Maschendrahtzaun geschützt ist. Darin befindet sich eine Aussparung für das innere Schloss. Johann Nilgesz befürchtet, dass jemand mit einem Feuerzeug hindurchgelangt hat. Die Figur trug einen violett farbenen Stoffumhang, den eine ältere Dame aus der Nachbarschaft extra für die Skulptur genäht hatte. Sie stellte auch des öfteren frische Blumen dazu.

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Der Umhang verbrannte fast vollständig. Die Feuerwehr fand noch Überreste einer brennenden Kerze, die ebenfalls als Auslöser in Betracht kommt. Johann Nilgesz kann sich das nicht erklären: „Dann hat jemand extra eine Kerze dort hineingestellt und der Umhang hat im Wind Feuer gefangen. Ich kann mir nur überhaupt nicht erklären, wer das getan haben sollte.“

Ob die Skulptur noch zu retten ist, ist unklar: „Das Gesicht ist völlig verkohlt. Ob da der Restaurator noch etwas ausrichten kann? Es ist sehr schade.“ Der Wert der Skulptur wird nach Polizeiangaben auf 2000 Euro geschätzt.

Sankt Sylvester war einst die Dorfkirche des alten Schwabing. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1315. Der früheste bauliche Nachweis ist der massive untere Teil des Turmes, der aus der Zeit um 1200 stammt.

Die tote Krähe auf dem Turm

Die Alt-Schwabinger Dorfkirche Sankt Sylvester wurde 1987 Schauplatz eines spektakulären Polizeieinsatzes. Am Kirchturmkreuz hing wochenlang eine tote Krähe, deren Flügel sich bei jedem Windstoß gruselig ausbreiteten. Kurz vor Weihnachten beschloss der Pfarrer: „Dass Viech muss da runter.“ In einer waghalsigen Aktion seilte sich ein SEK-Beamter vom Hubschrauber ab und griff die Krähe. Leider hing danach das Kreuz schief. Heimlich starteten die Polizisten in der Nacht darauf noch einmal und bogen das Kreuz mit der Hubschrauber-Kufe wieder gerade (nachzulesen im Buch Zugriff von Emil Pallay).

Dorita Plange

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