Herr Ober, Herz sticht!

Er gibt Schaffkopf-Kurse für Zuagroaste

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Franz Jany (l.) gibt Schaffkopf-Unterricht für alle, die neu in der Stadt sind. Das verbindet er mit Kneipen-Kultur – wie am vergangenen Dienstag im Tattenbach

München - Franz Jany (56) gibt Zuagrosasten und Stadt-Neulingen Nachhilfe in Sachen Schaffkopf (ja, mit drei "f"!)! Der Traunsteiner zieht durch verschiedene Münchner Wirtshäuser.

Es gab zwar eine Menge Ober an diesem Abend, aber niemand hat „Herr Ober!“ gerufen. Weil uns bei dieser überraschenden Begegnung eine Anna bediente, die noch dazu an diesem Abend ihren Geburtstag hatte. Dafür gab es sozusagen einen Oberen der Ober. Einen Lehrer. Aber der Reihe nach:

Wir sitzen nichtsahnend im Nebenraum des Tattenbach, jenem urwüchsigen und ältesten Wirtshaus in der Au. An den langgezogenen Nachbartisch setzen sich immer mehr Menschen. Einer scheint der Zampano zu sein. Der hat einen Hut auf und spricht ein bildschönes Alpenbairisch. Das ist wohl, denken wir uns, so eine Art Treffen der einsamen Herzen. Und er ist so eine Art Mundart-Animateur.

So falsch liegen wir gar nicht. Denn auf einmal, nach Speis und während Trank, ruft der Hutmann: „So, jetzt geht’s auf!“ Und dann ist Herz Trumpf!

Und zwar beim Schaffkopfen. Mit drei „ff“, zwei vor dem „k“ und eines hinter dem „p“. Da sind jener Mann, Franz Jany (56), und der Schreiberling dieses Textes einig, der eigentlich nur den Abend bei einem Augustiner ausklingen lassen wollte. „Das Wort kommt daher, weil früher auf dem Deckel von Fässern, den Schaffen, gespielt wurde“, sagt Franz. Er ist der Lehrer des Spiels, sein Dutzend Schüler sind Neumünchner und zum ersten oder zweiten Mal mit von der Partie. Oder besser: etlichen Partien.

Franz wuselt von einem Vierer zum nächsten, gibt Tipps. Erst mal gibt’s nur Sauspiele, keine Soli. „Mir haben auch einen Schweizer und eine Italienerin dabei. Und alle Mitspieler sind neu in der Stadt. Die lernen nicht nur das Spiel, sondern auch Wirtshäuser kennen, die sie normalerweise nicht kennenlernen“, sagt er. Am heutigen Dienstag geht’s in den Rumpler in die Baumstraße.

Die Teilnehmer kommen über das Job-Netzwerk Xing, 70 bis 80 Prozent bleiben dabei. „Wir haben auch eine Profi-Schaffkopfgruppe“, sagt Franz, der eigentlich aus Traunstein kommt. „Der ist aus dem Anfängerkurs entstanden und hat mittlerweile so um die 30 Mitglieder.“ Übrigens: Aus Franz’ Umfeld waren auch die ehemaligen Dauer-Schaffkopf-Weltmeister, „ich glaub, so 221 Stunden“, sagt er – aber der wurde mittlerweile ja gebrochen.

Was Franz den Zua­groastn das Karteln lehrt? „Das ist eine gewisse Berufung. Ich will den Leuten was beibringen und hab selbst die größte Gaudi dabei. Mir machen auch Stammtische, Weißwurst-Frühschoppen, das ist mittlerweile ein riesiges Netzwerk.“ Sein Bua, sagt Franz, ist auch Schaffkopf-infiziert und „spielt sich mittlerweile im Gymnasium in Reutlingen schwindlig“.

Einen Einsatz gibt’s hier nicht, aber bei den „Profis“ schon: ein Zehnerl fürs Sauspiel und ein Fuchzgerl fürs Solo. Ohne Legen. „Bei den Profis sind mehr Frauen als Männer. Und die spielen, dass du dich warm anziehen kannst“, berichtet der Kartler-Chef.

Sticht Herz auch privat? „Das kommt schon vor. Ein Paar hat grad eben geheiratet und ein Kind gekriegt, ein weiteres Pärchen hat sich grad gefunden.“ Und was kostet diese „Partnervermittlung“ für die Teilnehmer? „Jeder zahlt freiwillig einen Euro. Ich nehm auch zwei. Weil der Lehrer viel reden muss und einen Haufen Durst kriegt.“

Matthias Bieber

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