Die ganze Geschichte

Er zog den Buben vom Gleis: Jetzt spricht der Lebensretter von Sauerlach

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Matthew Mellis mit seiner Frau Nicole. Das Paar hatte kurz nach der Rettungsaktion geheiratet und entschwand dann unerkannt in die Flitterwochen. 

Während Matthew Mellis und seine Frau in den Flitterwochen waren, suchte ganz Sauerlach nach ihnen. Denn vor der Abreise hatte der Brite am S-Bahnhof ein Leben gerettet. Die ganze Geschichte:

Sauerlach - Mit so einem Trubel um seine Person hat Matthew Mellis wahrlich nicht gerettet. „Das ist doch komisch“, sagt der 31-jährige Sauerlacher, der Mitte Mai einen um die zwölf Jahre alten Buben am Bahnhof Sauerlach aus dem Gleisbett gerettet hat, kurz bevor ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn durch den Bahnhof raste.

Weil die Gemeinde von der selbstlosen Tat Wind bekam, aber nichts über die Identität des Retters wusste, startete man eine Suchaktion. Bürgermeisterin Barbara Bogner ließ Aushänge drucken und einen Text auf der gemeindeeigenen Homepage veröffentlichen. Auch in den Medien wurde über die Suche nach dem unbekannten Lebensretter berichtet.

Der Liebe wegen kam der Engländer nach Bayern

Der hat sich erst vor wenigen Tagen bei Bogner gemeldet – aus gutem Grund. Der Engländer, der der Liebe wegen nach Bayern gezogen ist und derzeit eine Ausbildung zum Steinmetz macht, hatte kurz nach seiner Rettungstat geheiratet und war im Anschluss in die Flitterwochen nach Südafrika geflogen. „Dort haben wir von Bekannten und meinen Eltern erfahren, was für Wellen seine Rettungstat schlägt“, erzählt seine Frau Nicole Mellis (29).

Seit Anfang der Woche ist das Paar wieder Zuhause, doch richtig zur Ruhe kommt es nicht. Ständig klingelt das Telefon, melden sich Rundfunksender, TV-Anstalten und Zeitungsverlage, um von Matthew Mellis detailliert zu erfahren, wie es an jenem Freitagmorgen, am 17. Mai dazu kam, dass er den Buben aus dem Gleisbett zog.

Der Bub soll am Bahnsteig in Sauerlach das Gleichgewicht verloren haben

Er sei auf dem Weg in die Berufsschule gewesen, erzählt der ehemalige Soldat. Mit seiner – zu diesem Zeitpunkt noch – Verlobten, die zur Arbeit unterwegs ist, wartet er am Bahnsteig auf die S-Bahn, als er den Buben im benachbarten Gleisbett liegen sieht. „Er hat sich nicht bewegt“, sagt Matthew Mellis. Wie es dazu kam, dass der Schüler vom Bahnsteig aufs Gleis stürzte, weiß er nicht. Bürgermeisterin Bogner hat gehört, dass der Schüler sich in einem Turnbeutel verheddert und das Gleichgewicht verloren haben soll. Tatsächlich habe er einen Schulbeutel auf den Gleisen liegen sehen, sagt der 31-Jährige.

Die Vorgeschichte: Gemeinde suchte lange nach einem Helden: Lebensretter nun bekannt - Mann rettete Bub vom Gleis

Als Matthew Mellis jedenfalls den Buben dort liegen sieht, geht alles ganz schnell. „Ich war wie in Schockstarre, aber mein Mann hat nur kurz geschaut, ob jemand anders dem Jungen hilft, und ist dann schon aufs Gleis gesprungen“, erzählt Nicole Mellis. „Ich habe schon noch geschaut, ob eine S-Bahn oder ein Zug kommt“, ergänzt ihr Mann.

Er hebt jedenfalls den Schüler zurück auf den Bahnsteig und klettert dann selbst schnell aus der Gefahrenzone. Matthew Mellis glaubt nicht, dass der Bub es alleine wieder auf den Bahnsteig geschafft hätte. Er selbst sei über 1,90 Meter groß, und die Bahnsteigkante habe ihm bis zum Hals gereicht, sagt er.

Keine halbe Minute später rauschte der Zug durch den Bahnhof

Wie groß die Gefahr war, in der beide auf den Gleisen schwebten, wird Mellis erst richtig bewusst, als nur kurze Zeit später die BOB durch den Bahnhof rauscht. Denn während der Rettungstat handelt der ehemalige Soldat instinktiv. In seiner Zeit bei der britischen Armee sei er drei Mal in Afghanistan im Einsatz gewesen. Dort sei sein Leben deutlich häufiger in Gefahr gewesen, betont er.

Die Familie ahnt nicht, dass ganz Sauerlach nach dem Lebensretter sucht

Als die BOB durch den Sauerlacher Bahnhof fährt, ist Matthew Mellis jedenfalls dabei, den Buben, über den nicht viel mehr bekannt ist, als dass er in Holzkirchen zur Schule geht, medizinisch zu versorgen. „Er war völlig weiß im Gesicht und hat am Knie geblutet“, erzählt der Brite. „Ich habe ihn auf eine Bank gesetzt und mit einem Taschentuch auf seine Wunde gedrückt.“ Seine Frau ruft unterdessen den Notarzt. 

Danach fahren beide mit der S-Bahn in die Berufsschule beziehungsweise in die Arbeit. Für den Lebensretter ist damit die Sache erledigt: „Dem Jungen ging es gut. Das war die Hauptsache. Ich war in den nächsten Tagen mit meinen Gedanken bei unserer bevorstehenden Hochzeit.“ Denn wenige Tage später wird das Paar getraut. Ende Mai gehen die beiden dann auf Hochzeitsreise nach Südafrika – nichtsahnend, dass die Gemeinde mittlerweile auf der Suche nach dem Lebensretter vom Sauerlacher Bahnhof ist.

Bürgermeisterin Bogner kann es noch gar nicht richtig glauben, dass der Lebensretter, den man so lange gesucht hat, einige Tage zuvor von ihrer Standesbeamtin im Rathaus getraut worden ist. Von seiner Identität, erzählt Bogner, habe sie erst erfahren, als sich der Schwiegervater im Rathaus gemeldet hat.

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