Der Schandfleck wird zum zweiten Seehaus

München - Das kenn’ ich doch irgendwo her!? Viele Lerchenauer wundern sich seit Donnerstag über die Almhütten-Konstruktion an ihrem See. Richtig: Das ist der Original-Bau vom Eiszauber am Stachus. Wo im Winter Glühwein ausgeschenkt wird, fließt jetzt frisches Bier aus den Hähnen.

München hat ein zweites Seehaus - den See-Biergarten Lerchenau. Und die Anwohner sind froh, dass der alte Schandfleck weg ist.

Der Münchner Gastronom Siegfried Able, der neben dem Eiszauber mehrere Standl zum Beispiel am Hauptbahnhof betreibt und seit 2008 die Kalbs Kuchl auf der Wiesn führt, hat dieses Grundstück-Juwel erst im März ergattert. „4000 Quadratmeter Privatgrund am See: Als ich das erste Mal vor vier Jahren von dieser Option hörte, wusste ich: Dafür werde ich kämpfen, auch wenn’s sehr teuer wird.“ Den genauen Preis verschweigt er.

Geduld war angesagt: Unter 100 Bewerbern waren zwei potenzielle Käufer schneller als er. Beide Male scheiterte die Finanzierung dann aber. Zum Leidwesen der Anwohner: An ihrem schönen Badesee, der an heißen Tagen 8000 Badegäste anzieht, blieb 14 Monate lang die hässliche Plattenbau-Ruine vom ehemaligen „Gasthaus am See“ stehen. Für Able war’s ein Riesen-Glück: So schnell es ging, setzte er seine Unterschrift unter den Kaufvertrag, ließ den Schandfleck abreißen, innerhalb von fünf Wochen entstand der Biergarten. „Die Bauten hatte ich ja schon vom Eiszauber. Ich musste sie nur aus dem Lager holen und aufbauen.“

Die rustikalen Alm-Stadl werden zu Wanderhütten: Im Winter kommen die etwa 1000 Holz-Einzelteile im 50 Tonnen-Laster wieder an den Stachus - und im Sommer wandern sie zurück. Ein genial praktisches Konzept. Able will im Münchner Norden ein Seehaus etablieren, das mit dem großen Seehaus im Englischen Garten von seinen Wiesn-Kollegen, der Familie Kuffler, mithalten kann. „Mit 110 Metern Uferfläche haben wir sogar mehr Platz am See als die“, sagt der 48-Jährige mit einem Augenzwinkern. Freilich ist die Umgebung in diesem Viertel nicht ganz so schön: Wer ungünstig sitzt, erblickt im Augenwinkel zwei graue Hochhäuser.

Ables Konzept soll das wettmachen: Das urig-heimelige der Almhütten zieht sich auch durch den Biergarten. Über dem Kies liegen Holzplatten. Statt schnöder Bierbänke hat Able massive Bauernstuben-Möbel für die erwarteten 700 bis 800 Gäste aufgestellt - auf den Tischen stehen Topfblumen. Auf der Speisekarte findet sich alles, was der Biergartenbesucher erwartet: den Obazdn mit Radieserl gibt’s für 5,80 Euro, den Wurstsalat für 5,90 Euro, den Radi für 3,50 Euro, das Hendl für 5,80 Euro. Die Mass Spaten-Bier kostet 6,80 Euro, die Halbe Franziskaner-Weißbier 3,80 Euro. Der Wirt empfiehlt die hausgemachten Kuchen (Stück 2,50 Euro). Die stammen von seiner Tochter -Vanessa (21). Auch Tochter Verena (23) und Ehefrau Sabine (46) arbeiten fleißig für den Familien-Traum. In etwa zwei Jahren soll auf diesem Grundstück auch  noch ein Hotel mit Restaurant und Festsaal entstehen. „Ich hoffe, dass es vor allem Geschäftsleute zum Beispiel bei Messen anzieht.“ Ein modernes Drei-Sterne-Plus-Übernachtungshaus mit etwa 50 Zimmern soll es werden, ohne großen Schnickschnack. Aber mit Erholungsgarantie so nah am Stadtzentrum.

Nina Bautz

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