Mega-Deal mit dem Emir von Katar

Scheichs kaufen Münchner Privatbank

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Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, Emir von Katar

München - Jetzt zieht das große Geld von München in den Golfstaat Katar: Die bekannte Münchner Privatbank Merck Finck & Co. wechselt den Besitzer – und der neue Eigentümer ist bekannt für seinen Reichtum.

Seit Mittwoch ist klar: Die Familie des Emirs von Katar hat die Münchner Privatbank am Lenbachplatz gekauft. Der komplette Deal (dazu gehören auch andere Banken) umfasst die Summe von rund einer Milliarde Euro.

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Die Traditionsbank Merck Fink & Co am Lenbachplatz

Bisher gehörte das Bankhaus Merck Finck & Co. dem belgischen Finanzkonzern KBC. Die Kunden: reiche Privatleute aus Deutschland, der Großteil davon aus München. Die Herrscherfamilie Al-Thani macht das Geschäft nun perfekt und zahlte rund eine Milliarde Euro für die Übernahme einer Privatbanken-Gruppe – Merck Finck & Co. ist Teil dieser Gruppe. Der Deal klappte nicht auf Anhieb – ein erster Anlauf zum Verkauf war gescheitert, denn eine indische Familie wollte sogar 1,4 Milliarden Euro für die Übernahme bezahlen. Doch damit waren die Inder bei der luxemburgischen Finanzaufsicht abgeblitzt.

Die Privatbank wurde vor mehr als 140 Jahren von der Familie Finck (siehe Artikel rechts) in München gegründet. Mit 350 Mitarbeitern betreut sie ein Vermögen von mehr als zehn Milliarden Euro. Durch die Übernahme soll sich nichts ändern – das Management, das Geschäftsmodell und die Marken sollen erhalten bleiben. „Die Übernahme durch einen finanzstarken Investor gibt den Kunden Sicherheit“, sagt ein Banksprecher.

Merck Finck & Co. im Besitz der Scheichs – das passt ins Bild. Denn das schöne München scheint den Arabern überhaupt zu gefallen. Sie lassen eine Menge Geld hier – ob als Touristen oder als Investoren.

… und das gehört ihnen auch noch

Ist München das neue Mekka für arabische Investoren? Mehr als 370 000 Touristen haben 2011 in der Stadt übernachtet – damit kommt mehr als jeder dritte Araber, der Deutschland besucht, nach München. Luxus pur: Familienclans und Geschäftsleute wohnen in Fünf-Sterne-Hotels, kaufen an der Maximilianstraße ein – oft für mehr als 1000 Euro pro Tag. Sie lieben Kleidung und Schmuck. Viele investieren auch in Immobilien oder Aktien. „Die Kataris haben Aktienbeteiligungen bei Porsche, Volkswagen, Hochtief und Siemens“, sagt Jasmyn Fürstmann, Repräsentantin des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft Katar auf tz-Anfrage. Bei Porsche halten die arabischen Investoren rund zehn Prozent, beim Münchner Technik-Giganten Siemens hat sich der Golfstaaat Katar 3,04 Prozent gesichert. Ein Gutteil der Aktien kaufen private Anleger – in den Bilanzen bleiben sie anonym. Ganz anders Geschäftsmann Hasan Ismaik – er stieg als Investor bei 1860 München ein, ist mittlerweile Aufsichtsratschef der ausgelagerten Kapitalgesellschaft des Vereins.

Eid Hafez kennt die arabischen Königshäuser genau. Der Münchner Fremdenführer organisiert Flüge und exquisite Unterkünfte für die Scheichs. Die tz erreicht ihn in Doha: „Ich weiß, dass arabische Investoren Wohnungen in der Arnulfstraße, Kosimastraße und der Parkstadt Solln besitzen“, sagt Hafez. Dort wohnen sie den Sommer über – während in der Heimat drei Monate Ferien sind. Immobiliengeschäfte beginnen oft ab 100 Millionen Euro. „Vermögende Araber haben oft spezielle Wünsche“, sagt der Münchner Luxusmakler Detlev von Wangenheim. Sie kommen oft als Clan, benötigen mehrere Schlaf- und Badezimmer. Teilweise wollen sie eigene Bediensteten-Unterkünfte. Das Geld dafür haben sie ja…

Das ist die Familie Finck

Gründer der Dynastie war Wilhelm von Finck (1848 bis 1924), der im Alter von nur 22 Jahren als Prokurist begann. Wilhelm von Finck war beteiligt bei der Gründung einer Vielzahl von Unternehmen wie der Allianz und der Münchner Rück. 1905 erhob ihn Prinzregent Luitpold in den Adelsstand.

Zusammen mit seiner Ehefrau Marie hatte er vier Kinder. Der ältere Sohn fiel im Ersten Weltkrieg, deswegen kam August von Finck senior zum Zug und übernahm 1924 das Erbe.

August von Finck senior heiratete zweimal: Aus der Ehe mit Margot von Finck gingen drei Kinder hervor: Wilhelm (1927), August junior (1930) und eine Tochter. In zweiter Ehe war er mit Dr. Gerda Mau verheiratet, mit der er die Söhne Helmut (1954) und Gerhard (1959) hat. Als der Vater 1980 starb, wurde sein Sohn August von Finck junior Vorstand der Bank. Er beteiligte sich an Löwenbräu, wurde u. a. Hauptaktionär bei Mövenpick und Hochtief.

Laut Forbes-Liste 2012 besitzt August von Finck junior ein Vermögen von 7,8 Milliarden Dollar. Er ist der achtreichste Deutsche. Er ist mit Francine von Finck verheiratet und hat vier Kinder: August Francois (1968), Maximilian Rudolf (1969), Luitpold Ferdinand (1971) und Maria Theresia (1975). Er lebt seit 1999 in der Schweiz.

Seit Halbbruder Helmut von Finck hatte im Jahr 1985 gegen eine Abfindung in Höhe von 65 Millionen D-Mark auf sein väterliches Erbe verzichtet. Seit 2009 versucht er vor Gericht, den damals geschlossenen Erbverzichtsvertrag für nichtig zu erklären. Auch sein Sohn Nino ist dabei beteiligt. Er ist gemäß einer Nacherbschaftsklauses im Testament seines Großvaters Erbe von einem Drittel des Vermögens.

A. Wille, A. Thieme, C. Lewinsky

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