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Senior muss nach 55 Jahren raus

Schauspieler (70) kämpft um seine Wohnung

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Michael Conti-Czischka in seiner Wohnung

München - Es ist sein persönliches Drama. Der ehemalige Schauspieler Michael Conti-Czischka (70) lebt seit 55 Jahren in einer Wohnung an der Richard-Strauss-Straße – und jetzt soll er raus!

Die Wohnung wurde verkauft, der neue Eigentümer will im kommenden Jahr selber einziehen. Conti-Czischka bekam die Kündigung wegen Eigenbedarfs. Er sagt: „Das ist eine Katastrophe. Wie soll ich als Rentner auf dem Münchner Markt eine Wohnung finden?“ Als Schauspieler — unter anderem am Volkstheater, am Deutschen Theater und in der Fernsehserie Der Alte — hat er zwar Rentenbeiträge eingezahlt, rausgekommen ist dabei allerdings nur eine kleine Rente. Er sagt: „Nur weil ich einen so alten Mietvertrag habe, kann ich mir die Wohnung leisten.“ Für 78 Quadratmeter zahlt er knapp 500 Euro. Früher führte hier der Mittlere Ring direkt am Haus vorbei, dann war jahrelang Tunnelbaustelle mit Krach und Dreck. Jetzt ist die Straße vor dem Gebäude ruhig, und es gibt einen breiten Grünstreifen. Conti-Czischka hatte die Wohnung 1972 von seinen Eltern übernommen, mit denen er zuvor zusammen hier gelebt hatte.

Damals war eine Wohnbau-Gesellschaft Eigentümer der Immobilie – die hat mittlerweile aber an einen 25-jährigen Handwerksmeister verkauft. Conti-Czischka: „Dessen Vater hat auch andere Wohnungen in dem Haus gekauft. Zurzeit saniert er wieder eine in der Wohnanlage.“

Der Wohnungskäufer sagte der tz, andere Wohnungen hätten mit dieser Sache nichts zu tun. Er wolle einziehen – deshalb müsse der Rentner eben raus: „Wenn ich eine Wohnung kaufe, dann ist es mein gutes Recht, selbst darin einzuziehen.“ Zudem habe er eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten eingeräumt, obwohl er nur zu neun verpflichtet sei. Beatrix Zurek, Vorsitzende des Münchner Mietervereins, findet die Lage schlimm: „Wenn ich weiß, dass ich eine Wohnung kaufe, in der ein Mieter sein ganzes Leben verbracht hat, dann ist es unmoralisch, den Mieter an seinem Lebensabend vor die Tür zu setzen. Die Vermieter wissen, dass der Senior keine Chance auf dem Wohnungsmarkt hat, da Vermieter ungern Verträge mit Rentnern abschließen.“ Sie appelliert an den Käufer, sich eine andere Wohnung zu kaufen oder abzuwarten.

Diese Worte werden wohl ohne Wirkung bleiben. Der neue Eigentümer bleibt auf seinem Standpunkt. Dass er ja in eine andere Wohnung in der Anlage einziehen könnte, die seinem Vater gehört: Das würde erst bei einer möglichen Abwägung vor Gericht eine Rolle spielen. Und einen Prozess gibt es nur dann, wenn der Mieter Einspruch einlegt und der Vermieter auf Räumung klagt. Zurek: „Dann prüft das Gericht, ob die Interessen des Mieters die Interessen des Vermieters überwiegen. Das kann dann der Fall sein, wenn betagten Mietern ein Umzug nicht zugemutet werden kann.“

Gut möglich, dass es tatsächlich zu einem Prozess kommt. Conti-Czischka denkt jedenfalls über juristische Schritte nach. Er ist überzeugt: „Es geht doch eigentlich nur ums Geld. Ich habe den Vater des neuen Eigentümers gefragt, warum sie das mit mir machen, obwohl sie doch wissen, dass ich 70 Jahre bin und keine Chance habe, eine andere Wohnung zu finden. Er hat einfach nur mit den Schultern gezuckt."

S. Sasse

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