Sarrazin-Lesung: Drohungen gegen Münchner Literaturhaus

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Thilo Sarrazin

München - Nach Droh-Mails wegen einer Veranstaltung mit Thilo Sarrazin hat das Literaturhaus in München reagiert: Die geplante Lesung wird nun ein Diskussion.

Während die Bundesbank eine Entscheidung über die Zukunft ­ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin gestern vertagt hat und die SPD einen beschleunigten Hinauswurf erwägt, bleibt der Termin im Münchner Literaturhaus auf jeden Fall bestehen: Der 65-Jährige darf sein umstrittenes Werk Deutschland schafft sich ab am 29. September vorstellen. Allerdings wird es sich nicht mehr um die geplante Lesung handeln, die nur von den Nachfragen des Handelsblatt-Chefredakteurs Gabor Steingart unterbrochen wird. Sondern es wird breit diskutiert.

Reinhard Wittmann, Chef des Literaturhauses, eröffnet das Podium. Nicht nur, weil die Münchner Kulturinstitution mit empörten Anrufen und Mails überhäuft wird. „Nach unserem Selbstverständnis wollen wir Themen zur Diskussion stellen, die wichtig sind und die Menschen bewegen.“ Falsch wäre es seiner Meinung nach, die Veranstaltung abzusagen – was einige Kritiker fordern.

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

"Will ich den Muezzin hören, dann reise ich ins Morgenland." © dpa
"Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb." © dpa
"In Deutschland arbeitet ein Heer von Integrationsbeauftragten, Islamforschern, Soziologen, Politologen, Verbandsvertretern und eine Schar von naiven Politikern Hand in Hand und intensiv an Verharmlosung, Selbsttäuschung und Problemleugnung." © dpa
"Besonders beliebt ist es, den Kritikern des Islam mangelnde Liberalität vorzuwerfen." © dpa
"Ich möchte nicht, dass wir zu Fremden im eigenen Land werden." © dpa
"Fabriken und Dienstleistungen müssen wandern, nicht die Menschen." © dpa
"Der Weg in den deutschen Sozialstaat darf nicht ohne Wegezoll möglich sein." © dpa
"In den USA bekämen sie keinen müden Cent. Deswegen sind sie auch nicht dort." © dpa
"Ich möchte nicht, dass das Land meiner Urenkel in weiten Teilen muslimisch ist." © dpa
"Die Arbeitsmigration der sechziger Jahre hat eine europäische Völkerwanderung in Gang gesetzt." © dpa

Der Veranstaltungskalender wurde schon vor Wochen erstellt, Sarrazins Buch war dem Literaturhaus nur aus der Vorschau des DVA-Verlags bekannt. Die Organisatoren erwarteten „eher ein Wirtschaftsthema, verbunden mit den Bereichen Sozial- und Zuwanderungsproblematik“, so Pressesprecherin Marion Bösker. Inzwischen haben Sarrazins Thesen Vorwürfe des Rassismus hervorgerufen, seine Ansichten über Vererbungslehre werden mit harscher und Kritik quittiert.

Wittmann versucht, am 29. Experten für Einwanderung, Integration und sogar einen Intelligenzforscher aufs Podium zu bringen. Sie sollen die Aussagen und Zahlen des aufrührerischen Berliners kritisch hinterfragen. Die 320 Plätze im Saal des Literaturhauses sind ausverkauft. Ein größerer Ausweichort wird gesucht.

bw

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