Die Schattenseiten der Partymeile

München - Es ist Wochenende und tausende Münchner zieht es zum Feiern in die Innenstadt. Das Zentrum ist längst zur Partymeile geworden - mit unschönen Nebeneffekten.

Laut Polizei steigt die Zahl der Drogen- und Gewaltdelikte. Die Stadt setzt nun auf Gespräche mit den Wirten. Derzeit im Fokus: die Sonnenstraße. Ein Jahr ist es nun her, dass der Elektro-Club „Harry Klein“ an die Sonnenstraße zog. Betreiber David Süß kehrte dem Optimolgelände am Ostbahnhof den Rücken und folgte dem Ruf der Innenstadt. Genauso hatte es zuvor die „Milchbar“ gemacht. Und Mitte Mai feierte auch noch das „X-Cess“ an der Sonnenstraße seine Neueröffnung. Das Partyvolk freut sich. Der klare Trend: Wer etwas auf sich hält, feiert im Zentrum. Auch vor dem Club „Cord“ und dem „59:1“ werden die Schlangen immer länger, beide liegen seit Jahren an der Sonnenstraße.

Gleichzeitig haben manche Nachtschwärmer das Problem erkannt: Scherzhaft reden sie vom „Kunstpark Mitte“ und sprechen damit auch die Schattenseite eines lebendigeren Nachtlebens im Zentrum an. Denn Probleme wie Drogen- und Gewaltdelikte sind den Clubs von der Partymeile am Ostbahnhof in die Stadt gefolgt. Die Polizei wird dort laut Sprecher Peter Reichl zu immer mehr Einsätzen gerufen. „Die Szene verlagert sich in den Innenbereich.“ Intern sprechen die Beamten von der „Feierbanane“ - und meinen die 1,2 Kilometer lange Kurve vom Sendlinger-Tor-Platz bis zum Maximiliansplatz.

Vor drei oder vier Jahren, erinnert sich Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, habe man am Maximiliansplatz „massive Probleme“ gehabt. Dort, wo Diskotheken wie die „089-Bar“, das „Baby“ und das „Max & Moritz“ liegen, tummelte sich das Partyvolk nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Grünanlagen. „Wir haben damals die Büsche gelichtet und für Beleuchtung gesorgt“, sagt Blume-Beyerle. Dies habe die Zahl der Drogengeschäfte verringert. Seither werden die Pflanzen regelmäßig zugeschnitten, „wir wollen zudem noch mehr Licht installieren“, sagt Polizeisprecher Reichl. Denn seine Kollegen mussten im ersten Quartal 2011 rund um den Maximiliansplatz immer noch 39 Einsätze wegen Drogenmissbrauchs und 46 Körperverletzungen verzeichnen. Zum Vergleich: An der Sonnenstraße waren es 69 Körperverletzungen (18 mehr als im Vorjahr), elf Drogendelikte (drei mehr als 2010) und ein Raub. Trauriger Spitzenreiter ist aber nach wie vor das Areal am Ostbahnhof: Dort registrierte die Polizei heuer im ersten Quartal 223 Körperverletzungen, 38 Drogendelikte und einen Raub.

Um zu verhindern, dass es in der Innenstadt soweit kommt, führt die Stadt derzeit Gespräche mit einigen Clubbetreibern an der Sonnenstraße. Einer von ihnen dürfte David Süß vom „Harry Klein“ sein. Er ist nach einem Jahr mit der Wahl seines Standorts zufrieden - eine Zunahme von Gewalt- oder Drogendelikten gebe es in seinem Club nicht, sagt er. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen und haben die Lage im Griff.“ Wenn junge Leute nachts ausgingen, seien sie „im Sozialverhalten etwas anstrengender“ - das Problem habe man aber überall.

Der Chef des „59:1“ , Frank Bergmeyer, versteht die Aufregung überhaupt nicht. „Bei uns gibt es weder mit Gewalt noch mit Drogen irgendwelche Probleme.“ Generell sei es widersinnig, solche Entwicklungen auf die Clubs zu schieben. „Als Wirt fühlt man sich wie ein halber Verbrecher, ständig sind wir an allem schuld.“ Bergmeyer, dem unter anderem noch der „Bergwolf“ gehört, wünscht sich eine konstruktivere Zusammenarbeit mit der Stadt - und kritisiert die Einstellung der Verantwortlichen: „München hat den Anspruch, eine tolle Großstadt zu sein, verweigert sich aber den Entwicklungen, die das mit sich bringt.“

Ann-Kathrin Gerke

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