Scharfe Kritik an orthodoxem Gotteshaus

So soll die russisch-orthodoxe Kirche an der Knappertsbuschstraße in Bogenhausen im überarbeiteten Entwurf aussehen. Der Komplex wäre aber noch immer höher als die umliegende Bebauung, was einigen missfällt. visualisierung: Büro Bernd Fröhlich

München - Schon die ersten Pläne für eine russisch-orthodoxe Kirche in Bogenhausen wurden abgelehnt, der neuen Version könnte es nun ähnlich ergehen: Sowohl BA als auch Stadt übten Kritik.

Die Tihon-Stiftung, die als Bauherr für die russisch-orthodoxe Kirche fungiert, hat wie berichtet der katholischen Kirche das Grundstück an der Knappertsbuschstraße 26 abgekauft und will dort ein Gotteshaus im klassischen russischen Stil errichten - mit mehreren Kuppeln über dem zentralen Kirchenraum.

Im ersten Entwurf hätte die höchste Kuppel samt Kreuz eine Höhe von etwa 37 Metern erreicht - zwölf Meter höher als die neungeschossigen Wohngebäude in der Nachbarschaft. Diese Pläne hatte das Planungsreferat vergangenes Jahr abgelehnt. Zu hoch, zu wuchtig, zu wenig Stellplätze und eine ungenügende Verkehrserschließung, hieß es damals. Das Vorhaben überschreite die im Bebauungsplan festgesetzte Größe deutlich und sei deshalb so nicht genehmigungsfähig.

Der neue Plan unterscheidet sich vor allem dadurch, dass er den Eingangsbereich nun auf Geländeniveau legt. Dadurch wird die Kirche um 6,5 Meter niedriger. Architekturprofessor Ludwig Wappner stieß die Optik des monumentalen Gotteshauses trotzdem auf. Zusammen mit Kollegen forderte er einen Gestaltungswettbewerb. Doch die Russen wollen hier nichts ändern. Ihre Kirchen würden traditionell eben so aussehen, verdeutlichte der Generalkonsul gegenüber der Kommission.

Beanstandet wurde aber auch die Situierung der Nebengebäude. Zusammen mit dem Kirchen-Bauwerk, in das 200 Personen passen, sollen noch ein 300 Quadratmeter großes Gemeindezentrum mit Saal, mehreren Unterrichtsräumen, einer 150 Quadratmeter großen Bibliothek sowie einer dreigruppigen Kindertagesstätte entstehen.

Das Gebäude sei an einer nicht nachvollziehbaren Stelle auf dem Sackgassen-Grundstück platziert, findet die Kommission. Das dadurch entstehende Inseldasein gehöre aufgelöst. Die einstimmige Empfehlung: Nebengebäude und Stellplätze müssen unbedingt optimiert werden.

Der Bogenhauser Bezirksausschuss äußerte sich ähnlich. Der monumentale, historisierende Baukörper und die zufällig erscheinende Gruppierung der Gebäude wären Fremdkörper in der Umgebung, die von Wohnbauten der 70er-Jahre geprägt seien. Zudem sei das Angebot von 22 Stellplätzen völlig unzureichend. „Für eine Kirche mit stadtweitem bis regionalem Einzugsgebiet ist der Standort mit seiner ungenügenden ÖPNV-Erschließung ungeeignet“, so BA-Planungssprecher Frank Otto (SPD). Die Stadtteilpolitiker pochen insgesamt auf einen städtebaulichen Wettbewerb für das Projekt.

Von Carmen Ick-Dietl

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