Auch Münchner Stadtwerke verärgert

Saunafans empört: Wegen Steuer wird Schwitzen teurer

+
Für den Saunabesuch ist bald mehr Eintritt fällig.

München - Schwitzen soll teurer werden! Das will die Politik mit dem Wegfall der Umsatzsteuerermäßigung durchsetzen. 16,3 Millionen Saunagänger sind ab dem 1. Juli 2015 bundesweit betroffen – die Gemüter sind erhitzt. Jetzt hat der Deutsche Sauna-Bund (DSB) eine Petition gestartet.

Auch die Münchner Stadtwerke (SWM) kämpfen gegen die Steuererhöhung von sieben auf 19 Prozent. Sprecher Christian Miehling: „Wir sind damit nicht einverstanden. Die Steuer muss so bleiben, wie sie ist.“ Problem: Mit den Erhöhungen steigt auch der Eintrittspreis. Beispiel: Für ein Ticket, das bisher 20 Euro kostet, müsste man künftig 22,24 Euro bezahlen. „Die Anpassung müssen wir an unsere Besucher weitergeben, in welchem Umfang können wir aber noch nicht sagen“, betont Miehling.

Bäderbetreibern treibt’s den Schweiß auf die Stirn: Sie befürchten einen Rückgang der Besucherzahlen und damit großen wirtschaftlichen Schaden. In den M-Bädern liegen Unterschriftenlisten aus. Hier können sich Saunafans noch bis 20. Januar eintragen. „Die Resonanz? Riesig!“, berichtet Miehling.

Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering. „Die Änderung ist dem Grunde nach beschlossen“, sagt Stefan Kirsch, Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Grund für die Steuererhöhung: Saunabesuche sind Wellnessvergnügen, keine Gesundheitsmaßnahmen. Die Wellness-Branche bietet neuartige Produkte an, wie Heu-, Schoko-, Kleopatra- und Aromabäder. „Dafür wird der ermäßigte Steuersatz beansprucht, obwohl damit keinerlei Heilzwecke verfolgt werden“, erklärt Kirsch.

Kritiker sehen die Maßnahmen als falsches Zeichen des Gesetzgebers. Demnach würden gesundheitliche Ziele wie Erkältungsvorbeugung, Stressabbau und Krankeitsvermeidung ausgehebelt. Rolf-Andreas Pieper, DSB-Geschäftsführer: „Das kann der Gesetzgeber eigentlich nicht wollen, schließlich wurde die Steuerermäßigung aus gesundheitspolitischen Gründen eingeführt.“

Das sagen Münchner Saunabesucher

"Die Steuererhöhungen sind eine absolute Frechheit. Ich gehe regelmäßig in die Sauna weil es meiner Gesundheit gut tut. Jetzt ziehe ich aber meine Konsequenzen. Für mich werden Saunabesuche dann wohl zur Seltenheit."

Alexander Sacuianu (39), Reiseleiter aus München

"Ich finde die Entwicklung schade. Solche Bäder und Saunen sollten eigentlich der breiten ­Bevölkerung zugänglich gemacht werden und. Jetzt wird’s ein teures Luxusgut. Ich frage mich: Wer soll sich denn das noch leisten?"

Karin Ceh (53),Friseurmeisterin aus München

"Klar, eine tolle Saunakultur, wie sie in München vorherrscht, darf auch ruhig etwas kosten. Dass der Staat jetzt aber so dermaßen eingreift, halte ich für übertrieben. Aber was soll man machen? Gegen solche Entscheidungen ist man machtlos."

Helmut Grohmann (63), Bauleiter aus München

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie wissen

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie wissen

JOH

auch interessant

Meistgelesen

So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen

Kommentare