Sara Nuru: "In München fühle ich mich zu Hause"

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Topmodel Sara Nuru.

München - In der Landeshauptstadt wird der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bis ins Jahr 2030 auf 40 Prozent ansteigen. Ein Beispiel für perfekte Integration ist Sara Nuru. Im tz-Interview erzählt das Model, was ihm München bedeutet und wo es sich am liebsten aufhält. 

Laptop und Lederhosn, ja klar. Aber auch: Computer und Kopftuch. Bayern – und vor allem München – hat längst eine Multi-Kulti-Gesellschaft. Und: Dieser Trend dürfte sich in Zukunft noch verstärken. Das sagen jedenfalls Statistiker voraus.

Am Donnerstag stellte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine neue Studie vor. Darin geht es um die künftige Entwicklung der bayerischen Bevölkerung – das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung schätzt darin ab, wie viele Menschen bis 2030 im Freistaat leben werden – und wie sich die Bevölkerung dann zusammensetzen wird.

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Für die Stadt München bedeutet das zum Beispiel: Der Anteil der älteren Leute wird steigen – aktuell sind rund 27 Prozent der Münchner 65 Jahre oder älter, im Jahr 2030 werden es schon 29,9 Prozent sein. Einen deutlichen Anstieg wird’s auch in der Gruppe der Bürger mit Migrationshintergrund geben (dazu zählen Menschen, die selber nicht die deutsche Nationalität haben – oder mindestens einen Elternteil ohne deutschen Pass). Aktuell liegt ihr Anteil an der Münchner Bevölkerung bei 35 Prozent. Im Jahr 2022 sind nach Aussage der Statistiker 40 Prozent zu erwarten, wenn alle Trends so weitergehen wie bisher. Selbst wenn sich die Trends verlangsamen sollten, wird sich die Zahl wohl auf 39 Prozent erhöhen.

Auch bayernweit wird die Entwicklung voraussichtlich ähnlich verlaufen. Hintergrund: Derzeit leben rund 2,4 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln in Bayern (Gesamtbevölkerung: rund 12,5 Millionen) – im Jahr 2022 dürften es 2,8 bis drei Millionen sein. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte bei der Vorstellung der Studie in München: „Das leichte Bevölkerungsplus bis zum Jahr 2020 wird weitgehend von dieser Bevölkerungsgruppe getragen.“

Uli Heichele

Sara Nuru: „In München fühle ich mich zu Hause“

Frau Nuru, Ihre Eltern stammen aus Äthiopien, Sie wurden in Erding geboren. Was bedeutet Heimat für Sie?

Nuru: Für mich hat Heimat ganz viel mit Geborgenheit zu tun. Und mit Erinnerungen aus meiner frühesten Kindheit, die mich zu dem machen, was ich bin. Ich erinnere mich sehr genau an meinen Schulweg und die kleinen Gassen bei uns daheim. In München fühle ich mich zu Hause, meine Familie und Freunde leben hier. Es sind die Ecken, in denen ich mich blind auskenne, wo meine Vergangenheit liegt. Einmal im Jahr reise ich nach Äthiopien und entdecke jedesmal mehr in meinem Land.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsplatz in München?

Nuru: Oh ja! Im Sommer liebe ich es, mit meinen Eltern die Eisdiele Sarcletti am Rotkreuzplatz zu besuchen. Dort sitzen wir dann, schlecken unser Eis und ich genieße München in vollen Zügen. Am liebsten mag ich die Sorte Kinderschokolade (lacht).

Haben Sie das Gefühl, dass Menschen mit Migrationshintergrund in München gut akzeptiert werden?

Nuru: Ich kann nur aus eigener Sicht sprechen – und da habe ich noch nie negative Erfahrungen gemacht. Meine Eltern haben immer dafür gesorgt, das ich meine äthiopischen Wurzeln nicht vergesse und mir der Wohlstand in Deutschland bewusst ist. Ich denke, alle Eltern sollten ihren Kindern einen weltoffenen Umgang mit anderen Ethnien vermitteln. Oft ärgert’s mich, wenn Ältere davon ausgehen, dass ich nicht deutsch spreche, nur weil ich dunklere Hautfarbe habe – das ist schon ein wenig ignorant.

Ist das ein Phänomen, das Sie nur in München erleben?

Nuru: Naja, durch meine Reisen merke ich, dass Städte wie New York oder London viel weltoffener sind und München nicht so ein Schmelztiegel ist. Aber ich glaube, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat, obwohl man immer wieder von Zwischenfällen mit Ausländern hört. Wenn Immigranten und Einheimische offener aufeinander zu gehen, wird das in München noch besser werden.

Interview: Christina Lewinsky

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