Schwanthalerhöhe

Schanigarten-Verlängerung: Wirt muss warten

Chef im Bürgerheim auf der Schwanthalerhöhe: Wirt Thomas Eberlein
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Chef im Bürgerheim auf der Schwanthalerhöhe: Wirt Thomas Eberlein will seinen Schanigarten zur dauerhaften Einrichtung machen.

Ein Wirt auf der Schwanthalerhöhe möchte seinen Schanigarten über die Corona-Zeit hinaus nutzen. Die Stadt München hat das generell bereits bejaht, dennoch zögert die Politik nun mit der Genehmigung. Denn: Sie würde einen Präzedenzfall schaffen.

München - Für Thomas Eberlein ist sein Schanigarten ein voller Erfolg. Seit 13 Jahren betreibt er das Bürgerheim an der Bermannstraße 33. Mit Erfolg – zumindest bis ihm das Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung machte: Hygienekonzepte, Abstandsregeln, Impfnachweise. Wirte hatten und haben es nicht leicht. Dann kam der Schanigarten und mit ihm 50 bis 70 zusätzliche Sitzplätze, die fast immer gut besucht sind. „Der Schanigarten wird bei Wind und Wetter genutzt“, berichtet Eberlein.

Der Wirt hat viel ausprobiert, um seinen Gästen etwas zu bieten: Ein Zelt gegen den Regen. Ein Podest aus Lärchenholz, damit der Schanigarten barrierefrei ist. Mittlerweile lassen große Schirme die Sonne durch und bieten gleichzeitig etwas Schutz. Auch die Anwohner sind zufrieden, berichtet Eberlein. Mehr Lebensqualität biete der Schanigarten, und das einem kleinen Preis: Vier Parkplätze wurden überbaut, immerhin drei Autos finden aber Platz entlang des Gartenzauns.

Der Wirt will den Schanigarten jedes Jahr von April bis Oktober nutzen

Eberlein möchte seinen Schanigarten deshalb nicht nur in der Coronazeit nutzen, sondern jedes Jahr von April bis Oktober. Mit dieser Idee hat er sich an den Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe (BA) gewandt. Dort allerdings hat der Vorschlag ein geteiltes Echo hervorgerufen.

BA-Mann Holger Henkel (SPD) fürchtet, man könnte einen Präzedenzfall schaffen

BA-Mann Holger Henkel (SPD), der Vorsitzende des Bauausschusses, fürchtet, man könnte einen Präzedenzfall schaffen, wenn man dem Bürgerheim einen dauerhaften Schanigarten genehmigen würde. Andere Wirte könnten sich bei ihren Anträgen auf diese Entscheidung berufen. Schließlich gäbe es schon jetzt Lokale, die weit mehr Außenbestuhlung anböten als Sitzplätze im Inneren. „Zunächst würden wir uns gerne selbst ein Bild davon machen, wie nicht nur die Gäste, sondern auch die Anwohner des Viertels zu den Schanigärten stehen“, erklärte der SPD-Mann. Er möchte im Winter über den Vorschlag entscheiden.

„Wir haben bisher keinerlei Beschwerden bekommen“, hielt Florian Kraus von den Grünen dagegen. „Deshalb sehe ich keinen Grund eine Entscheidung weiter hinauszuzögern.“ Und die BA-Vorsitzende Sibylle Stöhr (ebenfalls Grüne) wies darauf hin, dass der Stadtrat bereits im Mai die Grundlage dafür geschaffen hätte, Schanigärten auch über die Corona-Zeit hinaus weiterzuführen.

Thomas Eberlein will nicht bis zum Winter warten, die Zustimmung der Politik wäre ein wichtiges Zeichen an die Gastronomie, sagt er

Wirt Eberlein möchte nicht bis zum Winter warten. „Die Antragsflut wird kommen“, sagte er, „ob die Entscheidung hinausgeschoben wird oder nicht.“ Für Eberlein wäre die frühe Zustimmung ein wichtiges Zeichen der Politik an die Gastronomie. Sie könnte die Wirte ermutigen, sich Gedanken zu machen und auch Geld in die Hand zu nehmen, um für alle passende Lösungen für die Schanigärten zu finden. Architekten beauftragen, Bauanträge stellen – all das dauert. „Und ein Schanigarten im Winter 2022 hilft niemandem“, unterstrich Eberlein.

BA-Politiker Daniel Günthör (Grüne) schlug deshalb eine Kompromisslösung vor: Würde das Stadtteilparlament in seiner Novembersitzung über den Antrag entscheiden, bliebe den Wirten genügend Zeit, um zu planen. Bis dahin könne der BA die Anwohner befragen. Die BA-Vorsitzende Stöhr fügte allerdings an: „Wenn wir bis November warten, erhoffe mir ich einen Lösungsvorschlag“, der die Verzögerung wert sei. „Ich habe keine Lust, hier stundenlang ohne Ergebnis zu diskutieren“, so die Grünen-Politikerin. Mit knapper Mehrheit stimmten die Lokalpolitiker für die Vertagung des Antrags. Im November soll nun final darüber beschieden werden.

Bis zu 70 Plätze kann das Bürgerheim draußen bieten. Vier Parkplätze wurden dazu überbaut.

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