45.000 Einzelfunde und eine Sensation

Wer will die Schätze vom Marienhof?

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Egon Johannes Greipl, Bayerns oberster Denkmalschützer, mit einer Keramikscheibe aus dem 11. Jahrhundert

München - Die Archäologen sind auf der Baustelle am Marienhof schon auf unzählige Schätze und einen echten Sensationsfund gestoßen, aber wohin mit den Ausgrabungen?

Jahrhundertelang schlummerten am Marienhof Tongefäße, Scherben, Gläser, Schuhe und Gebäudereste metertief unter Schutt und Erde, bevor sie in aufwendiger Kleinarbeit wieder ans Tageslicht geholt wurden. Von einer kleinen archäologischen Sensation war die Rede – auch, weil man auf Münchens ältestes Holzbauwerk gestoßen war. Jetzt droht diese Sensation wieder in der Versenkung zu verschwinden: Noch immer ist die Frage ungeklärt, wann und wo die über 45 000 Einzelfunde ausgestellt werden.

Derzeit lagern die Gegenstände nur wenige Meter vom Fundort entfernt beim Landesamt für Denkmalpflege. „Wir sind der fachliche Treuhänder, bis die Eigentumsverhältnisse geklärt sind“, bestätigt Beate Zarges vom Landesamt. Eigentümer sind derzeit zu gleichen Teilen die Stadt als Grundstückseigentümer und die Bahn als Auftraggeber der Grabungsarbeiten – also als „Finder“.

Bahnsprecher Michael Baufeld ließ gegenüber Hallo durchblicken, dass die Bahn wohl bereit wäre, ihren Anteil der Stadt zu überlassen. „Uns ist nur wichtig, dass die Fundstücke danach nicht in Kisten verschwinden.“ Das Stadtmuseum sieht sich selbst nicht als geeignet an. Durch die Funde vom Marienhof könne man sich nur quantitativ, nicht aber qualitativ erweitern, argumentiert Sammlungsleiter Thomas Weidner. Außerdem gebe es im Haus keinen Archäologen. Allerdings sei man natürlich bereit, einige Fundstücke nach deren wissenschaftlicher Einordnung leihweise auszustellen. Bliebe als dauerhafter Ausstellungsort eigentlich nur die Archäologische Staatssammlung. Doch deren Ausstellungsflächen sind wegen Sanierungsarbeiten derzeit ohnehin begrenzt.

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Zumindest einen kleinen Einblick in vergangene Tage sollen die Münchner im Sommer bekommen. „Wir wollen im Bürgerbüro für die zweite Stammstrecke am Marienhof einige Fundstücke zeigen“, erklärt Baufeld von der Bahn.

2014 könnten übrigens schon neue Fundstücke dazukommen. Aufgrund von Leitungsverlegungen werden an der Dienerstraße und der Schrammerstraße Grabungen durchgeführt.

Marco Litzlbauer

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