Die Schäffler tanzen wieder!

München - Jeden Tag kann man die Schäffler tanzen sehen: im Glockenspiel auf dem Münchner Rathausturm. Aber nur alle sieben Jahre drehen sie sich auch live – in Uniform mit roter Jacke, grünem Hut und schwarzer Kniebundhose.

Am Freitag wurde die Tanz-Saison der Münchner Fassmacher auf dem Marienplatz mit einem umjubelten Auftritt eingeläutet. Geschickt schwenken die 20 feschen Männer ihre buchsbaumgeschmückten Bögen, die Schnallenschuhe klackern zur Melodie der Blaskapelle. Trotz Schmuddelwetter haben sich Hunderte Münchner am Marienplatz versammelt, um dieses seltene Schauspiel mitzuerleben. Die Tänzer formieren sich, bilden mit ihren Bögen geschickt und immer im Takt Kronen, Lauben und Kreuze – ein Wunder, dass dabei niemand auf dem nassen Bühnenboden ausrutscht.

Der Tanz hat eine lange Tradition und geht auf das Jahr 1517 zurück, als die Pest in München wütete. „Es herrschte Verzweiflung, niemand traute sich mehr auf die Straße. Mit den tanzenden Schäfflern kehrte der Lebensmut und die Lebensfreude wieder zurück in die Stadt“, sagte Oberbürgermeister Christian Ude. Vor seiner Be­grüßungsrede malten die Schäffler übrigens die Nase des OB schwarz an.

Über 400 Auftritte in allen Teilen der Landeshauptstadt absolvieren die Schäffler in dieser Tanzsaison, die heuer am 21. Februar endet. Dafür opfern sie ihren Jahresurlaub – anders lässt sich das Programm der nächsten sechs Wochen nicht bewerkstelligen. Geprobt wurde seit Anfang Oktober zwei Mal die Woche, denn „wenn nur einer falsch steht, dann wird das nichts“, betont Vereinsmitglied Christian Härtl, der heuer bereits das vierte Mal mit dabei ist.

Früher durfte nur mittanzen, wer geborener Bayer, unverheiratet und von Beruf Fassmacher war. Heute besteht die bunt gemischte Truppe aus 17- bis 50-Jährigen, aus Busfahrern, Bankern und Uhrenhändlern. Doch immerhin sieben echte Schäffler sind dabei, vier davon arbeiten noch in diesem Beruf.

Warum die offizielle Tanzsaison nur siebenjährig stattfindet, wissen sogar die Schäffler nicht genau. Auf ihrer Homepage äußern sie aber Vermutungen: So soll die Pest in früherer Zeit alle sieben Jahre verstärkt aufgetreten sein. Zudem gilt die Zahl 7 in der Mythologie als Glückszahl. Warum die Schäffler ihren Urlaub opfern und die Tradition pflegen:

Ich opfer’ gern meinen Urlaub

Christian Baumann

Seit 1984 bin ich bereits begeistertes Mitglied des Fachvereins der Schäffler, aktiver Tänzer in der fünften Saison. Mir gefällt die alte Tradition ­dieses Tanzes der Fassmacher sehr gut, dafür opfer’ ich auch gerne meinen kompletten Jahresurlaub. Im normalen Leben bin ich Busfahrer bei der Münchner ­Verkehrsgesellschaft.

Christian Baumann (47)aus München

Der Uropa war schon dabei

Stefan Schiedermeier

Mein Urgroßvater war selbst Schäfflermeister und hat 1914 und 1921 bei den Auftritten des Vereins mitgewirkt – deswegen wollte ich auch Mitglied werden. Zudem war meine Mutter zwei Mal das Münchner Kindl. Ich habe heuer in meiner zweiten Tanzsaison die ­besondere Ehre, nach ­jedem Auftritt einen Toast aussprechen zu dürfen.

Stefan Schiedermeier (40) aus München

Den Menschen Freude bringen

Manfred Eichhorn

Ich bin seit 15 Jahren Mitglied bei den Schäfflern und über meinen Job im Brauereiwesen zum Verein gekommen – und sehr froh, Teil dieser Tradition zu sein. Mir gefällt an unseren zahlreichen Auftritten vor allem, dass wir den Menschen Freunde und Spaß bringen. Das Leben ist doch ansonsten eh ernst genug ...

Manfred Eichhorn (51) aus München

Weitere Auftritte – hier die Termine

Erneute Auftritte am Marienplatz haben die Schäffler am 7., 21. und 28. Januar sowie am 11. Februar jeweils um 12 Uhr, außerdem am 12. Februar um 15.30 Uhr. Außerdem tanzen sie unter anderem am Pasinger Bahnhofsplatz (7. Januar, 11 Uhr), am Chinaturm (8. Januar, 12.30 Uhr; 15. Januar, 13.30 Uhr), am Mangfallplatz (13. Januar, 19 Uhr) und am Rindermarkt (14. Januar, 12 Uhr). Der letzte Tanz der Saison findet am 21. Februar um 20 Uhr vor der Augustiner-Gaststätte an der Neuhauser Straße statt. Alle weiteren Termine sind im Internet ­abrufbar unter www.schaefflertanz.com oder unter Tell. 089/55 06 41 58.

Sabine Dietrich

Rubriklistenbild: © Westermann

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